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Veröffentlicht: 15.03.2015, 08:00 Uhr

Geschmackssache Wenn Arbeitgeber die Mittagspause verplanen

Arbeitgeber entdecken die soziale Kraft der Mittagspause. Und lassen ihr Personal tanzen, Filme schauen oder laden zu Blind Dates mit unbekannten Kollegen. Aber wem nützt das am Ende eigentlich?

von Klara Keutel
© dpa Blinddate mit Pommes: Manche Arbeitgeber laden zum „Lunch-Roulette“ in der Kantine, damit sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen besser kennenlernen.

Arbeitsabläufe in modernen Unternehmen sind häufig straff organisiert und auf Effizienz getrimmt. Oftmals weiß der einzelne Angestellte gar nicht mehr, was etwa in der benachbarten Abteilung vor sich geht. Das ist zum Teil auch so gewünscht. Von den berühmten „Silos“ ist dann die Rede, und Heerscharen von Unternehmensberatern verkaufen den guten Rat teuer, dass man aus selbigen doch bitte schön herauskommen müsse. Denn nur durch Vernetzung entstünde letztlich auch Innovation, heißt es in der Theorie. Aber wie sollen solche sozialen Kontakte unter den beschriebenen Bedingungen vorangetrieben werden, fragen sich viele Personalmanager.

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Die Antwortet lautet dabei immer häufiger: in der Mittagspause. Denn ein gezielt vereinbartes Mittagessen in der Kantine kann als Eisbrecher dienen und Kollegen unterschiedlicher Bereiche in entspannter Atmosphäre zusammen bringen. „Im Tagesgeschäft wird immer öfter auf Projektbasis und abteilungsübergreifend sowie interdisziplinär und ad hoc gearbeitet“, sagt Kommunikationsberater Frank Hamm, der für Konzerne die Vernetzung ihrer Mitarbeiter vorantreibt.

Dafür gibt es laut Hamm zunehmendes Interesse. Soziale Medien könnten dabei helfen, solche Barrieren zu überwinden. Interne Chat-Plattformen kommen daher zunehmend häufiger zum Einsatz und sollen Barrieren zwischen Abteilungen abbauen. Doch der virtuelle Austausch allein reiche nicht. „Persönlicher Kontakt ist extrem wichtig, nur so lernt man sich kennen und baut Vertrauen auf“, sagt Hamm. Dann kommt das Mittagessen ins Spiel.

Mittagspausen werden auf Monate verplant

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weiß die Vorzüge schon zu nutzen. „Das Mittagessenmanagement spielt bei uns eine große Rolle“, sagt Heinrich Gerhard, der Chef der Personalabteilung. Auf den Stellenwert einer aktiven Mittagessensplanung werde schon im Bewerbungsgespräch oder bei Neulingen in der ersten Arbeitswoche hingewiesen. Für manche sei das überraschend oder sogar überfordernd. Doch die Unsicherheit lege sich schnell, versichert Gerhard, der auch für den Ausbildungsbereich zuständig ist.

Der KfW-Manager ist seit 18 Jahren im Unternehmen und überzeugter Verfechter der Mittagessenskultur. „Ich nehme das äußerst positiv wahr“, sagt er stolz. So etwas wie einen Routinegang zur Kantine oder eine spontane Verabredung gibt es hausintern selten. „Manche Kollegen planen ihre Mittagspausen sogar Monate im Voraus“, berichtet Gerhard amüsiert. Das finde er zwar etwas übertrieben. „Aber für die nächsten 14 Tage kann ich Ihnen durchaus sagen, mit wem ich wann zum Mittagessen verabredet bin“. Die Mittagessen-

Dates, wie solche Treffen bei der KfW auch genannt werden, müssen natürlich nicht immer an einen konkreten Zweck gebunden sein. Sie könnten auch dazu genutzt werden, um mit Kollegen und Freunden aus der Förderbank auf den aktuellen Stand zu kommen. Sie sind aber vor allem dann nützlich, wenn gemeinsame Projekte zwischen Abteilungen absehbar sind oder ein neuer Kollege in ein Team zu integrieren ist. „So erfährt man auf direktem Wege gleich, mit wem man es zu tun hat“, sagt Gerhard.

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