28.01.2010 · In den Vorständen und Aufsichtsräten großer deutscher Unternehmen sitzen weiterhin überwiegend Männer. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mit Daten von 2009 ergab, dass nur 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 größten Unternehmen Frauen waren.
In den Vorständen und Aufsichtsräten großer deutscher Unternehmen sitzen weiterhin überwiegend Männer. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit Daten von 2009 ergab, dass nur 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 größten Unternehmen Frauen waren. Von insgesamt 833 Vorstandsposten waren es nur 21. Im Kreis der Dax-30-Unternehmen, der größten börsennotierten Unternehmen, gab es nur ein weibliches Vorstandsmitglied: Barbara Kux. Sie verantwortet den Einkauf von Siemens. Die einzige Vorstandsvorsitzende in den 200 untersuchten Unternehmen sei die Ikea-Chefin Petra Hesser, schreiben die Forscher in ihrer Studie, die sie am Mittwoch in Berlin veröffentlichten.
Ein etwas anderes Bild ergibt sich, was die Situation in den Aufsichtsräten angeht, den Kontrollgremien der Unternehmen. Dort betrug der Frauenanteil im vergangenen Jahr rund 10 Prozent. Vergleichsweise stark sei das weibliche Geschlecht beispielsweise beim Pharmakonzern Sanofi Aventis vertreten, schreibt das DIW: Für den dortigen Aufsichtsrat kamen die Forscher auf eine Quote von 33 Prozent. „Die Frauen, die in Aufsichtsräten vertreten sind, werden zu zwei Dritteln von den Arbeitnehmern gestellt“, erläutert Elke Holst, eine der Autorinnen der Studie. In mehr als einem Viertel der Unternehmen seien ausschließlich Männer Aufsichtsräte. Dazu zählten etwa Robert Bosch, Audi und Hochtief.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld
Unternehmen aus dem Finanzsektor sind in der Statistik nicht berücksichtigt. Dort sei die Lage aber ähnlich, berichtet das DIW. Im Vergleich zu der Studie, die Anfang vergangenen Jahres die Situation im Jahr 2008 beleuchtete, hat sich der Frauenanteil in den Vorstandsetagen nicht verändert – auch damals betrug er in den 200 größten Unternehmen 2,5 Prozent. Der Anteil weiblicher Aufsichtsräte ist gegenüber 2008 leicht gestiegen.
Im europäischen Vergleich liege Deutschland im Mittelfeld. In den skandinavischen Ländern sei der Frauenteil in Spitzenpositionen deutlich höher. Dort besetzten Frauen rund ein Viertel der höchsten Etscheidungsgremien. Das DIW beruft sich dabei auf Zahlen der Europäischen Kommission. Die Berliner Wirtschaftsforscher vertreten die Ansicht, dass es für eine Trendwende in Deutschland verbindliche Regeln mit Sanktionen brauche, und verweisen auf das Beispiel Norwegen. Dort ist für Aufsichtsräte eine Frauenquote von 40 Prozent vorgeschrieben.
Die Ursache dafür, dass Männer die Chefetagen dominieren, sehen die Autorinnen der Studie unter anderem in fehlenden Vorbildern. Es sei für Frauen schwer, in die einflussreichen „Old-Boys-Networks“ vorzudringen. Personalberater berichten unterdessen, dass viele – vor allem international tätige – Unternehmen sich ausdrücklich Frauen wünschen, wenn eine offene Vorstandsposition besetzt werden soll. „Es mangelt aber an geeigneten Kandidatinnen auf der Ebene darunter“, sagt Christine Stimpel, Deutschlandchefin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Ihrer Einschätzung nach zieht es Frauen nach der Ausbildung häufig in strategische Unternehmensbereiche, nicht so sehr ins Tagesgeschäft. Genau dort aber werde der Führungsnachwuchs gesucht. Und es sei auch eine Frage der Mentalität: „Was Fachwissen angeht, glänzen Frauen sehr. Ihre Ellenbogen einsetzen wollen viele aber nicht.“
Gerade eben (FAZ 24.01.2010, Die Hätschelkinder der Nation)
Torsten Klier (TorstenKlier)
- 28.01.2010, 22:41 Uhr