http://www.faz.net/-gyl-76aq5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.02.2013, 14:10 Uhr

Karriere und Familie Arbeitgeber fordern mehr Kinderbetreuung

Familienpolitik müsse künftig viel stärker darauf ausgerichtet werden, Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können. Das fordern die deutschen Arbeitgeber in Reaktion auf ein kritisches Gutachten.

von und
© dapd Betreuung in der Kita: Bei weitem nicht allen Eltern, die sich einen Platz für ihr Kind wünschen steht einer zur Verfügung.

Die Arbeitgeber in Deutschland kritisieren die derzeitige Familienförderung als widersprüchlich. „Die heutigen Leistungen sind nicht aufeinander abgestimmt und widersprechen einander zum Teil sogar in der Zielsetzung“, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der F.A.Z. mit.

Philipp Krohn Folgen: Christoph Schäfer Folgen:

Wichtig sei, dass die Familienpolitik „künftig viel stärker darauf ausgerichtet wird, Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können“. Dazu müssten vor allem die Kinderbetreuung und Ganztagsschulangebote ausgebaut werden.

Reaktion auf kritisches Gutachten

Die Arbeitgeber reagieren damit auf einen Bericht des Magazins „Der Spiegel“, der aus kritischen Gutachten von Wissenschaftlern im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zitiert. Demnach führten viele familienpolitische Instrumente wie das Ehegattensplitting, das Kindergeld oder die kostenfreie Krankenversicherung für Ehepartner zu ungewollten Effekten - etwa am Arbeitsmarkt.

Die Wirksamkeit der Familienpolitik bemesse sich aber weder an diesem Ziel noch an einer Steigerung der Geburtenrate, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Sie ist daran zu messen, wie Eltern mit Kindern in diesem Land ihre Vorstellungen verwirklichen können.“ Die Förderung richte sich nach den Bedürfnissen von Familien und nicht nach politischen Zielen, sagte eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums.

Für den Arbeitsmarkt? Oder für die Familien?

„Wir reden nur darüber, was dem Arbeitsmarkt etwas bringt, aber nicht, was dem Kind oder der Familie etwas bringt“, sagte Dorothee Bär (CSU), die familienpolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion der F.A.Z.. Ein zentrales Ziel sei die wirtschaftliche Stabilität von Familien. Das Kindergeld sei - anders als von den Gutachtern behauptet - ein effektives Mittel der Armutsprävention: „Denn ohne finanzielle Hilfe ist kein Aufwachsen ohne Entbehrungen möglich.“

Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kritisiert, dass die Ziele der deutschen Familienpolitik nicht klar definiert und erst recht nicht priorisiert seien. Geschäftsführer Hans-Peter Klös sprach sich dafür aus, das Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting weiterzuentwickeln. In diesem Fall würde der finanzielle Vorteil mit der Zahl der Kinder steigen. Im derzeitigen Modell hingegen sei der Anreiz für eine größere Familie weniger ausgeprägt, weil das Ehegattensplitting nicht an Kinder geknüpft ist.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Maikundgebung Gewerkschafter nennen Ideen der AfD simpel und dumpf

Simpel und dumm, nennt ein Gewerkschaftsführer die Ideen der AfD. Neben der Flüchtlingskrise prägte aber auch die Rentendiskussion die Solidaritätskundgebungen. Mehr

01.05.2016, 14:58 Uhr | Wirtschaft
Krieg und Kunst Syrische Kinder geben ihren Nöten ein Gesicht

In Istanbul zeigt eine Ausstellung Kunstwerke von 16 jungen Kriegsflüchtlingen. Zusammen mit Ihren Familien sind sie vor Krieg und Gewalt aus ihrer syrischen Heimat in die Türkei geflohen. Mehr

20.04.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Öffentlicher Dienst Gewerkschaften drohen mit Streik-Eskalation

In Potsdam werden die Tarifverhandlungen fortgesetzt. Im Vorfeld wurde Kritik an den Streiks laut. Diese seien unverhältnismäßig, so Politik und Arbeitgeber. Doch die Gewerkschaften machen weiter Druck. Mehr

28.04.2016, 11:26 Uhr | Wirtschaft
Modellprojekt Flüchtlinge erfolgreich durch Arbeit integrieren

Wie kann Integration funktionieren? Durch Arbeit – wie das Beispiel Mohammad Haiqar zeigt. Mohammad ist einer von vielen Flüchtlingen, die durch ein Modellprojekt der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in den deutschen Arbeitsmarkt integriert wurden. Mehr

07.04.2016, 17:15 Uhr | Wirtschaft
Obama auf der Hannover Messe Die Welt braucht nicht noch mehr Mauern

In Hannover appelliert Barack Obama an das historische Bewusstsein der Deutschen und Europäer. Als Kämpfer für die Freiheit müssten sie die Gefahr der Ausgrenzung und des Rassismus bannen. Mehr

25.04.2016, 13:07 Uhr | Wirtschaft

Gründen für vegane Hipster Für gute Pizza verzichten sie auf 150.000 Euro im Jahr

Matthias Kramer und Marc Schlegel wollten eigentlich eine Dating-App herausbringen. Warum sie statt dessen ein Unternehmen für veganen, glutenfreien und kalorienarmen Pizzateig gegründet haben. Mehr Von Jonas Jansen 6 11