06.09.2007 · Viele Behörden und Unternehmen öffnen ihre Kantinen für die Öffentlichkeit. Der Journalist David Gunderlach bietet im Internet einen bundesweiten Kantinentest an. Seine Ergebnisse machen Hoffnung in der Mittagszeit.
Viele Behörden und Unternehmen öffen ihrer Kantinen auch für externe Besucher. Um einen Überblick über die Angebote zu geben, startete der Berliner Journalist David Gunderlach im September 2005 einen Online-Kantinetest.
Herr Gunderlach, wie sind sie auf die Idee gekommen, im Internet einen Kantinenführer anzubieten?
Ich bin selbst schon seit geraumer Zeit leidenschaftlicher Kantinen-Besucher. In der Nähe meiner Berliner Firma ist eine öffentlich zugängliche Kantine, wo ich oft zum Mittagessen hingehe. Das Essen dort ist gut und auch die Atmosphäre ist schön. Allerdings wollte ich irgendwann auch mal ein bisschen Abwechslung haben und habe mich auf die Suche nach einer anderen Kantine gemacht. Und im Zuge dieser Suche bin ich dann auf die Idee mit dem Kantinenführer gekommen.
An wen richtet sich ihr Angebot?
An die Millionen Menschen in Deutschland, die tagtäglich darauf angewiesen sind, auswärts zu essen - also Schüler, Studenten, Alleinerziehende und Berufstätige. Wir wollen diesen Menschen mit unserem Service Orientierung geben und ihnen klar machen, dass man in immer mehr Kantinen gut und günstig essen kann.
Nach welchen Kriterien testen sie die Kantinen?
Seit ich den Service vor zwei Jahren gestartet habe, habe ich das Testverfahren nach und nach immer mehr verfeinert. Zu den untersuchten Kriterien gehören heute unter anderem die Faktoren Sauberkeit, Freundlichkeit des Personals, Aussehen und Ambiente der Räumlichkeiten sowie Geschmack und Preis der angebotenen Speisen.
Testen sie alle Kantinen selbst?
Nein, das habe ich nur am Anfang getan. Da wir inzwischen aber Kantinen in ganz Deutschland testen, verlasse ich mich auf die Hilfe von Kollegen - meist freien Journalisten - die die Tests in meinem Auftrag durchführen.
Wie ist insgesamt gesehen die Qualität der von ihnen getesteten Kantinen?
Nach meinen Erfahrungen machen rund 40 Prozent aller Kantinen sehr gute Arbeit. Da schmeckt das Essen und auch das Ambiente stimmt. Die restlichen 60 Prozent müssen allerdings noch viel tun, zumal auch die Ansprüche der Kunden in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind.
Wo gibt es denn die besten Kantinen?
Ein genereller Trend lässt sich nicht ausmachen. Allerdings ist es meine Erfahrung, dass es in jeder deutschen Großstadt immer mindestens zwei sehr gute Kantinen gibt. Teilweise isst man dort wie in einem Spitzenrestaurant. Um nur ein Beispiel zu nennen: In der Kantine des Hamburger Arbeitsgerichts kocht ein Sterne-Koch, und das schmeckt man auch. Generell hängt die Qualität einer Kantine immer vom Betreiber ab. Wenn der mit Herzblut bei der Sache ist, ist das schon die halbe Miete.
Haben sie auch schon mal ein richtig schlimmes Kantinenerlebnis gehabt?
Ja, in der Kantine eines Berliner Bezirksrathauses. Die Räumlichkeiten dort waren total muffig und dunkel und das Essen war ein fürchterlicher Einheitsbrei. Da habe ich gesagt: Nein danke, so was muss ich mir nicht antun. Insgesamt sind solche Erlebnisse aber die Ausnahme. Außerdem ist es nicht unser Ziel, die Getesteten Kantinen in die Pfanne zu hauen. Vielmehr wollen wir die Betreiber zu noch besseren Leistungen anspornen.
Kostproben im Netz: www.diekantinen.de