08.09.2006 · Der Anteil von Frauen in der Unternehmensberatung hat seit dem Jahr 2000 deutlich zugenommen. Allerdings sinken nach wie vor deren Karrierechancen mit steigender Hierarchiestufe. Je größer das Unternehmen, desto geringer sind die Aufstiegschancen für Frauen.
Der Anteil von Frauen in der Unternehmensberatung hat seit dem Jahr 2000 deutlich zugenommen. Allerdings sinken nach wie vor deren Karrierechancen mit steigender Hierarchiestufe. Je größer das Unternehmen, desto geringer sind die Aufstiegschancen für Frauen. Das hat Brigitte Grass, Professorin an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, herausgefunden.
Beim Start in den Consultingberuf als Juniorberater liegt der Frauenanteil aktuell laut Studie bei 31,5 Prozent (Jahr 2000: 19,9 Prozent). Der Anteil von weiblichen Beratern auf Partner- oder Geschäftsführungsebene sei zwar innerhalb der letzten sechs Jahre ebenfalls von 2,6 Prozent auf gut 9,1 Prozent "markant" gestiegen. Jedoch machten die Zahlen deutlich, daß nur ein kleiner Teil der Berufseinsteigerinnen die Karriereleiter erfolgreich weiter emporsteige. Bei den Großen der Beratungsbranche seien Frauen in den Spitzenpositionen sogar nur mit rund sechs Prozent vertreten, der Frauenanteil bei den mittelgroßen Beratungsgesellschaften liege bei knapp zehn Prozent.
Im Stil einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung
Gefragt nach den Ursachen für die geringe Repräsentanz von Frauen, wurde - im Stil einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung - am häufigsten genannt, daß das Beratungsgeschäft "ein männerdominiertes Berufsfeld" sei. An zweiter Stelle wurde die hohe Arbeitsbelastung angegeben, die die Beraterinnen oft wegen der familiären Beanspruchung nicht tragen könnten. Mit fast gleicher Gewichtung folgen an dritter Stelle, daß Frauen zuwenig mobil seien sowie Teilzeitbeschäftigung nur selten angeboten werden könne. An der Qualifikation von Frauen liegt es nach Meinung der befragten Beratungsfirmen nicht, auch die Akzeptanz beim Kunden wurde kaum angezweifelt.
Am meisten werden der Studie zufolge Wirtschaftswissenschaftlerinnen in der Beratung eingesetzt, sowohl in großen als auch in mittleren Unternehmen. In den großen haben Naturwissenschaftlerinnen die zweitbesten Chancen, in den mittleren Consultingunternehmen eher Psychologinnen, Pädagoginnen, Germanistinnen. Von ihnen würden vor allem Personal-, Marketing- und Organisationsberatung bevorzugt, weniger Technologie- oder Innovationsberatung.
Die Untersuchung basiert auf einer Erhebung von Dezember 2005 bis April 2006, an der sich 44 der befragten 298 Beratungsgesellschaften in Deutschland beteiligt haben.