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Trainees Führungsnachwuchs an die Hand nehmen

Trainee-Stellen werden immer beliebter, sie gelten als Türöffner für die große Karriere. Eine Studie zeigt, was ein Programm bieten sollte.

© F.A.Z. Vergrößern Angebote aus der Wirtschaft

Wie wird ein Arbeitgeber für die besten Universitätsabgänger attraktiv, und wie bindet er sie ans Unternehmen? Mit einem guten Traineeprogramm. Der Haniel-Konzern, größter Anteilseigner der Metro Group, hat mehr als 400 deutsche Unternehmen zu ihren Traineeprogrammen für Wirtschaftswissenschaftler befragen lassen. „Damit wollen wir Absolventen Orientierung bieten und Unternehmern die Möglichkeit geben, ihre Traineeprogramme mit Blick auf deutsche Standards zu verbessern“, sagt Peter Sticksel, Personalchef bei Haniel.

Für mittelständische Arbeitgeber dürfte der Vergleich ernüchternd sein. Denn an der Studie nahmen größtenteils Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und mehr als 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr teil. Und deren Ergebnisse sind kaum zu toppen: Zwölf Traineestellen bietet ein Unternehmen im Durchschnitt an, 93 Prozent der Trainees werden übernommen oder haben von vornherein einen unbefristeten Vertrag. Ihr Durchschnittsgehalt liegt bei über 40.000 Euro im Jahr.

Was ist drin, wo „Trainee“ drauf steht?

Neben wichtigen Eckdaten bietet die Studie vor allem Erkenntnisse zum Inhalt deutscher Traineeprogramme. Denn „Trainee“ ist kein geschützter Begriff. Was ist also drin, wo „Trainee“ drauf steht? Über die Hälfte der Unternehmen bietet Stellen im Controlling an. Im Marketing und in der Personalabteilung bieten ebenfalls viele Programme an, weniger im Bereich Logistik.

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Da Traineeprogramme in erster Linie der weiteren Ausbildung der Absolventen dienen sollten, sind die Ausbildungsleistungen besonders wichtig. Sie sind bei über 80 Prozent der Unternehmen Standard. Dazu gehören Personalentwicklungsmaßnahmen, ein permanenter Ansprechpartner, der Austausch mit anderen Trainees, Feedbackgespräche und die Mitarbeit in Projekten. Mit einer Projektleitung betrauen dagegen nur 19 Prozent der Unternehmen ihre Trainees.

Näher am Ausbildungsverhältnis

Um die Vorstellungen der Unternehmer von einem optimalen Trainee-Programm mit den Erwartungen der Bewerber abzugleichen, hat Haniel 2010 und 2011 auch potentielle Trainees befragt. „Das Angebot der Unternehmen und die Wünsche der Bewerber haben sich in der Zwischenzeit angenähert“, sagt Sticksel. In einigen Punkten liegen die Arbeitgebervorstellungen aber noch daneben: 31 Prozent der Unternehmen ist es besonders wichtig, dem Trainee im Programm einen eigenen Gestaltungsspielraum zu bieten. Dabei legen darauf nur 16 Prozent der potentiellen Bewerber größeren Wert. Andersrum verhält es sich bei der Frage nach persönlicher Betreuung. Sie ist für fast die Hälfte der Bewerber ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl eines Programms - aber nur 29 Prozent der Unternehmen legen darauf Priorität. Für viele ist die Betreuung allerdings schon Standard. 75 Prozent geben an, dass ihre Trainees bereits einen persönlichen Mentor haben.

Die Zahl der Traineeprogramme in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr - und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass manche Unternehmen mit Trainee-Stellen werben, um billigere Arbeitskräfte anzulocken. Arbeitsrechtler weisen darauf hin, dass Traineestellen einem Ausbildungsverhältnis näher liegen als einem Arbeitsverhältnis. Das könnte dazu führen, dass Trainees die Lehrleistungen einklagen oder sogar Schadensersatz verlangen können, wenn der Arbeitgeber die Ausbildungsaspekte vernachlässigt.

Quelle: F.A.Z.

 
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