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Freitag, 17. Februar 2012
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Interview David der Personaler-Szene bündelt seine Kräfte

11.10.2007 ·  An diesem Donnerstag formiert sich die „Initiative fortschrittliche Personalarbeit“ - Revolution unter Personalmanagern, die ihre Profession öffentlich schlecht vertreten fühlen. Thomas Reinhold interviewt die Initiatoren.

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An diesem Donnerstag formiert sich beim zweitägigen „Zukunftsforum Personal“ in München die „Initiative fortschrittliche Personalarbeit“ - Revolution unter Personalmanagern, die ihre Profession öffentlich schlecht vertreten fühlen.

Die Initiative „Wege zur Selbst GmbH“, ein Personaler-Netzwerk, das sich seit jeher als Allianz für fortschrittliche Personalarbeit versteht, verstärkt ihre Zusammenarbeit mit dem „Goinger Kreis“, Think Tank für Personalvorstände und Personalbereichsverantwortliche, und dem Münchener Bildungsforum, einem Netzwerk für Weiterbildung und Personalentwicklung.

Auch wenn es die Initiatoren nicht so formulieren: Der Kongress ist eine Kampfansage an die etablierte Deutsche Gesellschaft für Personalführung. Die DGFP sei behäbig, sagen manche, vor allem die älteren Männer hätten dort das Sagen: Interview mit Thomas Sattelberger, Vorsitzender der Selbst-GmbH und Personalvorstand der Deutschen Telekom sowie Karl-Heinz Stroh, Mitglied im Goinger Kreis und Personalvorstand der DB Netz AG in Frankfurt.

Durchstarten statt überflüssig werden, so lautet der Untertitel des Zukunftsforums Personal: Sehen Sie die Profession der Personaler bedroht?

Sattelberger: Nicht vom Aussterben bedroht, ich sehe jedoch einen Bedeutungsverlust des Personalmanagements, ähnlich dem des Marketings. In einem Teil der Unternehmen rückt ihre Funktion ins zweite oder dritte Glied. Ich habe die Sorge, dass das Premium-Segment der Personalfunktion nicht ausreichend stark und schnell wächst, um die häufig vollmundigen Versprechen auf gute strategische Personalarbeit einlösen zu können. Außerdem sehen viele Geschäftsleitungen die Personalabteilung nur als administrative Service-Funktion, voller Vorurteile begreifen sie den Wert der Personalarbeit nicht.

Stroh: Es gibt Indizien für die Bedrohung. In etlichen Unternehmen ist die Top-Personalfunktion nicht - oder nicht mehr - im Vorstand besetzt; und wenn, dann oft nicht mit Personalprofis. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, den Finanzvorstand mit einem Fachfremden zu besetzen. Wir müssen wohl besser sichtbar machen, was unsere spezifischen Beiträge zur Unternehmensentwicklung sind.

Wie haben sich Selbst GmbH, Goinger Kreis und Münchener Bildungsforum gefunden?

Sattelberger: Wir haben seit mehr als zwei Jahren Gespräche über eine lockere Zusammenarbeit. Es ist Vertrauen entstanden, wir haben uns wechselseitig davon überzeugt, dass wir in unseren jeweiligen Bereichen fortschrittliche Ideen verfolgen, ohne uns in die Quere zu kommen.

Was verbindet Sie?

Stroh: Vor allem der Wunsch, unserer Profession eine deutlicher hörbare Stimme in der Öffentlichkeit zu geben. Außerdem halten wir die strategische Personalfunktion für betriebswirtschaftlich notwendig in den Unternehmen, es geht um mehr als nur isolierte Betrachtung von Tarifpolitik oder Personalentwicklung.

Sattelberger: Wir wollen innovativ miteinander arbeiten. Wir haben eine ähnliche Netzwerkkultur, wir sind nicht verbandsduselig oder an Hierarchien orientiert, wie andere Fachorganisationen.

Wollen Sie sich eine gemeinsame Dachorganisation geben?

Sattelberger: Nennen wir es ein Dachnetzwerk, Einheit in Vielfalt. Wir bilden die „Initiative fortschrittliche Personalarbeit“, in der die Vorstände der drei Organisationen repräsentiert sind.

Stroh: Es geht jetzt darum zu zeigen, was uns einzeln auszeichnet und wie wir es schaffen, dass aus 1+1+1 mehr als 3 wird.

Wie lässt es sich organisieren, dass Strategiedebatten im Personalmanagement nicht immer nur auf Vorstandsebene stattfinden?

Stroh: Wenn Strategien nur in Unternehmenszentralen entwickelt werden,dann erkennt man oft die fehlende Verdrahtung mit dem operativen Geschäft. Die Debatte über den demographischen Wandel und seine Auswirkungen in den Betrieben zum Beispiel wird oft abstrakt auf Stäbe-Ebene geführt ohne dem Management auch Lösungen aufzuzeigen. Dabei wollen wir unabhängig von ihrer Hierarchie möglichst viele Personalprofis einbinden. Dies gilt natürlich insbesondere auch für den unternehmensübergreifenden Austausch von Erfahrungen.

Sattelberger: Bei uns in der Selbst GmbH gibt es zum Beispiel Personalchefs, die machen gar nicht erst deutlich, dass sie Chefs sind, damit sie ohne hierarchische Umschweife gleich in die Sachdebatte kommen. Die jungen Personalprofis haben oft originellere Gedanken als wir alten Hasen, wir müssen also gut zuhören können.

Herr Sattelberger, was stört Sie eigentlich an der Deutschen Gesellschaft für Personalführung?

Das sind mehrere Punkte. Erstens, dass sie zu wichtigen politischen Themen keine Stellung bezieht, zum Mindestlohn oder Hartz IV etwa. Ich halte es für ganz wichtig, dass sich eine Fachorganisationen äußert und nicht nur die Arbeitgeberverbände. Das ist ein wesentlicher Grund, warum wir unsere Initiative gründen wollen, um der Personalfunktion öffentlich Stimme und Gesicht zu geben. Zweitens pflegen wir keine hierarchische Organisation und Arbeitsweise: Hier sitzen die Personalvorstände der Konzerne, dort die Referenten der kleineren Unternehmen. Drittens gibt es von dort kaum Impulse zur innovativen Weiterentwicklung der Profession.

Auf welche Außenwirkung setzen Sie mit Ihrem Kongress?

Stroh: Unternehmensführer sollen sehen, dass wir unternehmerische Impulse setzen und eben nicht Nabelschau des Personalwesens betreiben. Es geht um den Wertbeitrag der Personalprofis zum Unternehmenserfolg - und das wird nicht mit einem einzigen Kongress getan sein.

Sattelberger: Wir wollen zeigen, dass wir immer mehr werden. Es gib einen David in der Personaler-Szene, der seine Kräfte sammelt. Wir bringen immerhin 350 Leute zusammen. Wir erhoffen uns eine Stärkung unseres Gemeinschaftsgeistes und dann auch neue Mitglieder.

Warum gibt es denn so wenige profilierte, prominente Personalmanager in Deutschland?

Sattelberger: Viele Personalmanager sind ausschließlich auf ihr Unternehmen ausgerichtet. Ihr Rückzug auf das engste Kerngeschäft macht sie im Betrieb vielleicht stark, aber darüber hinaus schwach. Aber es gehört natürlich Courage dazu, sich öffentlich zu positionieren, auch unter den Top-Managern sind nur wenige bereit, sich blaue Flecken zu holen.

Wird der Kongress das ändern können?

Stroh: Wir arbeiten daran. Es ist wichtig, etwas kantiger zu sein, um das Gesicht des Personalmanagements im Unternehmen deutlicher wahrnehmbar zu machen. Die Frage danach, ob man überflüssig ist, würde ein Finanzvorstand nie führen. Immer noch werden junge Akademiker gefragt, warum in aller Welt sie denn ins Personalmanagement streben. Darauf gibt es eine klare Antwort: Weil es eine , gestaltende Funktion ist. Das zeigt sich aber nur, wenn Sie über Wertbeiträge zur Unternehmensentwicklung reden und nicht darüber, ob sie im Unternehmen wahrgenommen werden oder nicht.

Die Fragen stellte Thomas Reinhold

Quelle: F.A.Z.
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