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Niedrigenergie-Häuser Wir bauen das Haus der Zukunft

22.04.2010 ·  Rund 40 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie werden zum Heizen und Kühlen von Gebäuden genutzt. Damit diese Quote sinkt, tüfteln Ingenieure an Ideen für Häuser, die dicht halten. Wir stellen einige von ihnen im Porträt vor.

Von Sebastian Balzter
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Sein Produkt ist gelblich grün, leicht staubig und besteht zu 98 Prozent aus Luft. Markus Ciemny weiß, dass Dämmstoffe auf den Normalverbraucher weniger Ausstrahlung haben als Mobiltelefone oder schicke Laptops. „Ich war selbst überrascht von der Vielfalt, als ich vor sechseinhalb Jahren hier anfing“, sagt der Mann, der in einem Labor im nordrhein-westfälischen Gladbeck an der wärmedichten Verpackung für das Haus der Zukunft feilt. Rund 20.000 Artikelnummern umfasst das Sortiment der deutschen Landesgesellschaft von Rockwool, einem der größten Dämmstoffhersteller der Welt. Die Grundbestandteile sind in allen 20.000 Artikeln gleich simpel - Steinwolle und Luft. „Aber in der Entwicklung müssen wir rund 40 verschiedene Parameter im Blick haben“, erläutert Ciemny, warum sich trotzdem eine Herausforderung für den Ingenieur darin verbirgt. Wie stark pressen wir das Material? Wie steil oder wie flach stellen wir die einzelnen Fasern? Wie hoch soll der Bindemittelgehalt sein?

Einen Namen gemacht hat sich Rockwool mit der Feuerfestigkeit der Steinwolle, die in Hochöfen aus Basalt gewonnen und in feinen Fäden ausgesponnen wird. Heute steht das Energiesparen im Vordergrund. „Stop local warming“ lautet der neue Slogan des dänischen Konzerns. Um 80 Prozent lasse sich der Energieverbrauch für das Heizen und Kühlen von Gebäuden durch den richtigen Einsatz von Luft und Steinwolle verringern, verspricht die Unternehmensbroschüre. Markus Ciemny, 33 Jahre alt und Diplom-Bauingenieur, soll das Versprechen halten helfen. Rund die Hälfte seiner Projekte, berichtet er, gelte deshalb der Wärmeleitfähigkeit. Ein besonders wichtiges hat er im vergangenen Jahr zu Ende gebracht: Das neue Flaggschiff für Flachdächer im Katalog lässt deutlich weniger Wärme entweichen als das Vorgängerprodukt. Mehrere tausend Probestücke seien dafür während der Entwicklungszeit im Rockwool-Werk in Neuburg hergestellt und dann im Labor in Gladbeck getestet worden, berichtet Ciemny. Dazwischen hätten er und seine Kollegen am Computer immer wieder an den kleinen Stellschrauben der Produktion gedreht. „So haben wir es geschafft, den Lambda-Wert von 0,040 auf 0,037 zu senken“, rechnet er mit einigem Stolz in der Stimme vor. „So einen großen Sprung innerhalb von nur einem Jahr, das hätte ich vorher selbst nicht für möglich gehalten.“

Der Lambda-Wert - diese 37 Milliwatt je Meter Kelvin - ist die Maßeinheit der Wärmeleitfähigkeit und eine der Konstanten in der „Dämmstoffsprache“, wie Ciemny den Jargon im Labor nennt. Er hat ihn schnell gelernt: Seine Mutter und seine Schwester arbeiteten schon im Gladbecker Rockwool-Werk, als er seinen ersten Studentenjob in der technischen Beratung antrat. Damals war er noch an der Universität in Essen eingeschrieben, und von den 33 Milliwatt je Meter Kelvin, die heute für Fassaden das Maß der Dinge sind, wagte noch niemand zu träumen. Aber so wenig Vorstellungskraft wie seine Vorgänger will Markus Ciemny sich später nicht vorwerfen lassen. „Wo das Ende der Entwicklung ist“, sagt er, „ist nicht absehbar.“

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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