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Veröffentlicht: 18.01.2012, 10:40 Uhr

Personaldienstleistung an Schulen Lehrer auf Zeit - oder für immer

Als Leihlehrer den Quereinstieg schaffen: In Hessen ist es den Schulen erlaubt, in Notfällen Vertretungslehrer von Personaldienstleistern einzusetzen. Alle anderen Bundesländer lehnen dies bislang ab.

von Mareike Zeck
© dpa

Wenn Andreas Augsburger seinen Lateinunterricht etwas auflockern will, liest er aus Percy Jackson vor, einer modernen Fantasy-Buchreihe über die griechischen Götter. Es ist noch keine zwei Jahre her, da trug Augsburger daraus nicht seinen Schülern vor, sondern seinen Mitbewerbern im Assessmentcenter der Personaldienstleistung Campuservice. Damals war noch nicht klar, dass er mit über 40 den Einstieg in den Lehrerberuf schaffen würde.

Seit 2005 sucht Campuservice, eine Tochtergesellschaft der Universität Frankfurt, erfahrene Akademiker aus Wirtschaft und Wissenschaft, die Lehrer werden wollen. In Hessen ist es den Schulen erlaubt, in Notfällen Vertretungslehrer von Personaldienstleistern einzusetzen. Dafür wurde 2011 eine neue Gesetzesgrundlage geschaffen. Alle anderen Bundesländer lehnen dies bislang ab. Gewerkschaften befürchten in Hessen nun eine Ökonomisierung der Bildung und „unterbezahlte, rechtlose Hilfslehrer“. Befürworter halten dagegen: „Die Alternative wäre, den Unterricht ausfallen zu lassen.“

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Augsburger hat einen Magister in Latein, Geschichte und Griechisch. Damit hat er lange in einem Kunstversandhaus gearbeitet - bis ein neuer Chef kam, der ihn nicht mehr wollte. „Das war der Moment, in dem klar war, dass ich es jetzt als Lehrer versuchen möchte“, sagt Augsburger. Denn diesen Wunsch hatte er schon lange. 30 Prozent der Vertretungslehrer bei Campuservice kommen aus der Arbeitslosigkeit, der Großteil aber aus dem Beruf. Sie wollen sich beruflich verändern. Etwas machen, „das einen Sinn hat“, wünschte sich auch Augsburger.

Aus der Wirtschaft in die Schule

Beim Personaldienstleister bekam er dann eine kurze pädagogische Ausbildung mit viel praktischem Wissen für den Unterricht. Das Assessmentcenter war dabei gleichzeitig das Grundlagenseminar für den Einstieg als Vertretungslehrer. „Das war ein echtes Drei-Tage-Power-Programm“, sagt Augsburger. Seine Probestunde mit Percy Jackson kam gut an, und er schloss mit dem Personaldienstleister einen Einjahresvertrag ab. Als die Gesamtschule bei ihm in Rödermark dann wenig später einen Lehrer für Latein und Ethik suchte, vermittelte ihn Campuservice.

„Wir achten auf ein gutes Matching von Vertretungslehrer und Schule“, sagt Alexander Scheid, der das Lehrerprojekt des Personaldienstleisters leitet. Die Fächerkombination, die Nähe zum Arbeitsplatz und die Schulform spielen dabei eine Rolle. Jochen Zeller, Schulleiter an Augsburgers Schule, arbeitet seit drei Jahren mit Campuservice zusammen. „Die treffen eine gute Vorauswahl, so dass ich dann nur noch ein persönliches Gespräch mit dem Bewerber führe und mich dann entscheide.“ Neben Sprachwissenschaftlern wie Augsburger fehlen den Schulen vor allem Naturwissenschaftler. In Hessen sind aktuell 52 Vertretungslehrer von Campuservice im Einsatz, der Personaldienstleister arbeitet mittlerweile mit sieben Schulämtern zusammen.

Das Land bestimmt, wer bleibt

Schulleiter Zeller hatte an seiner Gesamtschule bereits fast ein Dutzend Vertretungslehrer von Campuservice. Drei davon haben ihn enttäuscht, für zwei andere hat er sich eingesetzt, um sie gleich dabehalten zu können. Über ein Anerkennungsverfahren beim Amt für Lehrerbildung Hessen sind die beiden nun regulär für den Schuldienst zugelassen worden. Sie müssen allerdings noch weitere Seminare belegen, damit ihre Qualifikation der des zweiten Staatsexamens entspricht. „Ich habe die Zeit bei Campuservice von vornherein als Sprungbrett gesehen, um meine Chancen für den Quereinstieg beim Land zu verbessern und zu schauen, ob Lehrer sein wirklich etwas für mich ist“, sagt Augsburger. Dass sein Arbeitsvertrag bei Campuservice nur befristet war und er weniger verdiente als im alten Job, nahm er dafür in Kauf. Als Leihlehrer habe er sich nie als „Lehrer zweiter Klasse“ gefühlt. Über die Hälfte der Angestellten bei Campuservice schafft den Quereinstieg in den Lehrerberuf. So wie Augsburger. Seit kurzem ist er nicht mehr beim Personaldienstleister, sondern direkt beim Land Hessen angestellt.

Quelle: F.A.Z.

 

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