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Veröffentlicht: 24.09.2014, 11:35 Uhr

Werften Krisenbranche mit sicherem Arbeitsplatz


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Wer diese Studiengänge mit einem Bachelor oder Master absolviert und eine ordentliche Abschlussnote schafft, hat am Arbeitsmarkt gute Chancen. Jakob Rudolf startete zunächst bei der Lürssen-Gruppe, einem Wettbewerber von Nobiskrug mit sieben Standorten in Norddeutschland, wechselte dann aber recht schnell zu seinem heutigen Arbeitgeber. Als Kind habe er eigentlich Architekt werden wollen, erzählt er auf dem Weg über die Werft. Seine Mutter ist Malerin, sein Vater Bildhauer, und auch ihn zog es in jüngeren Jahren ein wenig in die künstlerische Ecke.

Techniker erschaffen Kunstwerke

Dass er nun im Schiffbau gelandet ist, findet er trotzdem gut. Vor allem Luxusyachten seien regelrechte Kunstwerke. Und mit dem Ingenieurstudium habe er einen sehr soliden Abschluss in der Tasche. Dass ein großer Teil der europäischen Schiffbauindustrie seit Jahren in einer schweren Strukturkrise steckt, macht ihn nicht nervös. „Davon bekommt man im Tagesgeschäft kaum etwas mit“, sagt er.

Tatsächlich ist Nobiskrug recht gut ausgelastet. Die Werftengruppe hat insgesamt drei Standorte in Rendsburg und Kiel und gehört zur arabischen Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar. Momentan stehen Aufträge im Wert von rund 700 Millionen Euro in den Büchern, damit ist die Beschäftigung fürs Erste gesichert. Dennoch bekommt auch Nobiskrug die schwere Branchenkrise zu spüren.

Brutaler Wettkampf mit Asien

Der Wettbewerb im Schiffbau rund um den Globus ist brutal. Asiatische Rivalen saugen nahezu alle Aufträge für große Handelsschiffe auf. Zwar bleibt den technologisch gut aufgestellten Schiffbauern in Deutschland noch der Bau teurer und komplizierter Spezialvehikel, zum Beispiel von Bauschiffen für die Öl- und Gasindustrie, Eisbrechern oder eben Luxusyachten wie jenen, die Nobiskrug produziert.

Doch auch in diesen Geschäftsfeldern wird der Wind rauher. Trotz erheblicher öffentlicher Bürgschaften haben in den vergangenen fünf Jahren allein in Deutschland acht Werften und eine Reihe von Zulieferbetrieben Insolvenz angemeldet. Dies schlägt sich auch in der Zahl der Beschäftigten nieder: Insgesamt arbeiten in Deutschland noch rund 17 000 Menschen in den Werften, etwa 6000 weniger als noch vor zehn Jahren. Große Arbeitgeber sind die Meyer Werft in Papenburg, Blohm + Voss in Hamburg oder die Nordic Yards in Wismar und Warnemünde.

Für gut ausgebildete Ingenieure bietet die Branche dennoch interessante Perspektiven: „Die Aussichten sind gut“, sagt Wolfgang Fricke, der an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) Schiffbau lehrt und die beiden Masterstudiengänge der Uni in diesem Feld koordiniert. Von seinen Absolventen kenne er kaum jemanden, der Probleme mit dem Berufseinstieg gehabt habe. Im Gegenteil: „Viele Unternehmen in der Branche suchen händeringend nach guten Ingenieuren“, sagt er.

Konzentration auf Spezialschiffe

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Je stärker die deutschen und europäischen Werften sich auf den Bau von Spezialschiffen konzentrieren, umso größer wird der Anteil von Ingenieuren an einzelnen Projekten. Ein kompliziertes Kranschiff für den Bau von Offshore-Windparks braucht eben mehr Planung und Gehirnschmalz als ein Containerschiff von der Stange.

Dieser Trend wird sich in Zukunft noch verstärken. Denn angesichts des Auftragsmangels im klassischen Schiffbau stoßen einige Werften auf immer abenteuerlicheres Terrain vor. Beispielhaft dafür stehen die Nordic Yards. Sie bauen gewaltige Umspannstationen für Windparks auf dem offenen Meer, die mit der eingebauten Technik an Bord etwa eine Milliarde Euro pro Stück kosten.

Aufbau von breitem Fachwissen

Für solche Aufträge brauchen die Firmen Spezialisten, die sich nicht nur mit Schiffbau auskennen, sondern auch solide Kenntnisse in der Elektrotechnik und im Maschinenbau mitbringen. Seinen Studenten rät Fricke deshalb, sich auch im Schiffbaustudium nicht zu stark zu spezialisieren, sondern ein möglichst breites Fachwissen aufzubauen.

Jakob Rudolf macht sich jedenfalls keine Sorgen um seine berufliche Zukunft. Die Arbeit auf der Werft macht ihm Spaß. Und sollte er doch einmal einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen, komme er sicher auch in anderen Branchen gut unter, glaubt er. Zum Beispiel im Flugzeugbau: Auch dort sind die Fähigkeiten der Schiffbauer gefragt.

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