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Nachwuchsprogramme Überleben im Haifischbecken

09.09.2008 ·  Traineeprogramme sind beliebt. Sie bereiten Absolventen behutsam auf das Geschäftsleben vor. Und sie sind ein Karrieresprungbrett: Viele Unternehmen besetzen auf diesem Weg ihre Führungspositionen.

Von Friederike Haupt
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Nett sieht es aus, das große Stellenangebot in der Zeitung. Eine blonde, junge Frau lächelt dem Leser freundlich entgegen, und der Text klingt vielversprechend. "Unternehmerische Gesamtverantwortung für einen Verkaufsbezirk", spannend. "Sie nehmen selbständig Personaleinstellungen vor", oho. "Von Anfang an ein hohes Gehalt und einen neutralen Firmenwagen, den Sie auch privat, innerhalb Deutschlands kostenlos, nutzen können", nicht übel. Aber wen sucht die große Lebensmittelkette, Manager, Chefs? Nein, Anfänger, frisch von der Hochschule. Trainees.

Viele große Unternehmen setzen auf eigene Nachwuchsprogramme, um junge Akademiker zu rekrutieren. Die Methode hat Tradition: Schon in den dreißiger Jahren lockten amerikanische Firmen Hochschulabsolventen mit der Kombination von Arbeit und Weiterbildung. Seit etwa fünfzig Jahren gibt es auch in Deutschland Traineeprogramme. Die meisten dauern zwischen ein und zwei Jahren. Vor allem Finanzdienstleister bieten diese Alternative zum Direkteinstieg nach dem Studium an. Und es sind vor allem große Unternehmen, die Trainees suchen: Nur 10 Prozent der Anbieter solcher Programme haben weniger als 500 Mitarbeiter, hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln ergeben. Denn eine gute Traineeausbildung ist teuer, sie kostet das Unternehmen pro Person und Jahr zwischen 75.000 und 100.000 Euro.

Warum nochmal eine Ausbildung?

Doch warum sollte jemand, der zwölf oder dreizehn Jahre Schule, fünf Jahre Studium und das eine oder andere Praktikum hinter sich hat, noch eine Ausbildung machen? Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist, dass viele Absolventen nach dem Studium zwar wissen, in welcher Branche sie arbeiten wollen, nicht aber, in welchem Spezialgebiet. Trainees durchlaufen mehrere Abteilungen ihres Unternehmens und können dabei ausprobieren, was sie besonders gut können. In Fachtraineeprogrammen legen sie sich zwar schon am Anfang auf einen Schwerpunkt fest, lernen aber auch hier verschiedene Bereiche kennen. Auch die sozialen Fähigkeiten sind bei manch einem, der frisch von der Uni kommt und seine Hausarbeiten im stillen Wohnheimzimmer tippte, noch ausbaufähig. Für diese Absolventen sind Traineeprogramme eine wohltemperierte Eingewöhnung, die sie dem direkten Sprung ins kalte Wasser gern vorziehen. Unverkrampft Kontakte zu knüpfen ist dann kein Problem. Und die Seminare, die ergänzend zur Arbeit angeboten werden, liefern wertvolles Rüstzeug für den Job. Ob Kommunikationstraining, Definition von Karrierezielen oder Arbeitsmanagement - da kann jeder noch etwas lernen. "Die Weiterbildung ist ein großer Vorteil dieser Programme", weiß Christiane Konegen-Grenier vom Institut der deutschen Wirtschaft. Und das wissen auch die Personalchefs der Unternehmen, die ihren Führungsnachwuchs oft unter den Trainees finden.

So etwa die Robert Bosch GmbH. Eine künftige Führungskraft dort könnte Sam Manaberi sein. Der 27 Jahre alte Vertriebsexperte hat im Februar seine Traineelaufbahn bei Bosch beendet und arbeitet seitdem auf einer Planstelle in Göteborg. In Schweden ist der gebürtige Iraner auch aufgewachsen und hat dort seinen Abschluss als Wirtschaftsingenieur gemacht. Beim Stuttgarter Unternehmen bewarb er sich auf den Rat eines Freundes hin: ohne Deutsch sprechen zu können, aber mit Begeisterung für die Internationalität des Traineeprogramms. "Es war eine sehr dynamische Ausbildung", lobt er heute. Das meiste wurde individuell geplant, so auch sein halbes Jahr in Paris, schon früh durfte er Verantwortung übernehmen. Die Kasse stimmte auch: "Mein Gehalt war so hoch wie bei Direkteinsteigern", sagt Manaberi.

Auch die Unternehmen profitieren

Aber auch die Unternehmen profitieren von den Trainees. "Wir spüren einen zunehmenden Wettbewerb um Nachwuchskräfte", sagt Sören Salow, der Referent für Nachwuchsprogramme bei Bosch ist und Manaberi schon als Bewerber kennenlernte. "Der Wettbewerb um die wirklich guten Leute ist definitiv intensiver geworden." Mögliche Führungskräfte können als Trainees schon früh ans Haus gebunden werden. Sie machen sich mit der Organisation des Unternehmens vertraut, lernen Entscheider kennen und sammeln Fachwissen. Klein anfangen, groß rauskommen - das Konzept geht oft auf. Ein Trainee, der 1975 bei Bosch anfing, kann das bestätigen: Franz Fehrenbach ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung des Unternehmens.

Viele Traineeprogramme richten sich an Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler. Gerade Absolventen technischer Fächer werden händeringend gesucht. Sie können auch das meiste Geld erwarten: Zwischen 39 000 und 46 000 Euro variiert laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum ihr Einstiegsgehalt. Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker und Naturwissenschaftler müssen mit etwas weniger rechnen: Sie erhalten als Trainee durchschnittlich 42 000 Euro im Jahr. Geisteswissenschaftlern, die ein Traineeprogramm absolvieren wollen, rät Konegen-Grenier vom Institut der deutschen Wirtschaft zur Bewerbung bei Unternehmensberatungen; dort sei das Studienfach zweitrangig. Allerdings würden exzellente Noten vorausgesetzt. Einen Trend sieht die Wirtschaftsexpertin darin, dass vermehrt auch Absolventen mit Bachelorabschlüssen als Trainees eingestellt würden. "Die machen dann den Master nach dem Programm, berufsbegleitend."

Absolventen rät sie, die Traineeprogramme auf ihre "Echtheit" zu prüfen. "Ein paar schwarze Schafe" versuchten, billige Arbeitskräfte mit wohlklingenden, aber hohlen Angeboten zu ködern. Leistung, Einsatz und Verantwortungsbewusstsein müssten die Trainees zwar auf jeden Fall zeigen. Das aber sollte dann auch honoriert werden.

Daran erkennen Sie ein gutes Traineeprogramm

1. Das Gehalt stimmt

Sie sind kein Praktikant im zweiten Semester mehr - das sollte sich auch in Ihrem Kontostand widerspiegeln. Eine angemessene Bezahlung ist ein Muss für ein gutes Traineeprogramm. Je nach Branche betragen die Einstiegsgehälter bis zu 46 000 Euro im Jahr. Wer einen MBA vorweisen kann oder promoviert hat, kann sogar bis zu 60 000 Euro erwarten.

2. Sie werden ausgebildet

Ein Traineeprogramm ist eine Ausbildung. Legen Sie also Wert darauf, dass Sie neben der Arbeit auch Fortbildungen erwarten. Diese vermitteln Fachwissen, helfen aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung und Arbeitsorganisation - wie Kurse zum Zeitmanagement oder zu Präsentationstechniken. Dieses „Training off the job“ kann je nach Unternehmen zwischen 5 und 25 Prozent der Zeit einnehmen.

3. Sie haben einen Mentor

Ein fester Ansprechpartner ist wichtig für Ihre Orientierung. Gute Traineeprogramme sehen Mentoren vor, die ihren Schützlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Ich habe da ein Problem“ - damit möchte man nicht schon beim ersten Projekt den vielbeschäftigten Chef nerven. Der Mentor dagegen sollte sich Zeit nehmen und dem Einsteiger - vielleicht auch bei einer Tasse Kaffee - weiterhelfen.

4. Sie durchlaufen mehrere Stationen

Zwei Jahre auf einer Position - das ist bei einer festen Stelle üblich, nicht aber bei Traineeprogrammen. Diese sollen es Ihnen ermöglichen, verschiedene Bereiche des Unternehmens kennenzulernen. Ihre Fähigkeiten und Interessen sind entscheidend. Wollen Sie unbedingt die Marketingabteilung kennenlernen? Oder drei Monate in die Niederlassung in Spanien? Dabei merken Sie oft auch, wo Sie später am liebsten arbeiten möchten - und wo nicht.

5. Sie übernehmen Verantwortung

Hier kopieren, dort die Adressdatei aktualisieren, bei den Verhandlungen der Chefs nur zuhören - ein Trainee will mehr: die Herausforderung. In guten Programmen erwarten Sie eigene Projekte, anspruchsvolle Arbeiten und auch Führungsaufgaben. Das ist wichtig, schließlich sollen Sie später eigenverantwortlich arbeiten.

6. Es gibt Aufstiegsmöglichkeiten

Nicht jeder Traineevertrag ist unbefristet. Erkunden Sie sich in jedem Fall, wie viel Prozent der Trainees nach der Ausbildung im Unternehmen, für das Sie sich interessieren, übernommen werden. Und auf welchen Positionen. Viele Trainees verlassen nämlich ihren ersten Arbeitgeber wegen fehlender Karrierechancen schnell wieder.

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