25.11.2007 · Denken Sie bei Ihrer nächsten Bewerbung doch einfach, Sie sprächen zu Ihrem besten Freund. Gleich werden Sie entspannter klingen. Der richtige Ton ist eine Frage der Übung. Moderne Technik hilft dabei.
Von Uta BittnerDie Frage beschäftigt Manager und Mitarbeiter gleichermaßen: Wie wirke ich bei Präsentationen oder Vorträgen auf andere? Hört sich meine Stimme zittrig an, wenn ich nervös bin? Und wie nimmt mich mein Gesprächspartner am Telefon wahr? Fragen, auf die bisher entweder der Spiegel, enge Freunde oder studierte Rhetorik-Spezialisten eine Antwort gegeben haben. Das soll nun anders werden, zumindest, wenn es nach den Vorstellungen von Erik Feingold geht.
Der Geschäftsführer der Gold Gate GmbH, Unterföhring, Schwesterunternehmen der amerikanischen Gold Gate Inc. und auf Dienstleistungen zur emotionalen Motivation von Mitarbeitern spezialisiert, will mit einer neuen Software die Kommunikation von Vertriebsmitarbeitern und Führungskräften verbessern. "Wir haben ein Trainingsinstrument entwickelt, mit dem jeder seine Kommunikationsfähigkeiten über die Stimme verbessern kann", sagt Feingold. Denn über die Stimme lässt sich die emotionale Grundeinstellung des Sprechers identifizieren, mit ihr kann der Redner beeinflussen, ob er beispielsweise autoritär oder kollegial wirkt.
Freude, Wut und Angst
Was im Wissenschaftsjargon als "emotional mapping" - also als Zuordnung von Emotionen, Erinnerungen und Stimmklang - bezeichnet wird, funktioniert so: Man stelle sich nacheinander drei Personen aus seinem sozialen Umfeld vor, mit denen man jeweils unterschiedliche Emotionen assoziiert, also zum Beispiel Freude, Wut und Angst. Dann greife man zum Mikrofon des Computers, denkt an die erste Person und erzählt 30 Sekunden lang etwas ins Mikro (der Inhalt des Gesagten spielt dabei keine Rolle). Danach folgt das Ritual mit Person zwei und drei. Der Computer hört zu, merkt sich die Stimmwirkung und ordnet sie den erinnerten Personen zu. "Die Eingabe und genaue Kalibrierung auf die eigene Stimme dauert etwa 15 bis 20 Minuten", sagt Feingold. Danach kann der Anwender mit dem eigentlichen Training beginnen.
Der Clou an der Sache: Wegen der unterschiedlichen Einstellung zu den drei Personen transportiert die Stimme verschiedene Emotionen. Diese erkennt das Programm und analysiert sie - auf der Basis eines hochkomplexen mathematischen Algorithmus, den ein internationales Forscherteam um die israelische Neuropsychologin Lan Lossos mit mehr als 40.000 Probanden herausgefunden hat. "Das Emotions-Training macht sich das limbische System im Gehirn zunutze, das unsere Emotionen speichert und sie an unsere Erinnerungen knüpft", erklärt Lossos. Dieses emotionale Gedächtnis könne man bei Verkaufsgesprächen, Vorträgen oder auch privaten Festreden nutzen, sagt Feingold. Trifft man zum Beispiel beim Gedanken an den besten Freund genau den richtigen sympathisch-freundlichen und offen-interessierten Ton, den man braucht, um zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch zu überzeugen, dann gibt einem Feingolds Software folgenden Tipp: Einfach beim Gespräch mit dem potentiellen Arbeitgeber denken, man würde zu dem besten Freund reden. Die Erinnerung färbt dann die Stimme entsprechend emotional ein. Dass diese Taktik aufgeht, daran glaubt Lossos. Die wissenschaftlichen Studien hätten dies bestätigt.
Gegen die sprachlichen Marotten
Auch Sprechwissenschaftlerin Franziska Fuchs, die in Stimm- und Rhetorik-Seminaren die authentische Aussprache und Artikulation mit Versicherungsmitarbeitern, Managern, aber auch Hebammen oder Politikern übt, greift auf diese bildlichen Vorstellungen zurück. Manche Sprechmarotte habe sich über Jahre hinweg eingeschlichen, sagt Fuchs. "Doch schon ab fünf Einzelstunden erkennt man spürbare Fortschritte." Nahezu 330 Sprechübungen gibt es, aus denen die promovierte Sprechtrainerin nach einer sogenannten Sprechwirkungsanalyse die richtigen auswählt und mit ihren Kunden übt. "Eine einzige Übung allein reicht da nicht", sagt Fuchs, denn 48 Muskeln wären beim Sprechen involviert.
Meist genügt ein Training von drei bis fünf Minuten am Tag, um die gewünschte Stimmlage beizubehalten. "Das kann man locker auch während des Autofahrens machen", sagt Fuchs. Immer mehr Menschen erkennen, dass ihnen das Stimmtraining zu neuem Selbstwertgefühl und Auftreten verhelfen kann. Und auch im Kontakt mit Kunden kann der richtige Ton mitunter kleine Wunder bewirken. "Die Nachfrage nach professionellem Training ist in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden", sagt Fuchs. Das Bewusstsein sei gestiegen, dass Stimme und emotionale Wirkung zusammenhängen.
Diesen Trend will sich auch Gold Gate zunutze machen. Noch in diesem Jahr soll das Programm zum "emotionalen Stimmtraining" marktreif sein und maximal 299 Euro kosten. Ein Wochenendseminar Stimmtraining in einer Gruppe mit maximal sechs Teilnehmern kostet bei Fuchs etwa 360 Euro. Den Ratschlag von Freunden hingegen kann die Software preislich kaum unterbieten. Und manchmal hilft auch eben nicht nur die Modulation der Stimme, um eine andere Außenwirkung herbeizuführen.