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Moderne Sabbaticals Ich bin dann mal ein bisschen weg

Ehrenamt in Burma oder vier Wochen für die Doktorarbeit: Viele Unternehmen bieten dem hochbezahlten Nachwuchs eine Pause im Berufsleben. Mit dem ursprünglichen Sabbatjahr hat das aber nicht mehr viel zu tun.

© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Work-Life-Balance - schon im Ausdruck ist die Grenzziehung enthalten - ist in aller Munde. Arbeit und Privatleben sollen merklich voneinander getrennt sein, so der Wunsch der überlasteten Arbeitnehmer. Beim Abendessen mit der Familie oder auf der Strandliege ins Smartphone getippte E-Mails gelten nicht länger als zeitgemäß, sondern als Stressfaktor. Und sogar dort, wo eigentlich Einigkeit über ständige Erreichbarkeit zu bestehen scheint - etwa in den internationalen Großkanzleien und Beratungsunternehmen, die weltweit jedes Jahr Milliardenbeträge umsetzen -, ist ein Wandel zu beobachten. Immer öfter bieten sie ihren vielbeschäftigten Angestellten Möglichkeiten, um Beruf und Privatleben voneinander zu trennen.

Zur neuen Flexibilität gehört zunehmend ein sogenanntes Sabbatical, das mit dem ursprünglichen Wortsinn des Ausdrucks aber nur noch wenig gemein hat. Analog zum jüdischen Sabbat, dem arbeitsfreien siebten Tag, steht der Begriff Sabbatjahr für die Ruhepause von der Arbeit im siebten Jahr. Seit dem 19. Jahrhundert bezeichnet er auch ein Jahr der bezahlten Auszeit amerikanischer Universitätsprofessoren von der akademischen Lehre - um das geistige Feld neu zu besäen. Inzwischen taucht der Begriff immer öfter in der Wirtschaft auf. Als Arbeitszeitmodell bezeichnet das Sabbatical einen in den Unternehmen festgelegten Zeitraum vergüteter oder unvergüteter Abwesenheit vom Arbeitsplatz.

Das Thema birgt auch einen Widerspruch

Mit dieser Möglichkeit zur Auszeit werben Sozietäten und Unternehmen um die besten Absolventen, von denen es heute zunehmend heißt, sie wollten nicht nur in der Karriere, sondern auch privat aus dem Vollen schöpfen. Sabbatical, das klingt verheißungsvoll nach mehr Zeit für die vielbeschworene Entschleunigung. Doch das Thema birgt auch einen Widerspruch. Rund 100.000 Euro Einstiegsgehalt, Aufgaben mit internationaler Reichweite, der harte Wettbewerb in der Liga der Marktführer und der Konkurrenzkampf um den Aufstieg innerhalb des Unternehmens - wieso sind solche Optionen auf mehr Freizeit sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Angestellten in diesem Umfeld ein interessantes Thema?

Sven Petersen kam das Angebot seines Arbeitgebers gerade recht. Der 36 Jahre alte Anwalt der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer nahm ein Sabbatical nach der Geburt seiner zweiten Tochter, um Zeit für die Familie zu haben. Innerhalb des Freshfields-Programms „Smart Balance“ steht seit 2011 den Anwälten vom fünften Berufsjahr an offen, vier Wochen am Stück den Arbeitsplatz zu verlassen. Petersen kombinierte das Sabbatical mit einem Teil des Jahresurlaubs und verbrachte sechs Wochen mit seiner Familie in Argentinien. „Das war eine intensive Zeit, ich konnte richtig zur Ruhe kommen. Danach bin ich mit frischem Elan an die Arbeit gegangen.“

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Währenddessen bezog Petersen weiter sein normales Gehalt. Wiederholbar ist die Auszeit jedoch nicht. Petersen begrüßt das Angebot als eine „Wertschätzung für Anwälte, die schon länger dabei sind“. Von Hemmungen, der Arbeit aus persönlichen Gründen eine Weile fernzubleiben, habe er aber auch schon gehört: „Vielleicht denken ja manche, dass es nicht gut ankommt, wenn man das Angebot auch nutzt.“ Gerade über die heute einflussreichen Senior Partner, zu deren Anfangszeiten es die Wortschöpfung Work-Life-Balance noch nicht gab, heißt es bisweilen, sie brächten wenig Verständnis für die Ansprüche des Nachwuchses auf. Zum Standard ist das Sabbatical bei Freshfields noch nicht geworden: Von gut 120 Associates und Counseln, die die Voraussetzung für die Auszeit erfüllen, haben sie bislang 21 genommen.

Nach Petersens Wahrnehmung hat sich in Großkanzleien jedoch viel getan, um mehr Flexibilität zu ermöglichen. Zwar sei es im Alltag schwierig, genug Zeit für die Familie zu finden, er könne sich die Arbeit aber einteilen. Zweimal in der Woche verlässt er das Büro früher für das gemeinsame Abendessen, und auch am Laternenumzug seiner Tochter hat er teilgenommen. Die Arbeit muss dann liegenbleiben. „Ich kann mich ja abends von zu Hause noch mal einloggen“, sagt der Rechtsanwalt. Wann Balance zwischen Arbeit und Privatsphäre besteht, scheint individuell sehr unterschiedlich zu sein.

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Veröffentlicht: 13.03.2013, 06:00 Uhr