27.12.2008 · Der Kopf ist so leer wie die Kaffeetasse. Ein Königreich für einen guten Gedanken. Kreativität heißt das Zauberwort. Wie aber geht das, auf Knopfdruck kreativ zu sein? Einige Methoden helfen tatsächlich weiter.
Von Ursula KalsDas Problem ist groß, die Ratlosigkeit auch, eine Idee nicht in Sicht. Wie gelange ich zu einer kreativen Lösung? Indem ich mir überlege, wie könnte man das noch verschlimmern oder verschlechtern. Die sogenannte Umkehrmethode macht den Kopf frei, wenn man auf der Suche nach einem kreativen Einfall auf dem Schlauch steht. Angela Sophia Wagner probiert diese Methode beim Kreativitätstraining mit Gruppen gerne und erfolgreich aus, „um aus Problemopfern Lösungstäter zu machen“. Zum Beispiel fordert die Diplom-Psychologin Teilnehmer auf, sich zu überlegen, wie man ihr Unternehmen in drei Monaten in den Ruin treiben und durch Marketingmaßnahmen auch noch den allerletzten treuen Zulieferer und Kunden verprellen könnte.
Was kann ich persönlich dazu beitragen, die Situation noch zu verschlimmern? Das lassen sich die meisten Kursteilnehmer nicht zweimal sagen. Der Druck, eine gute Idee zu produzieren, ist plötzlich entschärft: Statt sich hingebungsvoll ihren Grübeleien zu widmen, geraten die meisten Leute in Fahrt. „Es wird destruktive Lust aktiviert, und plötzlich ist Energie da“, erklärt die Trainerin aus Wiesenbach nahe Heidelberg. Die Vorschläge werden zynisch, hemmungslos und sorgen für Heiterkeit: Kunden in Telefonendlosschleifen schicken, sie mit unverständlichen Werbebroschüren belästigen, Termine verschleppen, Aufträge verbaseln. „Man muss Schmunzeln und bekommt Ideen“, sagt Wagner. Natürlich sollte der Lust am Untergang nicht überstrapaziert werden, gemeinsam wird anschließend überlegt, wie man gute Strategien daraus ableiten kann.
Ursula Kals Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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