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Rollenvorbilder Die Ingenieurin als Fernsehstar

Attraktive, clevere Ingenieurinnen sucht man in Fernsehserien oft vergebens. Nach Meinung einer Forschergruppe der TU Berlin sollte sich das dringend ändern. Denn Filmheldinnen sind Vorbilder - und könnten Technikberufen zu einem besseren Image verhelfen.

Sind Sie in einer deutschen Fernsehserie schon einmal einer attraktiven, cleveren Ingenieurin begegnet?, die in ihrem Beruf engagiert zur Verbesserung der Welt beiträgt?, und die gleichzeitig ein erfülltes Familienleben führt? Richtig: „Solche Frauenrollen suchen Sie dort vergebens“, sagt die Medienwissenschaftlerin Marion Esch.

Genau da liegt aus ihrer Sicht das Problem: Jugendliche orientieren sich bei der Berufswahl stark an Serien und Filmen. Das haben Esch und ihre Forscherkollegen der Technischen Universität Berlin (TU) herausgefunden. Von selbstbewussten Naturwissenschaftlerinnen und Geschichten, die zeigen, wie spannend Technikberufe sein können, ist jedoch vor allem bei ARD und ZDF keine Spur. „Eher wird das Klischee vom unattraktiven, realitätsfernen Wissenschaftler weiter zementiert“, sagt Esch.

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Angesichts des drohenden Fachkräftemangels wollen die TU-Wissenschaftler herausfinden, welche Chancen Spielfilme und Serien bieten, um das Interesse junger Frauen an naturwissenschaftlich-technischen Berufen zu wecken. Ihre Untersuchungen zeigen, dass eine bloße Imagekorrektur dafür nicht ausreicht: Auffällig viele der Jugendlichen gaben in Befragungen an, dass sie kaum etwas über den Ingenieurberuf wissen. Weder ob er ihren Begabungen entspricht, noch ob er ihnen ermöglicht, einen sicheren Arbeitsplatz zu finden.

Ärztin ist ein klassischer Traumberuf

„Ich weiß nicht“ kreuzten viele auch bei der Frage an, ob Ingenieure dazu beitragen, Lösungen für Umweltprobleme zu entwickeln. Mehr als 40 Prozent der Mädchen sind sich unklar darüber, ob es Ingenieurberufe ermöglichen, Familie und Beruf gut miteinander zu vereinbaren. „Doch genau diese Fragen beschäftigen die jungen Frauen“, sagt Marion Esch. Sie seien durchaus karriereorientiert, würden aber für die Familie zurückstecken.

Ärztin ist so ein klassischer Traumberuf, der diese Aspekte vereint. Kein Wunder also, dass es bei den Abiturientinnen nach wie vor angesagt ist, Frau Doktor zu werden. Zumal ihnen in Spielfilmen Rollenvorbilder begegnen, die das positive Image weiter verstärken. Genau diesen Effekt erhoffen sich die Berliner Forscher künftig auch für Technikberufe. „Naturwissenschaftliche Fragestellungen müssen gezielt in Filmen zum Thema gemacht werden“, beschreibt Esch die Strategie. „Zum Beispiel, indem sie von klassischen Unterhaltungsgenres wie dem Krimi huckepack genommen werden.“

„CSI“ oder „Crossing Jordan“ sind schon durchaus erfolgreich

Seit Jahren machen amerikanische Serien wie „CSI“ oder „Crossing Jordan“ vor, dass Naturwissenschaft und Technik Stoff für spannende Geschichten liefern und zum Quotenrenner bei jungem Publikum werden können. Bei „CSI“ zum Beispiel klären charismatische Heldinnen Verbrechen mit forensischen Methoden auf, die Hauptfiguren der Serie sind längst zum Berufsrollenvorbild junger Frauen geworden und haben in Amerika einen regelrechten Ansturm auf entsprechende Studienfächer ausgelöst.

Um dafür bei Programmverantwortlichen, Produzenten und Drehbuchautoren ein Bewusstsein zu schaffen, veranstaltet Esch regelmäßig „Science meets Fiction“, eine Veranstaltung, bei der Naturwissenschaftler Filmschaffenden ihre Arbeit vorstellen. „Wir können uns dann überlegen: Steckt da eine Geschichte drin, die zum Beispiel einen neunzigminütigen Film trägt?“, sagt der Drehbuchautor Fred Willitzkat. Dem 46-Jährigen, der unter anderem Drehbücher für die ZDF-Serie „Der Landarzt“ geschrieben hat, bescherte die Veranstaltungsreihe schon einige Aha-Erlebnisse. Im besten Fall werden so neue Filmheldinnen geboren.

Quelle: F.A.Z.

 
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