Im Grunde hat der Mensch vier Möglichkeiten, seine Zeit totzuschlagen. Er arbeitet für Geld, er managt Haushalt und Kinder, er widmet sich biologischen Notwendigkeiten wie dem Schlaf, oder er genießt die Freizeit.
Wie Frauen und Männer ihr Leben auf diese vier Möglichkeiten verteilen, hat der Berliner Ökonom Michael Burda zusammen mit den Kollegen Daniel Hammersh (University of Texas) und Philippe Weil (Free University of Brussels) in einer großen Studie untersucht. Die erste Erkenntnis lautet: Männer und Frauen arbeiten in reichen Ländern gleich viel. Für die These von der Doppelbelastung der Frau fanden die Wissenschaftler zumindest in Deutschland, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden keine Bestätigung. In Deutschland arbeiten die Männer acht Minuten kürzer, in Holland sieben Minuten länger und in Amerika vier Minuten länger als Frauen. Der Abstand wird etwas größer auf dem höchsten Bildungsniveau, in Deutschland beläuft sich die Differenz dann auf 20 Minuten.
Italienerinnen putzen mehr
Allerdings verbringen Männer mehr Stunden am Arbeitsplatz und Frauen mehr Stunden zu Hause. Eine Ausnahme bilden allerdings die Mittelmeerländer Frankreich und Italien. In Italien arbeiten Männer substantiell - nämlich eine Stunde und 15 Minuten - weniger als Frauen. Den Vorsprung gewinnen die Italienerinnen vor allem, weil sie deutlich mehr saubermachen.
Neben der überraschenden Tatsache, dass Männer und Frauen praktisch gleich lange arbeiten, gibt es aber auch einen bedeutsamen Unterschied. Männer schlafen rund eine halbe Stunde weniger als Frauen. Ausnahme ist auch hier Italien, wo die Männer genauso viel Schlaf brauchen wie ihre Frauen. In Deutschland, den Niederlanden und in den Vereinigten Staaten verbringen die Männer die durch Schlafverzicht gewonnene Zeit überwiegend vor dem Fernsehgerät. Auch italienische Männer schauen länger Fernsehen, aber sie gewinnen die Zeit dafür durch die Verweigerung von Hausarbeit.
Warum Männer und Frauen im Grunde gleich lang arbeiten, ist noch nicht abschließend geklärt. Offenbar wirken, so die Autoren, soziale Normen mit. Erwerbsarbeit und Haushaltsarbeit wird möglicherweise zunehmend als gleichwertig betrachtet. In Entwicklungsländern dagegen arbeiten Frauen signifikant mehr als Männer. In Benin, Madagaskar und Südafrika beträgt der Abstand bis zu zwei Stunden am Tag.
Von wegen überraschend...
Norbert Ost (grohfuda)
- 24.04.2007, 14:54 Uhr
So nicht!
Torsten Klier (TorstenKlier)
- 25.04.2007, 00:17 Uhr
