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Samstag, 04. Februar 2012
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Private Fitnesstrainer Kampf dem inneren Schweinehund

01.04.2007 ·  Es geht ihnen nicht um dicke Muskeln: Führungskräfte wollen sich fit halten und mit einem Personal Trainer dem Burnout vorbeugen. Dafür sind sie bereit, bis zu 150 Euro pro Stunde auszugeben. Wie die Promis.

Von Max Bolze
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Georg Pressner hängt unter der Rutsche auf einem Spielplatz im Frankfurter Stadtwald. Fünfzehnmal zieht er sich an den Seitenkanten der Rutsche hoch und lässt sich wieder abfallen. Neben ihm wacht Personal Trainer Jan Hansen im Hocksitz über seine Bewegungsabläufe. Mit der rechten Hand stützt er Pressners Wirbelsäule. „Lass die Luft raus“, weist Hansen seinen Schützling nach der zehnten Wiederholung der Übung an. Georg Pressner ist Geschäftsführer eines Frankfurter Nobelhotels und verantwortlich für mehr als 150 Mitarbeiter. An diesem Dienstagmorgen schiebt er vor der Arbeit Sonderschichten am Klettergerüst. Und sein Chef ist für eine Stunde Personal Trainer Jan Hansen. Ob Unterarmliegestütze auf einer Schiefebene oder Gummibandzüge für die Oberarmmuskulatur, Pressner folgt den Anweisungen von Hansen, die dem Geschäftsmann 110 Euro je Trainingsstunde wert sind.

Längst buchen nicht mehr nur prominente Menschen wie Model Heidi Klum private Fitnesstrainer. Sie hatte sich nach ihrer Schwangerschaft im Einzeltraining ihren Körper wieder auf Laufstegniveau trimmen lassen. „Zuerst waren es in der Tat die Stars und Sternchen, die sich einen Personal Trainer leisteten. Mit der Zeit kamen Manager und Selbständige dazu, in letzter Zeit auch einige einfache Angestellte, denen ihre Gesundheit viel wert ist“, berichtet Cyrus Rahman. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes deutscher Personal Trainer (BDPT) und betreibt ein Internetportal, auf dem mehr als 500 vom Verband lizenzierte Personal-Fitnesstrainer aus ganz Deutschland abrufbar sind.

Der Markt ist tückisch

Der Markt ist jedoch tückisch, da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Die Verbände warnen daher vor Fitness-Scharlatanen, die sich nach einem Wochenendseminar mit dem Titel „Personal Trainer“ schmücken. Jedoch sind sich auch die Verbände uneinig, wer sich nun als persönlicher Trainer ausweisen darf. In der Regel wird mindestens eine Grundausbildung im sportnahen Bereich oder langjährige Trainererfahrung in einer Sportart vorausgesetzt.

Exklusiver ist der Zugang zum „Premium Personal Trainer Club“ von Eginhard Kieß. In diesem sind 133 Trainer in ganz Deutschland vernetzt und ebenfalls in einem Internetportal abrufbar. „Ich will nur die Besten der Branche“, sagt Kieß. Für ihn bedeute Personal Training eine umfassende Gesundheitsbetreuung, die zu einer körperlichen und seelischen Balance führen solle. Um dies zu ermöglichen, müsse der Trainer auf ein Netzwerk von Experten zurückgreifen können, „denn wer meint, dass er sich überall hervorragend auskennt, macht sich unglaubwürdig“. Zudem entscheide allein der Kunde, ob das Training bei ihm zu Hause, im Büro oder in der Natur stattfindet.

Für Hotel-Geschäftsführer Georg Pressner hat sich hier der Frankfurter Waldspielplatz in der unmittelbaren Nähe seines Wohnortes angeboten. „Wir trainieren meist an der frischen Luft, weil unsere Kunden den ganzen Tag im Büro sitzen. Und Kinderspielplätze kann man mit einigen Hilfsmitteln zum Outdoor-Fitness-Studio verwandeln“, sagt sein Personal Trainer Jan Hansen und blickt wieder zu Pressner. Der sitzt nach hinten geneigt mit ausgestreckten Armen auf einer Bank und zieht mit konzentriertem Blick seine Knie Richtung Kopf. „Eine Übung für die Bauchmuskulatur zur Stabilisierung des Oberkörpers“, erklärt Hansen.

„Lifestyle-Coaches“

Der 36 Jahre alte studierte Sportwissenschaftler gründete im Jahre 1998 mit seinem Partner Michael Schmelzer den Club Sportif. Laut Schmelzer eine Art Rundumservice zur Verbesserung der Lebensqualität. „Unsere Klienten arbeiten 70 bis 80 Stunden in der Woche und sind in ihrem Beruf hochprofessionell. Sie haben den Wunsch, diese Professionalität in ihr Privatleben zu übertragen und ihren optimalen Lebensstil zu finden“, sagt Schmelzer. Er bezeichnet sich und Hansen daher als „Lifestyle-Coaches“. Je nach Ziel des Kunden wird aus dem Netzwerk des Clubs ein Trainer eingesetzt und in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern von Ernährung bis Yoga ein individueller Trainingsplan erstellt. Zwischen 110 und 150 Euro kostet eine Trainingsstunde beim Club Sportif. Für einen Durchschnittsverdiener – bei einem üblichen Trainingsaufwand von zwei Stunden wöchentlich – kaum zu bezahlen.

Dennoch hält der Markt für jedermanns Geldbeutel einen Personal Trainer bereit. Oder zumindest einen, der sich so nennt. Für knapp 30 Euro bieten Fitness-Studios ein 90- Minuten-Personal-Training in Kleingruppen an. Eginhard Kieß ärgert sich über solche Angebote. „Wie kann denn ein Training in Kleingruppen ‚personal‘ sein?“, fragt er sich. Er wehrt sich dagegen, dass Personal Training zu einer Massenware verkommt, und propagiert deshalb: „Wer im Premiumbereich ein individuelles Training anbietet, kann nicht mehr als drei bis vier Kunden täglich betreuen. Und wenn er davon anständig leben und in die Rentenkasse einbezahlen will, muss er mindestens 90 bis 100 Euro je Stunde verlangen.“ Die Verbände halten ein Stundenhonorar von 50 bis 80 Euro für angemessen und auch damit einen Preis, der einen Monatsbeitrag in einem schicken Fitness-Studio deckt. Dennoch verbuchen Personal Trainer einen regen Zulauf.

„Die Jungs quälen mich manchmal“

Georg Pressner hat seinen Personal Trainer Jan Hansen vor allem für die Bekämpfung des inneren Schweinehundes gebucht. „Die Jungs quälen mich manchmal, so intensiv würde ich alleine niemals trainieren“, sagt er. Ebenso wichtig war es Pressner, nach zwanzig sportlosen Jahren unter professioneller Anleitung wieder einzusteigen. Ähnliches bestätigt Cyrus Rahman, der Betreiber des Internetportals für Personal-Fitnesstrainer: „Muskeln wie Arnold wollen die wenigsten aufbauen. Über die Hälfte kommt nach längerer Sportabstinenz mit Rückenschmerzen und will nur sicher trainieren.“

Einen anderen Grund nennt Michael Kutzner, Personal Trainer in Sinsheim bei Baden-Baden. Er beschäftigt sich vor allem mit der Wirkung des Sports auf die geistige Fitness im Arbeitsalltag und die Psyche. Er hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben und behauptet, durch ein wohldosiertes Trainingsprogramm könne man psychische Belastungen abfedern und einem Burn-out entgegenwirken. „Vor allem der Ausdauersport ist ein Mittel zur Entspannung. Der Stress wird durch die Bewegung kompensiert und somit die Konzentrationsfähigkeit gesteigert“, nennt Kutzner ein Beispiel.

Obwohl Personal Training inzwischen in einer breiteren Schicht Interesse findet, gibt es ein typisches Kundenprofil: Männer wie Frauen, zwischen 30 und 60 Jahre alt, hohes Einkommen, hohes Arbeitspensum, und viele merken, „dass sie auf eine Klippe zusteuern und besser umdrehen sollten“, wie es Georg Pressner ausdrückt. Hansens ältester Kunde indes ist 92 Jahre alt. Er zählt vor allem auf die Motivation des Personal Trainers. Und nutzt das Training als Ausgleich für den Arbeitsalltag.

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