15.09.2011 · Was Chefs im Büroalltag bei sich tragen, sagt viel über sie aus - glauben Stilberater. Doch was soll, was muss und was geht eigentlich gar nicht? Ein Wegweiser durch die Welt der kleinen Gegenstände mit großer Symbolkraft.
Von Nadine BösDas Schreibgerät
Es muss nicht der Montblanc-Füller sein, aber der Werbegeschenk-Plastikkuli von der letzten Konferenz ist definitiv zu wenig. „So ein Füllfederhalter mit Goldspitze macht natürlich etwas her“, sagt der Frankfurter Stilberater Andreas Rose. „Die Handschrift ändert sich, wenn man mit Tinte schreibt, sie wird feiner und schöner.“ Allerdings berge der Füller in der Brusttasche immer das latente Risiko, dass Tinte ausläuft. „Ein hochwertiger Tintenstift ist deshalb eine gute Alternative“, sagt Rose. „Ein schönes Schreibgerät symbolisiert zudem, dass jemand unterschriftsberechtigt ist“, sagt die Schweizer Stilberaterin Barbara Zehnder.
Der digitale Begleiter
Smartphones sind mittlerweile ein Muss in der Führungsebene. „Für welches Smartphone man sich genau entscheidet, ist immer auch ein Statement“, sagt Barbara Zehnder. „Das iPhone symbolisiert zum Beispiel Ästhetik und Eleganz.“ In der Kreativbranche sei es das Gerät der Wahl; auch für weibliche Chefs eigne es sich am besten. „Android-Handys symbolisieren dagegen eher: Ich bin ein Technikfreak.“ Sie seien das Richtige für Ingenieure oder Chefs in Industrieunternehmen. Der Klassiker in Traditionsunternehmen: „der Blackberry“, findet Zehnder. Die RIM-Geräte zeigten ein Faible des Besitzers für das Altbewährte. Was für alle gilt: „Das Smartphone gehört in die Brusttasche oder in die Handtasche und nicht auf den Tisch.“ Gemeint ist: Wer zu offensichtlich zeigt, dass er permanent erreichbar ist, macht sich wichtig – ist es aber nicht unbedingt.
Die Aktentasche
„Je höher die Hierarchieebene, desto leichter das Gepäck“, so lautet die Faustregel von Barbara Zehnder. „Ein dicker Aktenkoffer kommt daher wie das Gepäck eines Vertreters, der von Tür zu Tür geht.“ Zu lässig dürfe es aber auch nicht sein. „Rucksäcke sind in der Führungsebene absolut tabu.“ Schwarz oder Anthrazit seien die Farben der Wahl; Leder sei allerdings kein Muss. „Leder ist der Klassiker und symbolisiert Traditionsbewusstsein, je nach Branche ist aber auch hochwertiger Kunststoff vollkommen in Ordnung.“ Was gar nicht geht? „Schlimm bei Frauen sind Laptoptaschen aus Neopren“, sagt Andreas Rose. Ein No-Go für Männer: „Gar keine Aktentasche und dafür ein dickes, beulendes Portemonnaie in der Gesäßtasche.“
Der Aktentascheninhalt
„Nichts ist schlimmer als eine zerknickte Visitenkarte“, mahnt Andreas Rose und rät dringend dazu, sich ein Visitenkartenmäppchen anzuschaffen. Ob Leder oder Metall sei nicht so wichtig. „Hauptsache, es passt zu den restlichen Accessoires.“ Die Initialen des Besitzers oder das Firmenlogo dürfen gern auf das Mäppchen geprägt sein – „aber bitte dezent“. Ähnliches gilt für die Agenda. „Outlook allein reicht nicht. Ein Kalender gehört in die Aktentasche jedes Chefs.“ Sich einen Termin handschriftlich einzutragen symbolisiere eine andere Wertigkeit. „Wenn die Technik ausfällt, ist der Eintrag trotzdem noch da.“
Schmuck und Armbanduhr
Teurer ist nicht immer besser und weniger manchmal mehr. Nach dieser Philosophie rät Barbara Zehnder Führungskräften zur Schmuckauswahl. „Männer sollten sich auf den Ehering beschränken; in manchen, sehr traditionsbewussten Branchen geht eventuell noch ein kleiner Siegelring.“ Auch in kreativen Berufen sei zuweilen mehr und anderes erlaubt als in einem Durchschnittsunternehmen. Generell gelte aber: „Zu viel Schmuck symbolisiert mangelndes Zupacken. Er stimmt misstrauisch: Kann dieser Mensch überhaupt arbeiten?“ Auch Andreas Rose hat eine sehr klare Meinung zum Thema Edelmetall für Männer: „Bloß keine Kettchen oder Ohrringe!“ Frauen dagegen dürften durchaus etwas mehr Schmuck tragen, doch auch hier gilt laut Zehnder: „Bitte nicht zu protzig!“ Eine Halskette sei wichtig, „als Pendent zum männlichen Schlips“. Aber zu viel blinkender und blitzender Schmuck sei nicht gut. „Das wirkt nicht souverän. Im Geschäft geht es darum, Kompetenz zu zeigen, nicht Weiblichkeit.“ In vielen Branchen sei auch die dicke Rolexuhr am Handgelenk zu viel des Guten. „Es geht auch eine Nummer kleiner und trotzdem edel.“
Das kleine Extra
Bei allem einheitlichen Businesslook: „In den allermeisten Branchen ist es wichtig, auch Individualität zu zeigen“, sagt Andreas Rose. Bei Frauen sei das relativ leicht über die Kleidung möglich. „Männer sind da hingegen sehr eingeschränkt.“ Möglichkeiten für modische Akzente seien aber beispielsweise extravagante Schals oder ein Einstecktuch. „Letzteres aber bitte niemals in der gleichen Farbe, wie die Krawatte!“ In sehr traditionellen Branchen, in denen selbst solche Accessoires in der Chefetage nicht gern gesehen sind, rät Rose zur Taschenuhr. „Sie gilt als Zeichen ungewöhnlichen Geschmacks, ist dabei aber absolut stilvoll.“ Der Blick auf eine Taschenuhr symbolisiere zudem deutlich weniger Ungeduld als das Schielen auf die Armbanduhr am Handgelenk.
Die No-Gos
„Die Krawatte mit Tier- oder Comicmotiv“ fällt dem Stilberater Andreas Rose zuerst ein, wenn es darum geht, welche Accessoires eine Führungsperson besser meiden sollte. Weniger offensichtlich: „Krawattennadeln sind ziemlich out; die kann man sich als Chef heutzutage getrost sparen.“ Womöglich umstrittener ist seine klare Meinung dazu, dass das Privatleben völlig aus dem Büroumfeld zu verbannen sei. „Gerahmte Fotos des Ehepartners und der Kinder auf dem Schreibtisch sind ziemlich daneben“, findet er. „Das wirkt unsouverän.“ In die unterste Schublade verbannen sollte der stilbewusste Chef nach Roses Rat nicht zuletzt das Klick-Feuerzeug von Dupont oder Dunhill, das er früher immer so gerne bei sich trug. „Erstens ist Rauchen mittlerweile so verpönt, dass auch ein schickes Feuerzeug das keinesfalls wettmachen kann“, sagt Rose. „Zweitens ist ein Feuerzeug einfach unnütz geworden. Es herrscht sowieso überall Rauchverbot.“
Respekt, Respekt
Hartmut Hoffmann (hahoff)
- 15.09.2011, 23:31 Uhr
Taschenuhr
Thomas Berger (tberger)
- 15.09.2011, 17:18 Uhr
eine ungeschriebene Regel besagt, daß....
Michael Meier (never1)
- 15.09.2011, 15:43 Uhr
Stilberater Rose hat wohl noch nie ein US Chefbuero gesehen ...
Cao Ky (Caoky60)
- 15.09.2011, 14:30 Uhr
"Herr Rose rät zur Taschenuhr" - Groteske in der FAZ
Jörg Müller (j.mueller)
- 15.09.2011, 13:33 Uhr