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Industrie 4.0 Kochtopf mit Internetanschluss

 ·  Industrie 4.0 heißt die neue Fertigungswelt. Ohne Software geht wenig. Die Ingenieure müssen sich darauf einstellen. Denn die Maschinen sollen internetfähig werden.

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© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Seit einem Jahr heißt das Schlagwort Industrie 4.0, wenn über die technische Entwicklung in der Industrie gesprochen wird. Wahlweise heißt die neue Welt der Produktionstechnik auch „Smart Factory“, intelligente Fabrik, oder „Integrated Industry“. Unter diesem Stichwort präsentieren sich kommende Woche mehr als 6000 Unternehmen der Investitionsgüterindustrie auf der Hannover Messe. Und manchmal nennt man es auch „Internet der Dinge“. Diese Begriffe sind Synonyme. Sie beschreiben die Vernetzung der bisher insular aufgebauten Produktion und der Unternehmen; oder auf gut Deutsch: Ohne Internet und Software geht künftig gar nichts mehr. So wie fast jeder Büroarbeitsplatz einen Internetzugang hat, wird zukünftig jede Maschine einen solchen Zugang haben. Vor allem geht es darum, dass die Maschinen untereinander vernetzt werden und kommunizieren können.

Wer sich heute nur auf Kenntnisse der Mechanik verlässt, der ist verlassen, der wird es auf dem Arbeitsmarkt immer schwer haben. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der deutschen Unternehmen mit 250 oder mehr Beschäftigten hätten im vergangenen Jahr ihre Mitarbeiter in IT-Fragen fortgebildet, geht aus einer Veröffentlichung des Branchenverbandes Bitcom hervor. „Alle Ingenieure brauchen Softwarekenntnisse“, sagt Wolfgang Rücker, der Vorstandsvorsitzende des Ingenieurbüros Rücker aus Wiesbaden. Und er meint auch wirklich alle. Rücker sucht dringend 280 Ingenieure für Aufträge aus dem Automobilbau. Die Bewerber sollten die Fachrichtungen Elektrik oder Karosseriebau studiert haben und über Software- und Programmierkenntnisse verfügen.

Anteil der Softwareingenieure nimmt zu

Damit ist Rücker keine Ausnahme, sondern die Regel. Der Anteil der Softwareingenieure nimmt in der Industrie deutlich zu. Seit selbst Kochtöpfe einen Internetanschluss haben, wie die WMF ihn auf der diesjährigen Konsumgütermesse Ambiente im Februar in Frankfurt vorstellte, oder Heizungsanlagen von Bosch internetfähig und über das Handy steuerbar sind, gibt es kaum einen technischen Bereich, der ohne elektronische Steuerungen und ohne Vernetzung mit anderen Steuerungssystemen oder dem Internet auskommt.

Auch wenn die Vision, dass der Ingenieur sonntags vom Kaffeetisch aus die Produktionsanlage per Handy überwacht, noch selten verwirklicht wurde - unrealistisch ist sie nicht mehr. Schon heute werden viele Anlagen rund um den Globus von einer Zentrale aus überwacht. Wenn der Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff im spanischen Hafen sagt, man bleibe wegen des schönen Wetters einen Tag länger, dann macht er das womöglich gar nicht, um den Gästen etwas Gutes zu tun. Viel höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ingenieur von Siemens im meerfernen Bayern per Datenfernübertragung einen Systemfehler in der Technik des Schiffes gefunden und den Kapitän gebeten hat, im Hafen zu bleiben, um den Fehler zu beheben. Diese Art der Überwachung von Anlagen ist in vielen Bereichen schon Alltag, von der Großanlage bis zur Stalltechnik in der Massentierhaltung - und funktioniert, weil all diese Anlagen heute internetfähig sind.

Programmierer werden gesucht

Um das zu entwickeln, müssen Hardwaretechniker und Softwaretechniker immer enger zusammenarbeiten. Der ehemalige Hardwarekonzern Siemens hat sich längst auch zu einem Softwarekonzern entwickelt. Der immer noch als Elektrokonzern apostrophierte Unternehmensriese hat heute mit 18.000 Softwareingenieuren etwa so viele wie Microsoft. Allein der Bereich Siemens Industrie, der die klassischen Produktionssteuerungen entwickelt und verkauft, beschäftigt 7500 Softwareingenieure. Obwohl Siemens kein klassisches Softwarehaus wie SAP ist, hat das Münchener Unternehmen bisher mehr als 7 Millionen Softwarelizenzen verkauft. Der Bereich Industriesoftware - die Verbindung von Maschinen mit Programmen - wächst erheblich schneller als die gesamte Automationstechnik.

Der international tätige Hersteller elektrischer Verbindungstechnik Weidmüller aus dem ostwestfälischen Detmold ist ein klassischer Elektrobetrieb - und sucht Programmierer. „Wir forschen und arbeiten zunehmend an intelligenten Systemen an der Schnittstelle zwischen IT und Hardware“, sagt Vorstandsmitglied Peter Köhler. Die Vision von Industrie 4.0 erfordert, dass man die gesamte Fertigung digitalisiert. Es ist also neben der realen Fabrik eine virtuelle Version zu erstellen, was die Aufnahme von Millionen von Daten erfordert und deren intelligente Auswertung.

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