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Solarparks Ein bisschen wie Herr der Ringe

Immer mehr Solar- und Windradanlagen werden gebaut. Aber wie sie sich in die Landschaft einfügen sollen, ist bisher noch völlig unklar. Eine erhellende Studienreise.

© Annacaterina Piras Vergrößern Nicht zu übersehen: Der Turm von Abengoa PS 20 auf der SolucarPlatform nahe San Lucar La mayor, Seville

Die Stiftung Bauhaus Dessau hat Architekturstudenten auf eine Reise nach Südeuropa und Nordafrika geschickt, um Ideen für die Zukunft zu entwickeln. Südspanien, im Sommer. Wir fahren die A-92 von Málaga in Richtung Sevilla. Nichts als abgegraste gelbe Hügel, Sonnenblumenfelder und ein paar steinerne Berge gibt es im Hintergrund, bis wir irgendwann rechts hinter noch einem Sonnenblumenfeld unser Ziel am wolkenlosen Horizont leuchten sehen wie eine riesige Glühbirne: Den Turm von Gemasolar. Der 140 Meter hohe Bau ist das Zentrum eines der modernsten Solarfelder Spaniens. Mit 565 Grad Celsius im Inneren strahlt die Spitze des Turms über Kilometer entfernt sichtbar wie eine zweite Sonne.

Von der Autobahn führt eine schmale Straße zur Anlage, ein Trecker muss überholt werden, ansonsten ist in dem ländlichen Gebiet niemand. Ein hohes Schiebetor versperrt uns den Weg, es geht durch einen Sicherheitscheck, die Reisepässe werden kopiert und überprüft. Dann stehen wir mitten auf einem ehemaligen Olivenhain, aber das Gefühl ist außerirdisch.

Zwei 650.120 Quadratmeter große Spiegel sind kreisförmig um den schlanken Turm angeordnet. Wie Untertanen, die ihre entrückte Königin anbeten, projizieren sie die Sonne auf die Rezeptoren im Turm. Die dort aufgenommene Hitze wird an seinem Fuße erst in Wasserdampf und dann in Strom für 25.000 Menschen umgewandelt. Die Stiftung Bauhaus Dessau hat die Reise im Rahmen ihrer internationalen Sommerschule „Energielandschaften 3.0“ organisiert. Architektur- und Stadtplanung-Studenten sollen sich in Spanien und Marokko ein Bild von neuen Industrieanlagen machen. Ästhetische Überlegungen sind für Wind- und Solaranlagen bisher nämlich zweitrangig. „Technische Fragen stehen bei uns im Vordergrund“, sagt Juan Ignacio Burgaleta, technischer Leiter von Torresol Energy, dem Betreiberunternehmen von Gemasolar. Beim Turm hätte man sich allerdings ein paar Gedanken gemacht. Könnte er dort schlanker, hier geschwungener sein? Vorschläge seien willkommen, meint Burgaleta.

Konzepte müssten her

„Ein bisschen wie bei Herr der Ringe sieht das hier aus“, schmunzelt Ana Vrgoc aus Frankfurt am Main. Die 29-Jährige hat gerade ihr Architekturstudium an der Fachhochschule in Mainz abgeschlossen. „Energielandschaften sind ein Zukunftsmarkt für uns Architekten“, glaubt sie. Oder sollten es zumindest sein. Am nächsten Tag besuchen wir eine weitere Solaranlage, wieder unweit von Sevilla. Diesmal sind weithin zwei Türme sichtbar, einer in grau und einer in beige. Aus der Entfernung sehen sie aus wie umgedrehte Stimmgabeln, die jemand mit zu viel Kraft in den Boden gerammt hat. An den Gestellen der sie umgebenden Solarspiegel frisst sich Rost entlang. Nach Design sieht das hier nicht aus. Eher nach Industriezweckmäßigkeit auf einem Gebiet von etwa zehn Fußballfeldern. „Die Energiewende stellt neue Herausforderungen an uns Architekten“, sagt Stefan Tischer, Direktor des internationalen Masters Mediterranean Landscape Urbanism an der Universität Sassari auf Sardinien. Insbesondere Landschaftsarchitekten betrachteten Infrastruktur klassischerweise als „böse“. Schließlich zerstörten sie die Ansehnlichkeit der Natur. Es gebe eine Art Schisma mit den Ingenieuren. Tischer plädiert dafür angesichts der Energiewende umzudenken. „Durch den enormen Energiebedarf werden riesige Solar- oder Windkraftanlagen entstehen. Keinem ist gedient, wenn wir irgendwann unsere Fahrräder nur noch durch abgezäunte No-Go-Areas schieben“, meint der Architekt.

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