01.07.2008 · Das Betriebsfest als Heiratsmarkt, das eigene Unternehmen als romantisches Revier: Der Flirt unter Kollegen ist in Deutschland zwar weniger verbreitet als in anderen Ländern. Dafür meinen es die Deutschen aber ernster mit dem Rendezvous am Arbeitsplatz.
Mit den lieben Kollegen verbringt man mehr Zeit als mit den meisten anderen Menschen. Dass es dabei nicht immer nur streng dienstlich zugeht, scheint kaum zu vermeiden zu sein. Der Flirt mit der Chefin, das Rendezvous mit dem großen Blonden aus dem dritten Stock bergen allerdings auch einigen Sprengstoff - nicht nur emotionaler Art. Davon lassen sich die deutschen Arbeitnehmer offenbar stärker beeindrucken als ihre Kollegen in anderen Ländern.
Eine Umfrage des Jobportals Career-Builder jedenfalls zeigt, dass nur 28 Prozent der in Deutschland Befragten sich auf eine Liaison am Arbeitsplatz einlassen würden. Damit sind die Deutschen die Schlusslichter in einer Rangliste, in der die Griechen mit einer Flirtbereitschaft von 66 Prozent führen. Dazwischen liegen die Niederländer (51 Prozent), Spanier (46 Prozent), Schweden, Briten und Amerikaner (je 40 Prozent). So gerne Griechen und Niederländern sich demnach auf ein Stelldichein unter Kollegen einlassen, so ungern sind sie bereit, daraus eine Sache fürs Leben werden zu lassen: Nur 5 beziehungsweise 4 Prozent können sich vorstellen, eine am Arbeitsplatz angebahnte Ehe zu schließen. Am heiratswilligsten sind in dieser Hinsicht Amerikaner (29 Prozent), Briten (21 Prozent) und Deutsche (19 Prozent).
Wo der Funke überspringt
A propos Ehe-Anbahnung: Ausgangspunkt für die Romanze am Arbeitsplatz ist in Deutschland am häufigsten das Betriebsfest. Auch in diesem Punkt unterscheiden sich die Nationen: Im Vereinigten Königreich, in Spanien und Griechenland springt der Funke öfter beim Feierabend-Bierchen über, Amerikaner und Niederländer lassen es eher beim zufälligen Treffen außerhalb der Arbeitszeiten knistern.
Andere genannte Hot-Spots sind der Betriebsausflug, die Geschäftsreise und die Mittagspause. Und auch die oft verfluchten Überstunden verfügen über erotisches Potential: 12 Prozent der befragten Deutschen räumten ein, dass sich aus dem Extra-Einsatz für das Unternehmen auch schon einmal ein privater Überschuss ergeben hat.
Turteln mit dem Vorgesetzten
Einen romantischen Sprung nach oben auf der Hierarchieebene, ein Date mit dem Vorgesetzten also, trauen sich der Umfrage zufolge vor allem spanische, niederländische und griechische Männer zu. In Deutschland, dem Vereinigten Königreich, in Schweden und den Vereinigten Staaten dagegen überwiegt der Anteil der Frauen, die schon ein Rendezvous mit einem Vorgesetzten hatten. Insgesamt liegt Spanien bei diesem Aspekt mit weitem Abstand vorn.
Zwischen Pyrenäen und Costa Brava fühlen sich die Arbeitnehmer auch besonders unbelastet durch die Liebe unter Kollegen: 77 Prozent haben den Eindruck, sie müssten eine Beziehung am Arbeitsplatz nicht geheim halten; toleranter geht es nur in den Niederlanden zu, wo diese Quote bei 93 Prozent liegt. Am diskretesten gehen die Schweden mit dem Büroflirt um, nur 57 Prozent halten ihn für nicht geheimhaltungsbedürftig. In Deutschland liegt diese Quote bei 70 Prozent.