21.11.2007 · Annette Zimmermann besitzt eine Apotheke in Mönchengladbach. Sie hat 13 Angestellte. Das erfordert medizinisches wie betriebswirtschaftliches Wissen. Allen verbreiteten Klagen zum Trotz würde sie diesen Beruf wieder wählen.
Frau Zimmermann, Doc Morris macht den Apothekern das Leben schwer, es gibt viel Konkurrenz, die Erträge stehen unter Druck. Würden Sie heute noch einmal Pharmazie studieren?
Auf jeden Fall. Das ist ein interessantes Studium mit vielen Facetten. Und man ist später im Beruf eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die Fragen zu ihrer Gesundheit haben. Das ist eine schöne Aufgabe.
Manche sagen, Sie zögen nur Schubladen auf und reichten das Medikament aus, das der Arzt aufgeschrieben hat.
Das stimmt mit der Realität des Berufs nicht überein. Wir sind wichtige Partner des Patienten und des Arztes. Wir müssen Hinweise zur Wirkung von Medikamenten und Antworten auf die Fragen der Patienten geben. Bei gesetzlichen Änderungen müssen wir die Patienten beraten, warum sie zum Beispiel jetzt das Medikament X und nicht mehr Y bekommen. Zudem müssen wir uns überlegen, was die Reformen für unsere Lagerhaltung bedeuten. Das ist alles in allem eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit.
Und manchmal unangenehm, weil man attackiert wird?
Natürlich bekommen wir manchmal auch Unmut der Patienten zu spüren. Dann sind kommunikative Fähigkeiten gefragt.
Müssen Sie Ihren Kunden Gummibärchen oder Haarshampoo andrehen, um betriebswirtschaftlich überleben zu können?
Die rezeptpflichtigen Medikamente spielen nach wie vor die Hauptrolle. Aber es ist immer wichtiger, unterstützende Produkte aus Bereichen wie alternative Heilmethoden, Hautpflege oder Ernährung anzubieten. Das erwarten die Kunden auch zunehmend.
Muss man dafür Zusatzqualifikationen erwerben?
Dazu rate ich, denn das ist ein echtes Differenzierungsmerkmal. Ich habe zum Beispiel eine Weiterbildung für klinische Pharmazie sowie für Homöopathie und Naturheilkunde gemacht. Das sind Ausbildungen über drei Jahre mit einer Abschlussprüfung.
Reicht das aus, um gegen die Konkurrenz zu bestehen?
Es hilft, und es ist ein wichtiger Teil der fachlichen Kompetenz als erste Voraussetzung für den Erfolg der einzelnen Apotheke. Genauso wichtig ist aber auch: Der Kunde muss König sein. Deshalb bieten wir Serviceleistungen an wie Vorträge oder einen Botendienst.
Es heißt stets, nur Ketten aus mehreren Apotheken brächten die erforderlichen Größenvorteile.
Ich denke, die inhabergeführte Apotheke hat sich bewährt und hat auf jeden Fall Zukunft. Jede Apotheke muss natürlich effizient und kostenbewusst arbeiten. Der Vorteil des Inhaberbetriebs ist aber die persönliche Betreuung des Kunden und Patienten. Ich bin gerne vor Ort, pflege die Beziehung zu meinen Stammkunden. Als Apotheker begleitet man manchen Kunden über viele Jahre.
Ist das Berufsbild des Apothekers eher eines für Männer oder eines für Frauen?
Er ist jedenfalls ein sehr schöner Beruf für Frauen. Kommunikative Kompetenz ist besonders gefragt. Und es gibt viele Teilzeitstellen, das ist praktisch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Ersticken Sie eigentlich auch in Bürokratie, wie es die Ärzte beklagen?
Der Aufwand nimmt auf jeden Fall zu. Bei manchen Vorschriften fragt man sich schon, ob Aufwand und Nutzen noch im richtigen Verhältnis stehen.
Wie beurteilen Sie den Arbeitsmarkt?
Der Bedarf ist da, die Chancen auch. Gutes Personal ist schwierig zu finden und entsprechend begehrt.