20.05.2008 · Das hat man davon. Kaum zeige ich das ganze Ausmaß meines guten Willens und steige ins Wäsche-Geschäft ein, wird das gegen mich verwendet. Stefan Ruhkamp beschreibt Freud und Leid in acht Wochen Elternzeit.
Das hat man davon. Kaum zeige ich das ganze Ausmaß meines guten Willens und steige schon in der zweiten Woche meiner Elternzeit ins Wäsche-Geschäft ein, wird das gegen mich verwendet. Frauen sind damit vertraut, ehemalige und aktive Junggesellen nicht: Heutzutage muss man die Wäsche nach Farben sortieren. Von "bunt" über "dunkelbunt" bis "weiß". Wolle geht extra. Also bringe ich den ersten Wäschekorb nach unten, schmeiße den Inhalt in die Trommel. Auf meinen Ruf, es fehle das Kästchen zum Einfüllen des Waschpulvers, antwortet meine Gattin, doch, das gebe es. Ich bestehe darauf, dass es an dieser Maschine nicht dort ist, wo es hingehört. Sie folgt mir in die Waschküche, und in dem Moment, als sie freudig in die Hände klatscht ("wem erzähle ich es nur zuerst"), wünsche ich mich in einen anderen Film und hole die verdammte Schmutzwäsche wieder aus dem Trockner.
Ich schwöre, dass ich sonst nicht so ein Alltagstrottel bin. Vielleicht handelt es sich ja um eine im Unbewussten verwurzelte männliche Strategie. Von meinem Vater weiß ich, dass er sich bei seinen Angeboten, im Haushalt zu helfen, so dämlich angestellt hat, dass meine Mutter ihn schließlich aus der Küche geworfen hat.
Zu dieser Rollenverteilung gehören natürlich zwei. Er gibt den Idioten, sie hat die Arbeit. Dafür hat sie aber auch das Sagen und die Gelegenheit, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen. Es geht also um Macht. Und weil ich von der auch etwas abhaben will, erhöhe ich den Einsatz. Von heute an wird gebügelt. Von mir aus auch mit unterschiedlichen Temperaturen. Meiner Tochter Johanna geht es übrigens prima. Sie blüht unter der väterlichen Obhut auf und kann das Wohnzimmer mit nur einem Finger unterstützt auf zwei Beinen durchqueren. Nicht mehr lange, und sie wird richtig laufen.