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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Psychologe Niels Van Quaquebeke „Der Chef soll sagen, wofür er nicht steht“

 ·  Niels Van Quaquebeke, Psychologe an der Kühne Logistics Universität in Hamburg, hält es für wichtig, Unwerte zu definieren.

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Herr Van Quaquebeke, was würden Sie Ihren Mitarbeitern an der Hochschule niemals antun?

Für mich steht ganz oben, andere weder körperlich noch psychisch zu verletzen - auch nicht wenn ich sie dadurch zu mehr Leistung antreiben könnte. Ich stehe nicht für Leistung um jeden Preis, das ist mein Unwert.

Warum müssen Sie dazu einen Unwert definieren? Können Sie nicht einfach sagen: „Ich will gut zu meinen Mitarbeitern sein“?

Weil man damit grundsätzlich eine andere Perspektive einnimmt. Mit Unwerten gebe ich Ziele vor, die ich verhindern will. Ich räume ein, dass ich nicht jeden Tag perfekt zu meinen Mitarbeitern sein kann oder will. Aber ich kann jeden Tag versuchen, sie nicht zu verletzen. Ein Grundsatz des Internetkonzerns Google heißt: Don't do evil. Man tut also nicht so, als wären alle Angestellten Gutmenschen, sondern fordert schlicht, schlimme Dinge nicht zu tun. Das ist ehrlicher, setzt den Fokus klarer und sagt ja nicht, dass man in anderen Bereichen keine Ideale anstrebt.

Gehen die Ethik-Grundsätze vieler Unternehmen also an der betrieblichen Realität häufig vorbei?

Da werden doch häufig blumige Versprechen gegeben, die nicht eingehalten werden beziehungsweise eingehalten werden können. Das Scheitern ist programmiert, und dann ist es auch fast schon wieder egal, wie stark man scheitert. Einen Standard zu definieren, unter den man nicht fallen will, beziehungsweise einen Unwert, der bei Erreichen klares Scheitern signalisiert, das trauen sich die wenigsten.

Sie haben für Ihre Studien mehrere hundert Beschäftigte befragt. Welche Unwerte fielen am häufigsten?

Bezogen auf das Verhältnis von Führungskräften zu Mitarbeitern fiel häufig der Begriff „Unmenschlichkeit“, also eine Missachtung des anderen im Miteinander. Auch eine negative Definition von „Macht“ wurde häufig genannt, im Sinne von unbedingter Durchsetzungsbereitschaft, auch mit den Ellenbogen. Allerdings kann man nicht alle Beschäftigten über einen Kamm scheren. Jeder definiert nicht nur seine Werte, sondern auch seine Unwerte individuell.

Natürlich, was für den einen Leistungsdruck bedeutet, kann den anderen stimulieren. Schrecke ich als Unternehmer dann nicht mit einer solchen Negativliste viele Leute ab?

Ein schönes Zitat ist: „If you don't stand for something, you will fall for anything.“ Und das gilt nicht nur für Werte, sondern auch für Unwerte. Will ich mich als Arbeitgeber von anderen abheben, dann ist es gut, wenn ich mich klar positioniere. Das ist wichtig für die eigene Entscheidungsfindung, aber auch, um für andere klarer sichtbar zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie werden mit schönen Idealen einer Firma gelockt, fangen dort an und stellen dann aber fest, dass in dieser Firma leider ebenso einige Ihrer persönlichen Unwerte gelebt werden. Sie werden dort nicht glücklich und verlassen im Zweifel das Unternehmen wieder. So etwas kostet den Arbeitgeber viel Zeit und Geld. Deshalb hat man bessere Chancen, Leute dauerhaft zu binden, wenn man ihnen nicht nur konkret sagt, worauf sie hoffen dürfen, sondern auch, was sie nicht zu fürchten brauchen.

Was passiert beim Verstoß gegen die Unwerte? Sind Sanktionen nötig?

Wenn ich es ernst meine, dann müssen beim Verstoß gegen Unwerte natürlich auch Konsequenzen erfolgen. Das muss ja nicht gleich der Rauswurf sein.

Das Gespräch führte Sven Astheimer.

Quelle: F.A.Z.
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