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Sonntag, 12. Februar 2012
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Schönfelder-Taschen „Immer nur dieses Juristengrau!“

12.06.2008 ·  2,5 Kilo wiegt die Gesetzessammlung, der Schönfelder. „Wie bloß den Klotz stilvoll transportieren?“, fragt sich mancher Student. Sarah Haug und Christina Rößler nähen und verkaufen schmucke Beutel.

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Frau Haug, wie kamen Sie auf die Idee, eine Tasche für ein Gesetzbuch zu nähen?

Wir waren mit dem Angebot unzufrieden. Es gibt für den Schönfelder einfach keine schönen, farbenfrohen Taschen. Immer nur dieses ewige Juristengrau. Deswegen habe ich mich im Dezember 2007 an die Nähmaschine gesetzt und Christina zu Weihnachten eine selbstgenähte Tasche geschenkt.

Vom Weihnachtsgeschenk zum eigenen Internetshop - wie kam das?

Uns war schnell klar, dass man die Taschen verkaufen kann. Nach Weihnachten haben uns oft Freunde angesprochen, ob wir ihnen auch eine Tasche machen können. Allein im Januar haben Christina und ich 20 Taschen genäht und verschenkt. Eines Abends sind wir dann bei StudiVZ auf eine Werbung von DaWanda gestoßen. Das ist eine Art Internetmarktplatz, auf dem man selbstgenähte Sachen verkaufen kann. Es ist sehr einfach, einen Shop dort zu eröffnen. Das haben wir dann im Januar 2008 gemacht und prompt trudelte die erste Bestellung ein.

Wie teilen Sie sich die Arbeit auf?

Christina und ich sind Mitbewohnerinnen. Im Moment setzen wir uns ungefähr zweimal in der Woche in der Küche abends zusammen. Dann machen wir eine Flasche Wein auf, quatschen und nähen die Taschen. Wir haben nur eine Nähmaschine. Deswegen schneide ich die Stoffe zu und Christina näht die Taschen. Danach fotografieren wir sie und stellen sie ins Internet. Die Stoffe besorgen wir gemeinsam auf dem Flohmarkt oder kaufen sie im Internet.

Wie würden Sie den Stil der Taschen beschreiben?

Auf jeden Fall ist es nicht die typische Juristenschiene. Unsere Taschen sind nicht schwarzweiß, sondern farbenfroh. Zum Beispiel das Modell Ponyhof. Es ist bunt und schön verspielt mit Rosetten. Die typische Gesetzesglück-Trägerin ist das Gegenteil einer grauen Maus. Vielmehr hat sie etwas über für ausgefallene Teile.

Sind Ihre Taschen nicht ein bisschen alternativ gestrickt für den klassischen Juristen-Geschmack?

Ich würde die Taschen nicht als alternativ bezeichnen. Die Stoffe sind hochwertig und die Verarbeitung ist sehr ordentlich. Dass es nicht der typische Juristenstil ist, macht die Sache doch gerade interessant.

Gibt es bald auch eine Tasche für den Mann?

Ja, zwei Stück haben wir schon: Die Männertasche 1 und 2. Wir haben jetzt einen neuen, eher schlichten schwarz-weißen Stoff. Der könnte ganz gut geeignet sein.

Wie geht es jetzt weiter? Satteln Sie nach dem Jurastudium ganz auf das Taschengeschäft um?

Wir sind gerade im Referendariat. Bis wir das Examen in der Tasche haben, wird gelernt. Mehr als 20 bis 30 Taschen im Monat schaffen wir zurzeit nicht. Es ist einfach ein schöner, spaßiger Nebenjob. Nach dem Examen wird es spannend. Vielleicht könnte man die Sache auf andere Gesetzestexte ausdehnen. Eigentlich hoffen wir schon, dass wir noch ein paar Juristinnen mehr glücklich machen können.

Das Gespräch führte Kristin Kruthaup

Quelle: F.A.Z.
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