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Ingenieure „Freunde fester Strukturen“

 ·  Für Auslandssemester nehmen sich die wenigsten Ingenieure Zeit. Müssen sie auch nicht, sagt der Personalberater Michael Faller. Die Mobilität kommt mit dem Berufsleben.

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Herr Faller, wie mobil sind Ingenieure?

Wenn es um die Frage geht, ob Ingenieure bereit sind, für eine neue Stelle umzuziehen, beobachten wir zwei Dinge. Einerseits nimmt die Bereitschaft von in Ostdeutschland ausgebildeten Absolventen zu, nach Westdeutschland abzuwandern. Von zehn Absolventen bleiben nur sechs in den ostdeutschen Bundesländern. Da gibt es einen innerdeutschen Braindrain in Richtung süddeutsche Flächenländer. Andererseits beobachten wir jedoch, dass die Bereitschaft der Ingenieure insgesamt abnimmt, für die Karriere den Wohnort zu wechseln. Wir reden aber auch über eine Berufsgruppe, die sich schon länger in einem sehr günstigen Marktumfeld bewegt. Viele haben es angesichts der hohen Nachfrage der Unternehmen nicht nötig, sich örtlich zu verändern.

Ingenieure sind schon während des Studiums wahre Stubenhocker. Nur jeder sechste sammelt Erfahrungen im Ausland. Woran liegt das?

Das kann mit der Erwartungshaltung und den positiven Berufsaussichten zusammenhängen. Mein Eindruck ist, dass Absolventen eines technischen Studiengangs eher Freunde von festen Strukturen sind und ihr Studium gerne rasch durchziehen. Allerdings ändert sich das für viele Ingenieure, wenn sie dann mal im Beruf stehen. Ein Verfahrensingenieur im Bereich Anlagenbau etwa weiß genau, dass von ihm ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität erwartet wird.

Von Betriebswirten oder Juristen wird erwartet, dass sie zur ersten Bewerbung mit reichlich Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnissen aufwarten. Warum spielen diese Fähigkeiten keine große Rolle für einen Ingenieur, der vielleicht später mal den Bau eines Kraftwerks in Asien leiten soll?

An Englisch führt heute bei Ingenieuren kein Weg mehr vorbei. Auch der deutsche Mittelstand hat heute umfangreiches internationales Projektgeschäft. In einigen Fällen nimmt ein Arbeitgeber aber wohl mangelnde Sprachkenntnisse und fehlende Auslandserfahrung in Kauf, wenn er dafür nur die gewünschten Fachqualifikation bekommt. Was fehlt, lernt der Ingenieur dann im Beruf.

Ein Argument, das in der Regel die Mobilität in allen Berufsgruppen fördert, ist eine bessere Vergütung. Wie sind die Verdienstaussichten von Ingenieuren?

Sowohl erfahrene Ingenieure als auch Berufseinsteiger profitieren auch 2012 stark vom für sie günstigen Arbeitsmarkt. Die Ingenieurlücke wird nach unserer Beobachtung eher größer als kleiner. Die höchsten Gehälter werden in der Chemie- und Pharmaindustrie erzielt, gefolgt von der Automobilindustrie und dem Anlagen- und Maschinenbau. Vergleichsweise niedrig sind die Gehälter im Baugewerbe und in den Planungsbüros, obwohl es auch hier seit 2011 einen Zuwachs gab. Bei den Absolventen sehen wir, dass bei den Einstiegsgehältern zwischen Diplom und Masterabschluss so gut wie kein Unterschied mehr gemacht wird.

Wie hoch fallen die durchschnittlichen Verdienste aus?

Bei Berufseinsteigern reden wir über 43 000 bis 45 000 Euro Jahresbrutto über alle Ingenieurgruppen hinweg. Das dürften 3 bis 4 Prozent mehr sein als 2011. Für Berufserfahrene liegen wir im Maschinen- und Anlagenbau im Durchschnitt bei 60 000 Euro im Jahr, in der Pharmaindustrie bei annähernd 70 000 Euro.

Wie passen das Stellenangebot an und die Nachfrage nach Ingenieuren innerhalb Deutschlands zusammen?

Generell ist die Nachfrage in den industriell starken Flächenländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen am stärksten. Gesucht werden am häufigsten Maschinenbauer, Fahrzeugbauer und Elektroingenieure. Natürlich können die benötigten Ingenieure nicht alle vor Ort ausgebildet werden. Da muss das Gesamtangebot stimmen.

Also das Geld?

Nicht unbedingt. Ingenieure gelten nicht als solche Gehaltsoptimierer wie Banker oder Juristen. Wenn Ingenieure mal die Schwelle von knapp 70 000 Euro im Jahr erreicht haben, rücken nach unseren Erfahrungen vor allem zwei andere Kriterien in den Mittelpunkt: Wie anspruchsvoll ist meine Arbeit, und wie attraktiv ist mein Arbeitsumfeld? Wenn die Aufgabe spannend ist, dann steigt auch die Wechselbereitschaft.

Auch die Bologna-Reform sollte die Mobilität fördern und schneller Absolventen in die Unternehmen bringen. Kommt der Bachelor bei den Kunden an?

Nein, gerade im Mittelstand gibt es eine hohe Skepsis gegenüber dem Bachelor. Man hört noch oft die Frage, warum man ein international anerkanntes Qualitätssiegel wie den Diplomingenieur abgeschafft hat. Viele Unternehmen müssen in die weitere Ausbildung eines Absolventen ohnehin noch einiges investieren. Beim Bachelor sind die Kosten dann häufig noch deutlich höher als bei einem Kandidaten mit Masterabschluss. Dies führt dazu, dass wir für viele Kunden von Anfang an nur nach Masterabsolventen suchen.

Das Gespräch führte Sven Astheimer.

Quelle: F.A.Z.
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