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Peinliche Geschäfts-E-Mails „Gern bin ich weiterhin Sabine“

In Geschäfts-E-Mails weicht die Präzision mehr und mehr dem hektischen Geschreibsel. Peinliche Fehler, schluderige Rechtschreibung, vernachlässigte Grammatik: Das ist grob unhöflich, sagen Fachleute und mahnen zu mehr Sorgfalt.

© dpa Vergrößern Die E-Mail auf dem i-Phone ist schnell getippt. Da bleibt die Präzision schon mal auf der Strecke.

Es war in der Kassenschlange in einem Kölner Supermarkt. Unter dem Arm hielt er zwei Milchtüten, mit einer Hand schob er den Kinderwagen, mit der anderen balancierte er das i-Phone und beantwortete die wichtigsten Nachrichten aus dem Büro. „Gern bin ich weiterhin dabei“, tippte der Projektleiter, der hier ungenannt bleiben möchte, in das Textfeld einer E-Mail an seine Partner und drückte auf „Senden“. Erst später entdeckte er, was die Autokorrektur aus einem kleinen Tippfehler in seinem Text gemacht hatte: „Gern bin ich weiterhin Sabine“.

Nadine  Bös Folgen:

Kleine Peinlichkeiten wie diese, dazu fehlerhafte Rechtschreibung und Grammatik, das Ignorieren von Groß- und Kleinschreibung, keine Anrede, keine Grußformel, statt dessen ein „ASAP“ am Ende: „Unhöflichkeiten und Nachlässigkeiten im E-Mail-Verkehr haben im Zeitalter der Smartphones stark zugenommen“, beobachtet die Kommunikationstrainerin Dagmar Friebel aus Münster, die seit Jahren Seminare zum Umgang mit E-Mails im Büro gibt. „Immer häufiger wird die Geschäftspost im Stile einer SMS verfasst. Man tippt kurz abends auf dem Sofa, an der Ampelkreuzung oder eben im Supermarkt.“ Klar, dass da mal die deutsche Sprache auf der Strecke bleibe oder der Adressat vertauscht werde.

„An alle“ zu versenden ist eine Unart

Dabei seien an eine E-Mail dieselben Sorgfaltsregeln anzulegen, wie an jeden offiziellen Brief. Vollständige Sätze, eine sprechende Betreffzeile, eine Begrüßung und Verabschiedung, so lauten einige der Grundregeln. „Zum Schluss sollte der Verfasser alles noch einmal durchlesen“, sagt Friebel. „Klingt selbstverständlich, wird aber von den wenigsten praktiziert.“

Dazu kämen weitere Unarten, die sich beim Verteilen der elektronischen Post eingebürgert hätten. „An alle“ zu versenden, das sei natürlich bequem, vermittle dem Kommunikationspartner jedoch das Gefühl des „Zugemülltwerdens“. „Außerdem glauben viele E-Mail-Schreiber, alles mit Ausrufezeichen versehen zu müssen“, sagt Friebel. „Dabei ist es grob unhöflich, wenn andere für mich entscheiden, was ich wichtig zu finden habe.“

Flapsigkeit ja - aber in Maßen

Manche Details jedoch dürften in der E-Mail durchaus etwas flapsiger behandelt werden als im gedruckten Brief, glaubt die Expertin. So habe es sich etwa eingebürgert „Guten Tag, Frau X“ statt „Sehr geehrte Frau X“ zu schreiben. Zum Schluss dürfe man „Mit freundlichen Grüßen“ ruhig durch „Freundliche Grüße aus dem sonnigen Frankfurt“ ersetzen. Und Ironie, die im Schriftverkehr ansonsten bekanntlich schwer funktioniert, könne gern mal mit einem Smiley gekennzeichnet werden, solange man es nicht übertreibt.

Doch auch mit der dosierten Ironie tun sich manche Geschäftsleute offenbar schwer. Tagelang habe er darauf gewartet, dass einer der Empfänger seiner verunglückten Mail mit „Guten Tag, Sabine . . .“ antwortete, berichtet der Projektleiter. Vergebens. Seine Gesprächspartner hätten sich zu dem Vorfall mit keinem Wort bei ihm zurückgemeldet.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.02.2013, 06:00 Uhr