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Namensvettern Ihr Name ist schon vergeben

04.02.2010 ·  Wer seinen Namen googelt, findet oft auch Einträge von Namensvettern. Das kann zu peinlichen Verwechslungen führen. Denn nicht immer steht dort nur Gutes. Vor allem im Berufsleben kann das äußerst hinderlich sein.

Von Friederike Haupt
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Als Sascha Cremer eines Tages seinen Namen googelte, fand er sich in einen ungeheuren Unsympathen verwandelt. Gleich der erste Treffer der Suchmaschine führte zur privaten Homepage eines Musikers, der von einem Besuch Cremers berichtete. Das Fazit des Gastgebers: „Geblieben ist mir ein Brandfleck, so groß wie nen Schuhabdruck auf dem Teppich, mein Monitor, war nen riesen Stück weggeschmolzen . . . und meine ganzen DVD's die ich ihm mal lieh, kann man kaum noch angucken.“ Und weiter: „Drohungen lasse ich mir nicht bieten!! Und das wird er zu spüren bekommen, wenn wir uns je nochmal sehen sollten!! Ansonsten sage ich lebe Wohl Sascha Cremer!!“

Sascha Cremer war entsetzt. Weder kannte er den entrüsteten Musiker, noch hatte er je anderer Leute Teppiche angekokelt. Der Eintrag bezog sich offensichtlich auf einen anderen Sascha Cremer - doch wie sollte das jemand außer ihm wissen? Und was, wenn dieser googelnde Jemand nun ein Chef oder Kunde wäre?

Die Michael Müllers haben Glück

Sascha Cremer, Kommunikationswissenschaftler in Hamburg, ist nicht allein mit seinem Namensvetter. Viele Deutsche teilen sich ihren Vor- und Zunamen mit einem oder sogar mehreren anderen, von denen sie oft gar nichts wissen, bis es zur Verwechslung kommt. Glück im Unglück haben dabei noch die Michael Müllers, Peter Wagners und Thomas Richters dieser Welt: Sie wissen meist ebenso wie diejenigen, die im Internet nach ihnen suchen, von der Existenz diverser Doppelgänger. Nicht jeder peinliche Fund wird sofort dem tatsächlich Gesuchten zugeschrieben. Und nicht jedes Mal ist gleich der Erfolg im Beruf gefährdet. Das ändert sich jedoch, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: 1. Man hat einen Nicht-ganz-Allerweltsnamen. 2. Der Name ist, ob durch eigenes oder fremdes Zutun, im Internet präsent. 3. In dem Beruf, den man ausübt, ist der Name so etwas wie eine Marke, deren Image gepflegt werden will - das gilt vor allem für Freiberufler, Selbständige und Unternehmer, grundsätzlich für alle Profiteure von Öffentlichkeit.

Alle diese Punkte treffen auf Sascha Cremer zu. Seit dem unliebsamen Google-Fund vor rund zwei Jahren beschäftigt er sich in seinem Internettagebuch imageistalles.de damit, wie man seinen Ruf im Internet beeinflussen kann. „In die Offensive gehen“, sagt er, „ist das Wichtigste.“ Dem Musiker, der sich über den dreisten Sascha Cremer beschwerte, schickte er eine Mail und schilderte sein Problem; der Mann habe sehr verständnisvoll reagiert und den Namen umgehend geschwärzt. Ein paar Tage habe es noch gedauert, bis auch Google die Änderung erfasste - doch dann sei das Problem aus der Welt gewesen.

Auf Kulanz hoffen

Dass es so einfach nicht immer ist, weiß Cremer. Ein Rechtsanspruch besteht nicht: „Da kann man nur auf Kulanz hoffen.“ Weil die Verwechslungen fast ausschließlich im Internet stattfinden, sieht der Fachmann für Online-Marketing hier auch den größten Handlungsbedarf. Er selbst setzt darauf, seine eigenen Einträge in der Google-Trefferliste möglichst weit nach oben zu bringen. So findet jemand, der nach „Sascha Cremer“ sucht, zuerst die von ihm selbst preisgegebenen Informationen. Die stehen vor allem in seinem eigenen Blog und in den Profilen, die er im Geschäftsnetzwerk Xing sowie in den Personensuchmaschinen Yasni und 123people angelegt hat.

Noch kniffliger wird es allerdings in Fällen, in denen die Namensvetter sogar in derselben Branche arbeiten. So geht es Stefan Hagen. Außer ihm gibt es noch zwei andere Stefan Hagens, die wie er als selbständige Unternehmensberater tätig sind. Als einer seiner Namensvettern eine eigene Fernsehsendung bekam - „Hagen hilft!“ lief als Doku-Soap auf Kabel 1 -, lernte er das Problem des Namensdoppelgängers kennen. Er erhielt über Xing die Nachricht eines anderen Beraters, der eine Folge der Sendung gesehen und für schlecht befunden hatte: Als „Dünnbrettbohrer“ sei er bezeichnet worden, berichtet der Stefan Hagen, der gar nicht gemeint war. Dass er wohl den Falschen beschimpft habe, schrieb er dem Kollegen zurück und erhielt eine kleinlaute Entschuldigung. Schon das Profilfoto hätte ihn stutzig machen müssen, sah der Kritiker ein, doch im Eifer des Gefechts habe er darauf nicht geachtet.

Aus der Not eine Tugend machen

Wie Sascha Cremer beobachtet Hagen das Treiben der Namensvettern jedoch nicht mit großer Angst, verwechselt zu werden, sondern sieht es als „Herausforderung“. Der einzige Weg sei, aus der Not eine Tugend zu machen, berichtet Hagen: Er schrieb in seinem Blog über die Verwechslung, was ihm besonders viele Leser und „humorvolle Kommentare“ beschert habe. Gleichzeitig seien viele potentielle Kunden so über die NamensvetterSache informiert worden.

Der Unternehmensberater aus Österreich regt sich auch nicht auf darüber, dass der Fernseh-Stefan-Hagen in der Google-Treffer-Liste über ihm steht. „Meine Marke, wenn man das überhaupt so sagen kann, besteht nicht nur aus meinem Namen, sondern auch aus meinem Gesicht und vor allem aus meinen Inhalten“, sagt er. Seine Schwerpunkte sind Projektmanagement und Neugeschäft-Management - die anderen Stefan Hagens haben andere Spezialgebiete innerhalb der Unternehmensberatung. So gebe es wohl niemanden, der seine Hilfe gesucht und die eines Namensvetters gefunden habe.

Kontakt aufgenommen mit ihnen hat er noch nicht, könnte es sich aber gut vorstellen: „Ein Dreiergespräch zwischen uns stelle ich mir interessant vor“, sagt er. Darauf könne man dann im Internet verweisen und die Zusammenhänge transparenter machen. Überhaupt sieht er wie Cremer in der eigenen Homepage und Profilen in sozialen Netzwerken die beste Möglichkeit, sich abzugrenzen. Daran, seinen Namen zu ändern, etwa indem er ein Mittelinitial einfügt, denkt er nicht. „Das wäre etwas anderes, wenn beispielsweise ein rechtsradikaler Politiker so hieße wie ich.“ Liege aber kein solcher Extremfall vor, könne er nur raten, das Ganze sportlich zu sehen. Alles andere zeuge nur von übertriebener Eitelkeit.

„Packen Sie den Stier bei den Hörnern!“

So steht es auch in der Bibel geschrieben. Genauer gesagt: in der „Karrierebibel“ von Jochen Mai. Der Autor beschäftigt sich von Berufs wegen mit Unverwechselbarkeit im Job - und so ist es kein Wunder, dass er unter den sieben Jochen Mais, die er in Deutschland gezählt hat, im Internet am meisten auffällt. Auch er hat alles, was dort bekannt macht: eine Internetseite mit seinem Namen, ein Blog, Profile in jedem sozialen Netzwerk, jeder Personensuchmaschine. „Packen Sie den Stier bei den Hörnern!“, so sein Rat an alle, die nicht verwechselt werden wollen.

Den Kampf um die besten Plätze vor allem bei der Suchmaschine Google vergleicht Mai mit dem „Handtuchkrieg am Ballermann“: „Die besten Plätze sind früh weg. Man muss seinen Claim abstecken.“ Ihm ist das gelungen. Dennoch hat auch er einmal einen anderen Jochen Mai zu genau diesem Thema interviewt. Man sei sich sofort sympathisch gewesen, berichtet der Journalist. Durch den gemeinsamen Namen fühle man sich „fast verwandt“. Noch heute stehen die beiden in losem Kontakt: Seine E-Mails an den Namensvetter unterzeichnet Jochen Mai ganz entspannt mit „der andere“.

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