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Veröffentlicht: 08.03.2016, 14:31 Uhr

Sauerländischer Unternehmer „Wir richten uns nicht an Menschen mit bunten Haaren“

Ein Unternehmenschef aus Nordrhein-Westfalen sorgt für Wirbel: Zu seiner Nanotechnologie-Tagung lud er Schüler ein. Allerdings: Jugendliche mit Piercings, bunten Haaren oder Schlabberhosen waren nicht willkommen.

© Picture-Alliance Hindern bunte Haare an einer erfolgreichen Arbeit in der Hochtechnologie? Hewlett Packard sieht das in seinem Unternehmen in St. Petersburg offenbar anders.

Bunte Haare? Piercings? Schlabberhosen? Nicht mit dem Sauerländer Unternehmenschef Henning Zoz! Der sorgt in der nordrhein-westfälischen Presse gerade für gewaltigen Wirbel, weil er zu einem von ihm mitveranstalteten Nanotechnologie-Symposium Schüler einlud - allerdings nur, wenn sie einen strengen Dresscode befolgten.

 
Bunte Haare? Piercings? Bloß nicht! Mit dieser Einstellung macht gerade ein NRW-Firmenchef Schlagzeilen

„Wir richten uns insbesondere an Physik- und Chemie-Leistungskurse und jene jungen Menschen, die technologisch in diesem Land demnächst Zukunft gestalten wollen/sollen/müssen“, so schrieb der Unternehmenschef an verschiedene Schulen im Umkreis. „Wir richten uns nicht an Menschen mit bunten Haaren, Blech im Gesicht und jene, die die Füße nicht heben und die Hose kaum auf den Hüften halten können und/oder eines ordentlichen Sprachgebrauches kaum mächtig sind.“ Es gebe auch keinen „Einlass für Vermummte“ – es gelte: „Keine Mütze, keine Kapuzen und auch keinen Helm auf dem Kopf“, so zitiert die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ aus dem Brief.

Am gestrigen Montag und an diesem Dienstag findet die von der Zoz-Gruppe organisierte Veranstaltung im sauerländische Wenden statt. Der Unternehmenschef wollte offenbar technologiebegeisterte Schüler dafür gewinnen. Doch dann ging der Schuss nach hinten los: Als der ebenfalls eingeladene nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) von dem Schreiben erfuhr, sagte er die Tagung den Berichten zufolge kurzfristig ab.

Die „Bild“-Zeitung zitiert den Minister mit den Worten: „Ich kannte diese Einladung nicht, finde sie auch vollkommen daneben. ‎Ich hatte zugesagt, weil ich Herrn Prof. Zoz als innovativen Unternehmer kenne. Seine `Gesichtskontrolle´ verleiht der Veranstaltung einen Charakter, den ich nicht billigen oder gar unterstützen möchte. Ich habe daher meine Teilnahme abgesagt.”

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Die Zoz-Gruppe stellt nach eigenen Angaben Anlagen für mechanische Verfahrenstechnik und nanotechnologische Werkstoffe her. Auf ihrer Internetseite präsentiert sich die Gruppe als tolerant und mit ausgefeilter Firmenphilosophie: „Wer den oder die anderen, und so auch Geschäftspartner verstehen und einschätzen können will, der muss wissen, wie sie denken und was sie antreibt. Dabei ist es uns selber sehr wichtig, nicht nur Produkte und Dienstleistungen anzubieten sondern auch Überzeugung zu liefern und damit ein guter positiver Teil des unser aller Ganzen zu werden.“

Obgleich sein Schreiben nun als intolerant und diskriminierend empfunden wird, verteidigt der Unternehmenslenker seine Haltung: Er freue sich über die Diskussion, die er ausgelöst habe, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Er nehme keines seiner Worte zurück. Es sei ihm nicht um Äußerlichkeiten gegangen, vielmehr betrachte er das äußere Erscheinungsbild als Zeichen einer inneren Einstellung.

Zoz räumte aber gegenüber Regionalmedien ein, dass er für seinen Appell nicht den Rahmen dieser Veranstaltung hätte nutzen sollen. Grundsätzlich sei sein Aufruf jedoch ernst gemeint und an Eltern gerichtet gewesen. Sie sollten Piercings und Tattoos bei ihren Kindern seiner Meinung nach nicht zulassen, da Kinder „ein Recht auf körperliche Unversehrtheit“ hätten.

Jenseits der Diskriminierungsfrage ist es im Arbeitsrecht übrigens immer wieder Gegenstand von Diskussionen und Gerichtsentscheidungen gewesen, wie viel Freiheit Menschen in der Arbeitswelt hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes haben - gerade mit Blick auf Piercings und Tattoos. Zwar darf grundsätzlich jeder selbst entscheiden, was er anzieht, wie er sich schmückt und sein Äußeres gestaltet. Aber der Chef darf von seinen Mitarbeitern verlangen, dass sie sich, sofern sie Kundenkontakt haben, „branchenüblich kleiden“. Das Bundesarbeitsgericht hat auch schon einmal entschieden, dass der Arbeitgeber einen “Stil des Hauses“ festlegen darf. Die Frage, was „branchenüblich“ ist und was nicht, ist allerdings im Einzelfall oft schwer zu beantworten. Anders als etwa Banken oder Kanzleien, war die Technologiebranche bislang weniger als Hort der konservativen Kleidungsvorschriften bekannt.

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