01.07.2010 · Fachübergreifendes Wissen ist zunehmend gefragt, findet Christoph Straub, Vorstand des Bereichs Ambulante/Stationäre Integration des Klinikkonzerns Rhön. Deshalb beschäftigt er in seinem Team einen Biologen, einen Theologen, Betriebswirte, Volkswirte und Mediziner.
Von Holger AppelDer Vater Arzt, die Mutter Ärztin, und alle Verwandten der älteren Generation sind auch Mediziner. Was lag da näher, als dass Christoph Straub ins selbe Fach einsteigt. Nun aber steht der freundliche Mann nicht am OP-Tisch im Kreiskrankenhaus, sondern sitzt in einem dieser nüchternen Besprechungsräume in einem Hinterhaus in der Innenstadt von Wiesbaden. „Rhön-Klinikum, Geschäftsbereich I“ steht am Klingelschild.
Hinter der unscheinbaren Fassade verbirgt sich nicht weniger als ein Teil des privaten Klinikbetreibers Rhön mit fast 37.000 Mitarbeitern. Straub führt den Bereich Ambulante/Stationäre Integration, Qualitätsmanagement und Medizinerweiterbildung.
Er ist der erste Arzt im Vorstand des Klinikkonzerns, war zuvor in der Techniker Krankenkasse stellvertretender Vorstandsvorsitzender und davor im Verband der Ersatzkassen tätig - mithin der leibhaftige Seitenwechsler. Warum verlässt jemand, der gute Chancen auf den Vorstandsvorsitz einer großen Ersatzkasse hat, das Unternehmen und wechselt in einen Klinikkonzern? „Ich habe in der Tat die Sicherheit aufgegeben und mich in etwas Neues gestürzt. Mich reizt die Mission von Rhön, die lautet: Wir behandeln alle Menschen wohnortnah und gleich gut“, sagt Straub.
Schnittstelle von ambulanter und stationärer Medizin
An der Schnittstelle von ambulanter und stationärer Medizin sieht er erhebliches Potential, er sucht eine Antwort, wie man sinnvoll mit den Investitionen in die teuerste aller Ausbildungen umgehen und eine, wie der Medizinbetrieb stärker auf Work-Life-Balance und weg von der strikten Abteilungshierarchie ausgerichtet werden kann.
Bei der Lösung dieser Fragen setzt Straub auch in seinem Leitungsteam auf interdisziplinäres Fachwissen. Er beschäftigt einen Biologen, einen Theologen, Betriebswirte, Volkswirte und Mediziner. „Die Welt wird immer vielfältiger, und wir brauchen diese Vielfalt, den unterschiedlichen Erfahrungshintergrund, wenn wir Kreativität erhalten und schnelle Entscheidungen möglich machen wollen. Das bringt Fortschritt“, sagt er.
Privat setzt sich seine Vorliebe für Vielfalt fort, auch wenn sie dort mangels Zeit zu einem Projekt jenseits des Berufslebens wird: „Ich habe zu Hause geschätzt 1500 bis 1800 Bücher angehäuft. Die warten auf einen neugierigen Leser.“
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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