13.05.2008 · Die Kunst der Breizubereitung ist mir vertraut, die des Windelnwechselns sowieso. Trotzdem fühle ich mich mulmig. Vor allem, wenn es um die Arbeit geht: Stefan Ruhkamp beschreibt Freud und Leid in acht Wochen Elternzeit.
Ich bin ein Mann ganz nach dem Geschmack meiner Familienministerin: Erzieher seiner Kinder, nicht nur Arbeitstier und Ernährer; fürsorglicher Vater und zugleich attraktiver Liebhaber. Lasse mich nicht als Weichei beschimpfen, wenn ich mich um mein Baby kümmere. Nein, ich bleibe die nächsten zwei Monate zu Hause, diene im Sinne der vonderleyenschen Emanzipation und meiner Tochter Johanna, die gerade ein Jahr alt geworden ist und das hübscheste Mädchen der Welt ist.
Das Hessische Amt für Versorgung und Soziales lässt dafür eine hübsche Summe springen. Ich weiß zwar nicht, womit wir es verdient haben, aber Vater Staat zahlt zwei Drittel des Nettoeinkommens - wie schon die ersten zwölf Monate für die Mutter meiner Kinder. Trotzdem habe ich mich lange gewehrt. Selbst das Argument meiner Frau, in der Vater-Zeit liege ja die Europameisterschaft, hat nicht verfangen: Fußball macht wenig Spaß mit einem quengelnden Balg auf dem Arm. Ich war also dagegen, habe auf Zeit gespielt und auf die Hindernisse hingewiesen.
Das Geld zum Beispiel, denn es bleibt trotz des Zuschusses weniger übrig. Das hat aber alles nichts geholfen. Bis der versprochene Krippenplatz frei wird, muss ich das Kind schaukeln. Nicht, dass ich ohne Erfahrung bin: Johanna hat zwei Geschwister, beide noch im Kindergarten. Die Kunst der Breizubereitung ist mir vertraut, die des Windelnwechselns sowieso. Trotzdem fühle ich mich mulmig mit der Elternzeit. Vor allem, wenn es um die Arbeit geht. Was werden die Kollegen denken? Wird der Chef nörgeln? Alles Quatsch.
„Wir werden einen Weg finden.“ Mehr war nicht. Dienste und Aufgaben sind bald geräuschlos verteilt. Ein bisschen mehr Unentbehrlichkeit wäre schön gewesen, aber das Gefühl muss ich mir jetzt daheim holen. Vielleicht stellt es sich ja in der kommenden Woche ein, wenn es an dieser Stelle um die sachgerechte Trennung von Koch- und Buntwäsche geht.