31.07.2008 · Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist gesunken. Der Arbeitskräfteindex der Bundesagentur für Arbeit sank im Juli um zwei auf 244 Punkte. Das ist der erste deutliche Rückgang seit Januar 2005.
Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland ist gesunken. Der Arbeitskräfteindex der Bundesagentur für Arbeit sank im Juli um zwei auf 244 Punkte. Das ist der erste deutliche Rückgang seit der Einführung des Index im Januar 2005.
Im Juni hatte er noch um sieben Punkte gegenüber Mai zugelegt. Insgesamt signalisiere der Index damit immer noch eine hohe Einstellungsbereitschaft in der Wirtschaft, heißt es in einer Mitteilung der Nürnberger Behörde. Der Juli-Wert lag um 34 Punkte über dem vergleichbaren Vorjahresmonat. Zuletzt waren in Deutschland rund eine Million offene Stellen bekannt.
Allerdings dürften sich auch die Turbulenzen an den Märkten sowie der Stellenabbau von Großunternehmen in dieser Entwicklung niederschlagen, heißt es weiter. Nach Berechnungen der F.A.Z., in die öffentlich angekündigte Personalveränderungen von mehr als 100 Stellen eingingen, wollten deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr 2008 rund 45.000 Stellen streichen und nur 38.000 Arbeitsplätze schaffen.
„Konjunkturelle Verlangsamung“
"Wir haben ganz deutlich eine konjunkturelle Verlangsamung", sagte Eugen Spitznagel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das wissenschaftliche Institut der Bundesagentur stellte schon im ersten Quartal dieses Jahres einen Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots vor. Insofern überrasche ihn der jüngste Rückgang nicht. Spitznagel warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen; auf einen Einbruch der Beschäftigung deute derzeit nichts hin.
Die Bundesagentur legt an diesem Donnerstag in Nürnberg die Arbeitsmarktbilanz für den Monat Juli vor. Bankenvolkswirte gehen von einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 3,2 Millionen aus. Diese Entwicklung ist im Ferienmonat Juli jedoch üblich.
Der leichte Rückgang des BA-Index kommt für den Verein deutscher Ingenieure (VDI) nicht überraschend. Hohe Rohstoffpreise und der schwache Dollar hemmten zusätzliches Wachstum. "Schon seit einigen Monaten stagniert die Nachfrage nach Fachkräften auf dem Ingenieurarbeitsmarkt - allerdings auf einem sehr hohen Niveau mit 95 000 offenen Stellen", sagte ein VDI-Sprecher dieser Zeitung. Er rechne deshalb nicht mit einem Einbruch der offenen Stellen in den Ingenieurberufen. "Vielmehr hat Deutschland nach wie vor mit einem massiven Fachkräftemangel zu kämpfen."
Großes Wachstum der Zeitarbeit vorbei
In konjunkturell schwächeren Phasen sinkt in der Regel zuerst die Nachfrage nach geringqualifizierten Arbeitskräften. Eine solche Entwicklung ist derzeit in der Zeitarbeit zu beobachten. Stand die Branche zu Beginn des Aufschwungs noch für drei Viertel aller neuen Stellen, ist es mittlerweile weniger als jede vierte. "Die Zeiten des ganz großen Wachstums sind wohl vorbei", hieß es dazu am Mittwoch vom Arbeitgeberverband BZA. Im vergangenen Jahr war die Zahl der im Jahresdurchschnitt Beschäftigten um 23 Prozent auf 715.000 gestiegen. In diesem Jahr wird ein geringerer Zuwachs erwartet.