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Management Weniger Wechsel auf den Chefetagen

12.05.2009 ·  So unruhig die Arbeitstage für Vorstandsvorsitzende im Moment sein mögen - ihre Jobs sind vergleichsweise sicher. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine neue Studie, die an diesem Dienstag veröffentlicht wird.

Von Julia Löhr
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So unruhig die Arbeitstage für Vorstandsvorsitzende im Moment sein mögen – ihre Jobs sind vergleichsweise sicher. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine neue Studie der Unternehmensberatung Booz & Company, die an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Demnach ist die Zahl der Wechsel auf der höchsten Führungsebene im vergangenen Jahr nicht gestiegen, sondern sogar gesunken. In Deutschland, Österreich und der Schweiz räumten im vergangenen Jahr 17 Prozent der Vorstandschefs freiwillig oder gezwungenermaßen ihre Sessel. Im Jahr davor waren es noch knapp 20 Prozent. Auch in Europa insgesamt und in Nordamerika sank die Zahl der Führungswechsel. In Asien beobachten die Berater dagegen eine steigende Tendenz.

„Ein Chefwechsel gilt in Deutschland derzeit als ein eher zu vermeidendes Risiko“, erklärt Stefan Eikelmann, Sprecher der Geschäftsführung von Booz, die Ergebnisse der jüngsten Auswertung. Booz analysiert seit 1995 die Wechsel von Vorstandsvorsitzenden in den 2500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt. Von diesen installierten im vergangenen Jahr 361 einen neuen Chef, was einem Anteil von 14,4 Prozent entspricht. Die Nachfolger waren größtenteils Männer, lediglich vier Frauen zählte Booz. Wegen der vielen Wechsel in Asien ist die Fluktuationsrate auf internationaler Ebene binnen eines Jahres leicht gestiegen (2007: 13,8 Prozent).

„Der Druck auf die Aufsichtsräte ist gewachsen“

Dass die Wechselquote hierzulande deutlich über dem Durchschnittswert lag, führt Eikelmann auf die starke Rolle der Kontrollgremien zurück: „Der Druck auf die Aufsichtsräte ist gewachsen, schnell aktiv zu werden, wenn es Hinweise auf Missmanagement gibt.“ Überdurchschnittlich hoch lagen im vergangenen Jahr die Wechselquoten in der Finanzbranche. Von den knapp 600 untersuchten Finanzunternehmen auf der Welt tauschten 18 Prozent ihren Vorstandsvorsitzenden aus. In der Hälfte der Fälle wurden die Chefs dabei zum Rücktritt gezwungen. Im deutschsprachigen Raum errechneten die Berater für den Finanzsektor eine Rekordfluktuation von 20,8 Prozent.

Kam es zu einem Wechsel an der Unternehmensspitze, vertrauten die Aufsichtsräte auf erfahrene Köpfe. Rund 20 Prozent der nachrückenden Vorstandsvorsitzenden auf der Welt hätten zuvor schon einmal Erfahrung als Vorstandsvorsitzender gesammelt, doppelt so viele wie in den neunziger Jahren. Auch die Zahl der sogenannten Bumerang-Chefs nehme zu. Als Beispiel führt die Beratungsgesellschaft Howard Schultz von Starbucks an, der nach Jahren als Verwaltungsratsvorsitzender auch wieder das Tagesgeschäft der Kaffeehauskette übernahm.

Zwei Drittel im eigenen Unternehmen aufgebaut

Im deutschsprachigen Raum waren die nachrückenden Vorstandsvorsitzenden im vergangenen Jahr im Schnitt 48 Jahre alt – rund zwei Jahre jünger als ihre Vorgänger zu deren Amtsantritt. Zwei Drittel von ihnen wurden im eigenen Unternehmen aufgebaut. Die durchschnittliche Verweildauer eines Vorstandsvorsitzenden betrug hierzulande 5,5 Jahre. Das entspricht ungefähr dem Mittelwert der vergangenen sechs Jahre und ist laut Eikelmann „ausreichend lange“, damit das Führungspersonal seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. In Nordamerika belief sich die durchschnittliche Verweildauer auf 7,9 Jahre, so lange wie nie zuvor.

Vorstandsvorsitzende aus dem deutschsprachigen Raum, die von einem anderen Unternehmen auf den Spitzenposten wechselten („Outsider“), erzielten im vergangenen Jahr deutlich bessere Ergebnisse als so genannte „Insider“, die ihre Karriere innerhalb des Unternehmens begründeten. Im Schnitt erwirtschafteten Outsider für die Aktionäre 6 Prozent mehr Wert als Insider. Im Sechsjahresvergleich reduziere sich dieser Vorteil allerdings auf nicht einmal ein Prozent, schreibt Booz.

Wechselfälle werden drastisch zunehmen

Für das laufende Jahr rechnet Eikelmann nicht mit einer drastischen Zunahme der Wechselfälle, weil es sich bei der Weltwirtschaftskrise um einen externen Schock handele. „Wenn der Umsatz in einer bestimmten Branche um 35 Prozent einbricht, kann man sich kaum gleich vom Vorstandsvorsitzenden trennen, nur weil dessen Unternehmen vorübergehend 40 Prozent im Minus ist.“

Insgesamt bewegen sich die Wechselraten in den Chefetagen auf einem deutlich höheren Niveau als in den neunziger Jahren, als Zahlen im einstelligen Prozentbereich normal waren. Eine Rückkehr in diese Zeit hält Eikelmann für unwahrscheinlich. „Die Position eines Vorstandsvorsitzenden ist heute eine viel größere Herausforderung als damals, nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Ich kenne keinen, der weniger als 16 Stunden am Tag arbeitet. Das hält man nicht ewig durch.“

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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