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Psychologie Aufgeben gilt nicht

13.12.2008 ·  Die Krise ist da - und mit ihr die Angst um den eigenen Job. Den Streber geben, das führt nicht weiter. Aber wer sich auf den Kampf um den Arbeitsplatz gut vorbereitet, hat im Fall der Fälle Vorteile.

Von Friederike Haupt
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Die Stimmung ist schlecht im Internetforum "Opelblitz", wo die Angestellten des Rüsselsheimer Autobauers über ihren Arbeitgeber diskutieren. Die Krise ist da. "Kein Halten mehr" heißt einer der Einträge. "Gibt es einen, der nicht an den Untergang glaubt?", fragt der Autor. "Der Letzte macht das Licht aus", antwortet einer lapidar. "Wie beim Domino-Day" kommen einem anderen Kommentator die Entwicklungen vor, der Nächste orakelt: "Die Geier kreisen schon." Unter dem Decknamen "Thor" teilt einer der Diskutanten seinen Kollegen mit, die um ihren Arbeitsplatz bangen: "Nur der hartnäckigste Floh bleibt im Fell des Köters, wenn der sich schüttelt. Viel Glück dabei!"

Nicht nur Autohersteller denken jetzt über Stellenstreichungen nach. In fast allen Branchen existieren Sparpläne. Und schneller, als mancher jetzt noch denkt, wird es Kündigungen geben. Was tun, um in der Krise nicht den Job zu verlieren? Eine eher kampf- als schmerzlose Möglichkeit besteht darin, der Entlassung durch die eigene Kündigung zuvorzukommen und dafür eine Abfindung zu kassieren. So hat es etwa ein Ressortleiter der "Süddeutschen Zeitung" in einer E-Mail seinen Redakteuren nahegelegt.

Nur wenn Sie ohnehin aussteigen wollen

Doch diese Notlösung ist nur dann zu empfehlen, wenn Sie ohnehin vorhatten auszusteigen. Denn einen neuen Job zu finden wird in den nächsten Monaten aller Voraussicht nach auch nicht einfacher sein, als den alten zu behalten. Deshalb gilt es zunächst, die eigene Situation richtig einzuschätzen (Gegen den Jobverlust: Fünf Faustregeln für Wachsame). Dann aber muss gehandelt werden - bevor es zu spät ist, rät Jens-Uwe Meyer. Er ist Karrieretrainer und Autor des Ratgebers "Fest im Sattel - Insiderstrategien zur Jobsicherung". In den meisten Unternehmen sei die Krise noch nicht angekommen. "Noch sind die Angestellten eher in der Solidaritätsphase. Sie denken, sie können es gemeinsam schaffen, die Krise zu überstehen." Doch sobald der Vorgesetzte das Wort "Personalabbau" in den Mund nehme, sei es aus damit. "Dann beginnt die Konkurrenzphase." Und wenn die losgeht, sollte jeder, der bleiben will, gut darauf vorbereitet sein.

Nicht den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass der Kelch an einem vorübergeht - das ist laut Meyer jetzt erste Büropflicht. Er war selbst einmal Programmdirektor eines Radiosenders und musste nach Umstrukturierungen einen Teil des Personals entlassen. "Mich hat immer die Lethargie der Leute gewundert, mit der sie die Kündigung hinnahmen", berichtet er. "Dabei entlassen auch Manager nicht gern." Alle Unternehmen suchten jetzt nach Ideen, um das nächste Jahr zu überstehen. Wer da als Mitarbeiter mitdenke, könne sich mit Sparideen profilieren.

„Der Chef kommt. It's showtime!“

Das kann ganz einfach sein - beispielsweise indem der Angestellte seinen eigenen Tagesablauf analysiert und überflüssige Arbeiten oder Leerlaufphasen aufspürt, bevor dies der Arbeitgeber tut. Haben Sie vor der morgendlichen Besprechung eine Stunde Zeit, die Sie eigentlich nur für den ersten Kaffee und das gemütliche Checken Ihrer E-Mails verwenden? Dann beginnen Sie, wenn es Ihr Schlafhaushalt zulässt, doch mal eine Stunde früher. Dann können Sie ungestört von Kollegen und Anrufen schon arbeiten - und darauf achten, dass Ihr Chef das auch merkt.

"Der Chef kommt. It's showtime!" Jens-Uwe Meyer formuliert überspitzt, was nicht vergessen werden darf: Engagement, das die Führungskräfte nicht bemerken und über Selbstverständlichkeiten wie Zuverlässigkeit und Fleiß nicht hinausgeht, nützt wenig. Finden Sie also heraus, wer über Ihren Verbleib im Unternehmen bestimmt, und machen Sie Werbung für sich. Das darf zwar nicht im Herumschleimen enden. Denn wenn Ihr Vorgesetzter Sie zwar nett findet, von Ihren Leistungen aber nicht überzeugt ist, bringt das wenig. Besonders wichtig ist es deshalb, herauszufinden, was genau Ihr Chef unter "guter Leistung" versteht. Sonst kann es geschehen, dass er vielleicht schon auf glühenden Kohlen sitzt und Sie für einen Trödler hält, während Sie noch an den Details einer Präsentation feilen, die perfekt werden soll.

Motivation und Fachwissen, sagt Meyer, schätze jeder Chef. Und Überstunden? Die ließen sich schon vor der Krise oft nicht vermeiden. Als unverzichtbar werden Sie sich allein damit nicht hervortun. Aber Sie können Extraschichten nutzen, um Ideen zu entwickeln, die das Unternehmen voranbringen könnten - auch gemeinsam mit Kollegen. Überlegen Sie sich jedoch möglichst vorher, wie viel Freizeit Sie zu opfern bereit sind. Eine Zusatzaufgabe anzunehmen und den fleißigen Kollegen zu mimen, um nach einigen Tagen zu merken, dass Ihnen alles zu viel wird, ist nicht klug.

Wer Fleiß demonstrieren will, muss Ergebnisse vorweisen

Auch andere "Strebertaktiken" können nach hinten losgehen. So schickt mancher gern abends vor dem Nachhausegehen noch eine E-Mail an den Chef, so unwichtig sie auch sein mag - "ich bin noch da" soll das vor allem signalisieren. Wer sich für besonders clever hält, hat die Versandzeit vielleicht sogar im Voraus eingestellt und sitzt längst gemütlich zu Hause vor dem Fernseher, wenn die Mail um 21 Uhr in der Inbox aufblinkt. Ob geschummelt oder nicht, die meisten Vorgesetzten kennen diese Tricks. Deshalb schaden sie vermutlich mehr, als sie nützen.

Wer Fleiß demonstrieren will, sollte auch Ergebnisse vorweisen können - und wissen, wann Schluss ist. Zum Beispiel dann, wenn Sie auch noch bei 39 Grad Fieber das Gefühl haben, sich ins Büro schleppen zu müssen. Im Internet tauschen sich derzeit Arbeitnehmer darüber aus, wie sie auch krank noch ihren Arbeitseifer unter Beweis stellen, um als topmotiviert und unersetzlich zu gelten. "Da wird sich aus Angst um den Arbeitplatz wie verrückt ,gedopt'", schreibt eine Frau. "Geht mir selber so, habe sogar mit zwei gebrochenen Armen stundenweise gearbeitet, um zu beweisen, wie wichtig mir mein Arbeitsplatz ist!" Spätestens wenn Sie vor Erschöpfung ausfallen, wissen Sie, dass das der falsche Weg war.

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