21.10.2009 · 16 Arztstellen zu besetzen hat im Lübbener Rehazentrum Jahre gedauert. Geschäftsführer Jan Bücher hat es sogar mit vierstelligen Werbeprämien versucht. Erfolg hatte er aber schließlich mit einem anderen Ansatz.
Sie haben reihenweise Preise und Auszeichnungen bekommen in der Kategorie bester Arbeitgeber. Rennen Ihnen die Bewerber also die Tür ein?
Was etwa Physio- oder Ergotherapeuten angeht, ist das in der Tat so. Da müssen wir leider vielen Kandidaten auch absagen. Mit Ärzten ist das allerdings ganz anders. Da müssen wir um jeden kämpfen.
Sind Sie noch auf Suche?
Nein, zum Glück sind alle 16 Planstellen jetzt besetzt. Aber nach einem Facharzt für Innere Medizin haben wir drei Jahre lange gesucht.
Warum will niemand zu Ihnen?
Lübben ist landschaftlich herrlich gelegen im Spreewald. Aber nach Berlin und Dresden beträgt die Fahrtzeit mit dem Auto jeweils rund eine Stunde. Das ist vielen schlicht zu weit.
Aber Therapeuten und Pfleger nehmen den Weg doch auch auf sich!
Davon gibt es am Arbeitsmarkt auch noch keinen Mangel. Die jungen mobilen Ärzte dagegen wollen lieber irgendwo in der Stadt arbeiten, da spielt dann auch das Kulturangebot eine wichtige Rolle.
Liegt es vielleicht daran, dass Sie nicht genügend gesucht haben?
Von wegen, aber die klassischen Anzeigen bringen heute nicht mehr viel. Wenn, dann müssen Sie schon einen Headhunter beauftragen, was ziemlich teuer werden kann . . .
Wie teuer?
Der nimmt erst mal 5000 Euro, damit er überhaupt anfängt. Und wenn es zum Abschluss kommt, will der noch mal bis zu einem Viertel des Jahresgehalts des Arztes als Provision.
Dann könnten Sie das Geld doch dem neuen Arzt auch gleich als "Begrüßungsgeld" in die Hand drücken.
Ja, wir haben auch eine Werbeprämie von einem halben Monatsgehalt ausgelobt. Einmal hat eine Mitarbeiterin tatsächlich auch eine Ärztin mitgebracht, die nach der Erziehungszeit wieder in den Beruf zurückwollte.
Das ist aber auch eher eine dürre Ausbeute . . .
. . . aber es zeigt, worauf es ankommt. Natürlich fragen Bewerber nach dem Gehalt, das ist normal. Aber für viele steht die Vereinbarkeit mit dem Privatleben auch ganz oben. Und darauf haben wir reagiert. Wir kommen unseren Mitarbeitern, nicht nur den Ärzten, so weit es geht, entgegen.
Wie sieht das aus?
Wenn Mütter zurückkommen, dann wollen sie meistens nur 15 bis 20 Stunden in der Woche arbeiten. Drei Ärzte wiederum kommen jeden Tag aus Berlin. Von denen verlange ich wiederum nicht, dass sie immer pünktlich um 7.30 Uhr auf der Matte stehen. Das geht alles, auch wenn deutlich mehr Phantasie für die Dienstpläne gefragt ist.
Flexible Dienstzeiten bieten heute aber doch schon viele Arbeitgeber.
Wir machen noch viel mehr. Drei Ärzte haben einen Dienstwagen, drei weitere werden bald einen bekommen. Außerdem zahlen wir einen Kindergartenzuschuss von 25 Euro je Kind und haben uns vor Ort Belegrechte in einem privaten Kindergarten mit sehr flexiblen Zeiten gesichert. Denn einer Krankenschwester im Dreischichtbetrieb nutzen Betreuungszeiten von 8 bis 15 Uhr nicht viel. So kann ich sagen: Kommen Sie zu uns, für Ihr Kind ist gesorgt. Wir haben auch ein systematisches Gesundheitsmanagement. Alles Dinge, die unseren Mitarbeitern zeigen, dass sie uns wichtig sind. Dann geben sie es einem auch zurück. Das muss man heutzutage als Arbeitgeber einfach begreifen.
Was haben Sie noch in der Hinterhand?
Als eine Mitarbeiterin vor zwei Jahren Drillinge bekam, haben wir ihr eine Zeitlang die Windeln gesponsert. Das Programm werden wir bald ausweiten: Dann gibt es zwei Jahre lang kostenlose Windeln für alle.