29.09.2008 · Von Krise ist am Arbeitsmarkt noch nichts zu spüren. Vor allem qualifizierte Mitarbeiter sind gefragt. Doch die Trendwende ist absehbar, warnen die Wissenschaftler.
Von Sven AstheimerAm deutschen Arbeitsmarkt ist von Finanzkrise und Abschwung noch nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist im September auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2005 gestiegen, wie die Bundesagentur für Arbeit am Montag bekannt gab. Der Stellenindex legte im Vergleich zu August um drei auf 247 Punkte zu. Damit fiel der Zuwachs sogar stärker aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die gestiegene Nachfrage der vergangenen Monate geht nach Angaben der Behörde vor allem auf die höhere Zahl von Internetangeboten zurück. Über Unternehmensseiten und Jobbörsen „werden überwiegend gut und hoch qualifizierte Mitarbeiter gesucht“, heißt es.
Allerdings weisen Wissenschaftler darauf hin, dass der Arbeitsmarkt auf Dauer wohl keine Sonderentwicklung nehmen werde. „Der Arbeitsmarkt hinkt normalerweise zwei Quartale hinter der Konjunktur her“, sagt Sabine Klinger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Forschungsinstitut der Bundesagentur. Derzeit deute wenig darauf hin, dass diese Faustregel nicht mehr zutreffe. Dies würde bedeuten, dass sich spätestens zur Jahresmitte die Wachstumsschwäche der Wirtschaft auch in der Arbeitskräftenachfrage niederschlägt.
Personalentscheider noch zuversichtlich
Auf die Folgen der Finanz- und Bankenkrise angesprochen, hält sich Klinger bedeckt: „Um deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt abzusehen, müssen wir zunächst auf neue Annahmen der Konjunkturforscher warten.“ Zuletzt hatten einige Institute ihre Wachstumsannahmen auf unter 1 Prozent herabgestuft. Das IAB hat schon berechnet, dass selbst bei einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 0,5 Prozent die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt bei 3,2 Millionen praktisch stagnieren und die der Erwerbtätigen noch leicht auf 40,3 Millionen steigen würde. Allerdings handele es sich dabei um Durchschnittswerte, betont Klinger. Laut dem Manpower-Arbeitsmarktbarometer, für das die Personalplanungen der kommenden drei Monate von 1000 Unternehmen abgefragt werden, überwiegt unter den Personalentscheidern noch immer deutlich die Neigung zu Neueinstellungen gegenüber Abbau.
Die anhaltend hohe Personalnachfrage dürfte auch die Arbeitsmarktbilanz für September prägen, welche die Bundesagentur an diesem Dienstag in Nürnberg vorstellt. Von Nachrichtenagenturen befragte Analysten gehen davon aus, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen in die Nähe der Drei-Millionen-Marke sinken wird. Das wäre der tiefste Stand seit 16 Jahren. Im September sind die saisonalen Einflüsse gewöhnlich sehr ausgeprägt. Zum einen melden sich viele junge Leute zu Beginn des Lehrjahres aus der Arbeitslosigkeit ab. Zudem stellen viele Unternehmen nach dem Ende der Sommerferien wieder Personal ein.
Was sind das für "Unternehmen"?
kristian kroflin (kroflin)
- 30.09.2008, 00:59 Uhr
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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