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Veröffentlicht: 06.04.2015, 08:00 Uhr

Sprachenlernen für den Beruf Yes, we can

Ohne Fremdsprachenkenntnisse läuft in der Karriere wenig. Deshalb müssen viele Berufstätige ihr Schulwissen auffrischen oder neue Sprachen lernen. Ob VHS, Sprachurlaub oder Software: Wie kann man am leichtesten mitreden?

© Picture-Alliance Hochqualifizierte Sprachkenntnisse sind heute eine Voraussetzung für viele Berufe.

Englisch selbstverständlich fließend, Grundkenntnisse in Französisch, ein wenig Spanisch und irgendwas Exotisches auch wäre noch von Vorteil: Ohne Fremdsprachenkenntnisse läuft in der Karriere wenig. Deshalb müssen viele Berufstätige ihr Schulwissen auffrischen oder neue Sprachen lernen. Wir haben Sprachurlaube, VHS-Kurse, CDs und Online-Trainings getestet. Wie lässt sich am leichtesten mitreden?

Chinesisch für Unerschrockene

Warum ist Chinesisch so verdammt schwer? Gott sei Dank, jüngst hat die Chinesisch-Lehrerin gestanden, ohne Wörterbuch könne auch sie keine chinesische Zeitung lesen. Man ist nicht allein. Obwohl, auch mit Wörterbuch kann ich in China nicht die Zeitung lesen. Zumindest heute noch nicht. Und morgen auch nicht. Man malt und malt ein Zeichen nach dem anderen, doch es werden nicht weniger. Scheinbar zumindest. Je nachdem, welcher Experte gerade gefragt wird, weist Mandarin 50.000 bis 90.000 Schriftzeichen auf. 3000 Zeichen lernen die chinesischen Kinder in der Schule, angeblich reicht das zur Zeitungslektüre. Ich bezweifle das.

Um ohne Dolmetscher einigermaßen durchs Leben zu kommen, ist wohl eher die doppelte Anzahl vonnöten. Selbst chinesische Uniabsolventen in der Blüte ihrer Leistungsfähigkeit stehen vor Werbeplakaten für die neue Apple Watch und fahren mit dem Finger von links nach rechts die Satzzeichen entlang, immer schön langsam, die Lippen sprechen mit. Das Lernen der chinesischen Schrift ist nicht weniger als eine Lebensaufgabe. Ästhetisch sind die Zeichen, geheimnisvoll, faszinierend - und unfassbar komplex. Im Jahr 1991 schrieb der Sinologe David Moser einen Text, dessen Frage im Titel so aktuell ist wie vor einem Vierteljahrhundert: „Warum ist Chinesisch so verdammt schwer?“

Schwer für wen, muss man da zunächst zurückfragen. In der Schlange im Schanghaier Supermarkt haben die Kleinkinder keine Mühe, die Forderung nach sofortiger Süßigkeitenzufuhr verständlich zu machen. Doch Studien haben ergeben, dass chinesische Kinder acht Jahre zum Lernen der 3000 Zeichen benötigen, französische Kinder schaffen ein vergleichbares Level in der Hälfte der Zeit. Die Sprache ist wirklich verdammt schwer. Allein, es hilft nichts. Chinas Wirtschaft wird in diesem Jahr neun Mal so schnell wie die Frankreichs wachsen. Wir sollten uns also beim Lernen der 6000 Zeichen lieber beeilen. 50 kann ich schon.

Hendrik Ankenbrand

Spanisch auf Kuba

Spanisch ist ja keine wahnsinnig schwierige Sprache, außerdem klingt sie zupackend-charmant und wird in einer stattlichen Zahl von Ländern gesprochen. Mal abgesehen von den Kernregionen ist es inzwischen sogar im Süden der Vereinigten Staaten hilfreich, ein wenig Español zu können. Der Millionen Zuwanderer wegen, der sogenannten Hispanics. Kleines Problem bei dieser vermeintlich idealen Fremdsprache: Wenn Muttersprachler loslegen, reden sie meistens in einem Tempo, das Anfänger überfordert. Dem temperamentvollen Stakkato zu folgen, ihm mit Halbwissen ausgesetzt zu sein kann frustrieren - womit wir bei Kuba wären. Hier ist vieles im Leben langsamer, zum Glück sogar die Sprechgeschwindigkeit der einheimischen Lehrerin beim zweiwöchigen Kompaktkurs in Santiago de Cuba.

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Das macht das Lernen leichter, und gewisse Besonderheiten werden zur Nebensache: dass die Aussprache vieler Kubaner gewöhnungsbedürftig ist und so mancher Konsonant sträflich vernachlässigt wird; dass das Erdgeschosswohnzimmer der Lehrerin, wo sie jeden Morgen eine Kleinstgruppe unterrichtet, auch als Stellplatz für das verbeulte Auto des Gatten herhält; dass am letzten Unterrichtstag zum Abschied irgendwas Alkoholisches auf den Tisch kommt, das schwarz gebrannt wurde und entsetzlich schmeckt.

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