27.08.2008 · Die Deutsche Post ist mit einer halben Million Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Welt. Personalvorstand Walter Scheurle fordert: Logistik-Studiengänge müssen besser werden.
Die Logistikbranche beklagt zu wenig akademischen Nachwuchs. Spürt das auch die Deutsche Post?
Auch bei uns sind die Bewerberzahlen seit einigen Jahren rückläufig. Im Vergleich zu 2004 sind sie in Schlüsselfunktionen wie der Informationstechnik und dem Einkauf um 20 bis 30 Prozent gesunken. Wir spüren den Wettbewerb um die besten Köpfe und merken, dass auch andere Unternehmen attraktive Angebote machen. Aber es gibt dennoch keine Engpässe bei der Stellenbesetzung.
Welche Studienrichtungen sind besonders gefragt?
Etwa 60 Prozent der akademischen Neueinsteiger kommen aus einem betriebswirtschaftlichen Fach. Weitere Schwerpunkte sind Wirtschaftsinformatik und Ingenieursfächer.
Warum interessieren sich nicht mehr junge Leute für die Logistik?
Viele haben keine Vorstellung davon, welche Chancen und Herausforderungen die Logistik bietet. Wir wollen die Zielgruppe für unser Unternehmen begeistern, zum Beispiel durch Veranstaltungen an den Hochschulen und Praktika. Dazu dient auch das im Mai gestartete Online-Planspiel Discover Logistics. Mehr als 8000 Spieler haben schon teilgenommen.
Welches Profil hat der ideale Kandidat für eine Führungsposition?
Er hat schnell und überdurchschnittlich erfolgreich studiert, bringt erste praktische Erfahrungen, möglichst auch aus dem Ausland mit, und spricht neben Deutsch mindestens sehr gut Englisch. Genauso entscheidend ist das Kulturprofil: kundenorientiertes Denken, die Fähigkeit, in multikulturellen Teams zu arbeiten, Flexibilität und Eigenverantwortung. Logistik ist eine Dienstleistungsbranche, und darin kommt es für den Erfolg sehr darauf an, mit Menschen umgehen zu können.
Und warum soll sich so ein Traumkandidat für die Post entscheiden?
Weil wir ihm die Chancen eines international aufgestellten und zukunftsfähigen Unternehmens mit einer halben Million Beschäftigten und spannenden Arbeitsfeldern bieten. Wir erwarten viel, aber unsere Mitarbeiter können auch viel von uns erwarten. Damit meine ich nicht nur eine vernünftige Bezahlung, sondern auch attraktive Karriereprogramme, Weiterbildung und internationale Einsatzorte.
Mit welcher Bezahlung können Einsteiger rechnen?
Trainees kommen, abhängig von der individuellen Leistung, mit variablem Gehaltsanteil auf etwa 40.000 Euro im Jahr. Damit liegen wir im oberen Drittel der deutschen Logistikunternehmen. Direkteinsteiger können je nach Einstiegsposition mit 42.000 bis 45.000 Euro rechnen, wiederum inklusive der variablen Bestandteile.
Liefern die Hochschulen die richtigen Absolventen für die Logistikbranche?
Einiges muss sich noch ändern. Daran arbeiten wir im Dialog mit den Hochschulen. Die Studiengänge passen nicht immer zu den Anforderungen, mitunter fehlt der Praxisbezug. Wir brauchen nicht nur wissenschaftliche Talente. Wir brauchen auch Leute, die teamfähig sind und Konflikte lösen können.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Berufsakademien?
Die Post bietet Abiturienten ein dreijähriges Bachelor-Studium mit abwechselnden Phasen an einer Berufsakademie und im Unternehmen an. Zurzeit haben wir 260 Studenten in Fächern wie Wirtschaftsinformatik, Spedition/Logistik, Rechnungswesen und Controlling, Wirtschaftsingenieurswesen oder Marketing. Das Modell kombiniert ein wissenschaftliches Studium mit praxisorientierter Ausbildung im Konzern. Die Vergütung beginnt mit 920 Euro im ersten Jahr und klettert im dritten Studienjahr auf 1028 Euro.
Kommt das Traineeprogramm an?
Für das neue konzernweite Programm, das mit knapp 20 Teilnehmern Anfang Oktober startet, gab es mehr als 1000 Bewerbungen von Hochschulabsolventen und jungen Berufsanfängern. Das Programm dauert 18 Monate, darunter sechs Monate im Ausland. Neben Operations, Marketing&Sales, Personalwesen und Einkauf haben wir auch die Fachbereiche Informationstechnik und Finanzen aufgenommen. Traineeprogramme gibt es in fast allen Unternehmensbereichen als Einstiegsoption. Insgesamt haben wir mehr als 150 Trainees in der ganzen Welt.
Was bietet ein Praktikum?
Auf jeden Fall einen tiefen Einblick in unser Geschäft und häufig anschließend eine Festanstellung. Seit vielen Jahren organisieren wir gemeinsam mit AIESEC, der größten internationalen Studentenorganisation, den Einsatz von internationalen Praktikanten. Von den mehr als 100 Studierenden, die im vorigen Jahr einen Praktikumsplatz in unserem Konzern bekamen, wurden anschließend gut 60 Prozent fest angestellt. Auch MBA-Studierende sind als Praktikanten willkommen. Sie laufen bei uns nicht irgendwie mit, sondern übernehmen für drei bis sechs Monate qualifizierte Aufgaben. Betreut von einem Bereichsleiter, werden sie sowohl in das operative Geschäft als auch in anspruchsvolle strategische Projekte aktiv eingebunden. Uns verhelfen die MBA-Studierenden zu einem Blick über den Tellerrand.
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