16.03.2008 · Viele Unternehmen freuen sich über ehemalige Mitarbeiter, die zu ihnen zurückkehren möchten. Doch die Heimkehr muss gut geplant sein - sonst funktioniert sie nicht.
Von Christoph HusBernhard Bingenheimer hat nicht nur für seine derzeitigen Mitarbeiter ein offenes Ohr, sondern auch für die ehemaligen, die inzwischen in anderen Unternehmen arbeiten. Der Personalchef des Großhändlers Lekkerland, der Tankstellen, Kioske und Lebensmittelgeschäfte beliefert, gibt Ex-Angestellte so schnell nicht verloren. "Es kommt immer wieder einmal vor, dass ehemalige Mitarbeiter nach einer Zeit bei einem anderen Arbeitgeber in unser Unternehmen zurückkehren." Berührungsängste hat der Lekkerland-Personalchef dabei nicht. Wer schon einmal für Lekkerland gearbeitet hat, biete im Vergleich zu anderen Kandidaten schließlich besondere Vorteile: "Wenn wir jemanden einstellen, den wir bisher nur in Vorstellungsgesprächen kennengelernt haben, bleibt ein Restrisiko, ob er wirklich zu der Stelle passt", sagt Bingenheimer. "Aber wenn wir mit jemandem schon einmal mehrere Jahre zusammengearbeitet haben, kennen wir dessen Stärken, Schwächen und Eigenheiten."
Wie der Lekkerland-Personalchef denken viele Manager in deutschen Unternehmen: Die große Mehrheit würde ehemalige Mitarbeiter wieder einstellen, belegt eine Studie der Personalberatung Robert Half. Die Berater haben 2400 Manager befragt. Das Ergebnis: 81 Prozent der Befragten gaben an, Rückkehrer wiederaufzunehmen - wenn auch zum Teil erst nach einer gründlichen Prüfung. Nur 14 Prozent der Manager würden ehemaligen Mitarbeitern keinen Job mehr anbieten. "Wer einen guten Eindruck hinterlassen hat, hat beste Aussichten, zu seinem alten Arbeitgeber zurückzukehren", sagt Sven Hennige, Zentraleuropa-Chef von Robert Half.
Im internationalen Vergleich zeigen sich deutsche Unternehmen weder ausgesprochen offen noch besonders ablehnend gegenüber Rückkehrern, belegt die Studie. Während hierzulande 81 Prozent der Unternehmen ehemalige Mitarbeiter wieder einstellen würden, hat diese Praxis in Italien und Luxemburg mit jeweils knapp 70 Prozent deutlich weniger Anhänger. In Großbritannien dagegen würden 87 Prozent ehemalige Mitarbeiter mit offenen Armen empfangen.
Die Zahlen sind ein Signal für Angestellte: Vor allem junge Mitarbeiter wollen oft nach den ersten Jahren im Job weitere Erfahrungen sammeln und denken über einen Wechsel nach. "Sie brauchen sich kaum Sorgen zu machen, dass sie es sich dabei mit ihrem alten Arbeitgeber verscherzen", sagt Hennige. "Wenn sie sich in einem anderen Unternehmen weiterentwickeln, haben sie oft die besten Karten, später auch bei ihrem ursprünglichen Arbeitgeber in einer höheren Position wieder einzusteigen."
Personaler kramt in Notizen aus dem Exit-Interview
Allerdings ist die Mehrheit der Manager vorsichtig, wenn sie mit ehemaligen Mitarbeitern über einen möglichen Wiedereinstieg verhandeln. "Das hat auch emotionale Gründe", sagt Hennige. "Schließlich hat derjenige sich ja schon einmal gegen das Unternehmen entschieden." Führungskräfte und Personalabteilung stellen sich dann zu Recht die Frage, warum der Angestellte damals gekündigt hat. Hat ihn an seinem Arbeitgeber oder an seiner damaligen Aufgabe etwas gestört? Wollte er auch anderswo Erfahrungen sammeln? Oder hatte er private Gründe? Um diese Fragen zu beantworten, kramen Personaler oft die Notizen aus dem sogenannten Exit-Interview hervor, das Unternehmen mit scheidenden Mitarbeitern führen.
Finden sich darin keine Gründe, die gegen einen Wiedereinstieg sprechen, stehen meist die Vorteile im Vordergrund. So kennen Rückkehrer das Unternehmen zum Beispiel schon - und brauchen keine lange Einarbeitungszeit. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die zwischenzeitliche Abwesenheit, desto einfacher der Wiedereinstieg. Zudem kennen die Personalverantwortlichen des Unternehmens den Neuen, können seine Stärken einschätzen und ihn mit einer passenden Aufgabe betrauen.
Altes plus neues Wissen kombiniert
Hinzu kommt: Die Rückkehrer können das Know-how aus der alten Stelle mit dem Wissen kombinieren, das sie während der zwischenzeitigen Tätigkeit gesammelt haben. Aus diesem Grund verfügen sie oft über Fähigkeiten und Erfahrungen, die ihre Kollegen nicht vorweisen können - weil sie nie den Arbeitgeber gewechselt haben. Solche Vorteile schätzt auch Lekkerland-Personalchef Bingenheimer. "Man darf in diesem Punkt nicht nachtragend sein", sagt er. "Wer ehemaligen Mitarbeitern nicht die Möglichkeit gibt, zurückzukehren, verschenkt ein großes Potential."
Bingenheimer hält es für nachvollziehbar und unvermeidlich, dass immer wieder einmal gute Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. "Wenn sie ein gutes Angebot bekommen, denken sie natürlich darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln", sagt er. Zudem könne ein Unternehmen nicht allen guten Angestellten jederzeit die Wunsch-Entwicklungsmöglichkeiten offerieren. Den Abgang eines Mitarbeiters kann ein Unternehmen auch als Auszeichnung begreifen, meint Bingenheimer: "Es spricht doch für ein Unternehmen, wenn sich Konkurrenten oder Kunden für Mitarbeiter interessieren."
Auch umgekehrt: eine Anerkennung fürs Unternehmen
Auch umgekehrt versteht es der Lekkerland-Personalchef als Anerkennung, wenn sich ehemalige Mitarbeiter für eine Rückkehr interessieren. Deshalb versucht der Großhändler auch, den Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern zu pflegen. "In der Regel kümmert sich der frühere Vorgesetzte darum, den Kontakt nicht abreißen zu lassen", sagt Bingenheimer. Verdiente Ehemalige erhalten zudem auch von Zeit zu Zeit eine Einladung zu einer Unternehmensfeier oder zu einem Mittagessen.
In den vergangenen Jahren bemühen sich immer mehr Unternehmen darum, ehemaligen Mitarbeitern die Rückkehr zu erleichtern, weiß Peter Behncke, Partner der Personalberatung Korn Ferry: "Viele Führungskräfte geben verdienten Angestellten schon an deren letztem Arbeitstag den Hinweis, dass sie jederzeit willkommen sind, wenn sie zurückkehren möchten." Zudem kümmern sich viele Unternehmen darum, den Kontakt zu ehemaligen Angestellten nicht abreißen zu lassen, zum Beispiel über Alumni-Netzwerke oder regelmäßige Treffen. "Solche Kontaktpflege nutzt dem Unternehmen nicht nur dann, wenn gute Mitarbeiter zurückkehren", sagt Behncke. "Schließlich arbeiten viele Ehemalige bei Kunden oder potentiellen Geschäftspartnern. Und auch in diesem Fall lohnt es sich immer, in gute Kontakte zu investieren."
Wer kriecht schon gern zu Kreuze?
Viele Arbeitnehmer haben aber ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken, zu einem ehemaligen Unternehmen zurückzukehren. "Sie fürchten sich davor, dass die dortigen Kollegen denken könnten, der Rückkehrer sei anderswo gescheitert", sagt Behncke. "Und wer möchte schon gern den Eindruck vermitteln, er müsse vor seinem alten Arbeitgeber zu Kreuze kriechen?" Auch der Arbeitgeber steht vor schwierigen Entscheidungen, wenn er ehemalige Mitarbeiter wiederaufnimmt: Bekommt zum Beispiel ein Rückkehrer seinen alten Posten zurück, kann es vorkommen, dass er unter einem ehemaligen Kollegen arbeiten muss - weil der inzwischen befördert wurde. Auch die umgekehrte Konstellation kann für Ärger sorgen.
Zudem besteht zwischen dem Rückkehrer und seinen früheren und neuen Kollegen oft eine emotionale Barriere, wenn der zwischenzeitlich Abtrünnige wegen seiner Zeit bei einem anderen Unternehmen intern als Verräter gilt. Berater Behncke rät deshalb: Die Vorgesetzten sollten zunächst mit den betroffenen Mitarbeitern sprechen und herausfinden, wie die Reaktion auf den Rückkehrer ausfallen würde. Nicht zuletzt müssen Unternehmen auch darauf achten, welche Signale sie an die Belegschaft senden. Steigen mehrfach ehemalige Mitarbeiter wieder ins Unternehmen ein und übernehmen Führungspositionen, könnten Angestellte einen unerwünschten Eindruck bekommen: Wer Karriere machen will, muss erst einmal das Unternehmen verlassen.