Der moderne Mensch lebt mobil. Fehlt noch ein Hochzeitsgeschenk, muss ein Flug gebucht werden oder die Heizung im Eigenheim mal eben rasch hochgefahren werden? Kein Problem, immer mehr Dinge des Alltags lassen sich mittlerweile bequem über das Smartphone oder den Tabletcomputer von unterwegs regeln. Mit dem Verbreitungsgrad moderner Kommunikationsmittel steigt auch der Bedarf nach schnellerer und besserer Software für die vielen Anwendungen und damit auch nach den Spezialisten, die sie entwickeln und die Systeme am Laufen halten. Informatiker sind begehrter denn je - und verdienen mehr.
Die Internet-Jobbörse Gulp wertet regelmäßig die Profile von mehr als 80.000 IT-Spezialisten aus, die als Freiberufler vor allem auf Projektbasis tätig sind. Im Sommer 2012 lagen die Honorarforderungen der Informatiker mit 74 Euro je Stunde so hoch wie noch nie seit Beginn der Auswertung vor mehr als einem Jahrzehnt. Weil der Markt eng ist, konnten Programmierer diesen Preis auch durchsetzen und damit gegenüber dem Vorjahr um 2 Euro zulegen. Sie liegen allerdings noch deutlich hinter ihren Kollegen in der Schweiz, die Honorare von 93 Euro je Stunde verlangen.
Projektleiter verdienen am besten, Administratoren am schlechtesten
In Deutschland fordern von den unterschiedlichen Gruppen unter den Informatikern die Projektleiter mit 82 Euro die höchsten Stundensätze, Administratoren mit knapp über 60 Euro die niedrigsten. Gemessen am Verdienst sind Informatiker zwischen 45 und 49 Jahren am wertvollsten, sie verlangen rund 13 Euro mehr als Kollegen unter 35 Jahren mit vergleichsweise wenig Berufserfahrung.
Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk stellt auch einen steigenden Bedarf an Technologieberatung in den Unternehmen fest. 2012 liegen die Tagessätze bei knapp 890 Euro. Für das kommende Jahr wird ein Anstieg für Beraterhonorare um rund 20 Euro erwartet. Die Anbieter von Umsetzungen solcher Projekte liegen zwar mit Tageswerten von fast 650 Euro deutlich unter den Beratern, rechnen dafür jedoch innerhalb eines Jahres mit einem Plus von satten 50 Euro. „In der Entwicklung der Honorarsätze spiegelt sich der Fachkräftemangel deutlich wider“, sagt Lünendonk-Partner Hartmut Lüerßen. Weil die Unternehmen nur begrenzt bereit seien, Kompromisse bei den Anforderungen an die IT-Fachleute zu machen, seien die steigenden Honorare eine logische Konsequenz. Derzeit gibt es nach Berechnungen des Branchenverbands Bitkom und des Fraunhofer-Instituts in Deutschland fast 40.000 offene Stellen für Informatiker. Dadurch entgingen der Branche rund 11 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.
Die Lünendonk-Analysten machen noch eine Beobachtung: Die Unternehmen werben zunehmend Personal von den Wettbewerbern ab. Die sogenannte Fluktuationsquote stieg 2012 im Vergleich zum Vorjahr um fast zwei Punkte auf 18 Prozent. Im vergangenen Jahr mussten fast 9000 Mitarbeiter rekrutiert werden, um allein die Abwanderung auszugleichen.
Ähnliches hat auch der Personaldienstleister Robert Half mit einer Umfrage festgestellt. Ihr zufolge fürchten drei von vier Unternehmen, dass ihre besten IT-Mitarbeiter abgeworben werden könnten. Immerhin plant fast jedes zweite, die Zahl der beschäftigten Informatiker zu erhöhen. Kein Wunder, findet Christian Umbs, schließlich steige der Bedarf. „Da immer mehr Mitarbeiter von zu Hause oder von unterwegs arbeiten, sollten diese Anwendungen auf dem neuesten Stand sein“, sagt der Direktor von Robert Half Technology.
Gute Aussichten für die Gehaltsentwicklung von Programmierern und Administratoren. Die Wechselbereitschaft der Kandidaten dürfte erhöhen, dass innerhalb Deutschlands erhebliche Gehaltsunterschiede bestehen. Der Studie von Robert Half zufolge verdienen angestellte IT-Leiter im Bundesdurchschnitt rund 80.000 Euro im Jahr. Doch der Süden hat klar die Nase vorn. In München lassen sich rund 115.000 Euro im Jahr verdienen und in Stuttgart immer noch fast 93.000 Euro. Während Hamburg und Frankfurt sich nahe am Durchschnitt bewegen, fallen Düsseldorf (70.000) und Berlin (67.000) deutlich zurück.
