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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Tiefbau Ingenieurskunst unter Tage

Die Hannover Messe mag vorbei sein, aber hohe Ingenieurskunst gibt es das ganze Jahr zu sehen – in den Kellerräumen des Deutschen Museums in München. Ein Rundgang mit dem Leiter der Abteilung Bergbau.

© Müller, Andreas Vergrößern Kurator Klaus Freymann führt durch die realistisch gestaltete Inszenierung der Welt unter Tage.

Siebenhundert Meter ziehen sich die dunklen Gänge unter dem mächtigen Münchener Museumsbau hin. Aber den meisten Besuchern kommt der Rundgang deutlich länger vor. Denn viele biegen gänzlich unvorbereitet in die Abteilung und tauchen dann in eine überraschende, weil für sie völlig fremde Welt ein.

Sie spiegelt Meilensteine der Ingenieurskunst wider, um an feste mineralische Rohstoffe zu gelangen. Schon in den provisorischen Sammlungen von1906 an gab es eine Abteilung Bergbau. Das Anschauungsbergwerk und die Ausstellungsräume auf der Museumsinsel entstanden 1925, die Abteilung wurde mehrfach umgebaut und erweitert, zuletzt 1990. Die Entwicklung von Schachtbau und Schachtfördertechnik wird gezeigt, Schwerpunkte sind der Erz-, Salz- und Kohlenbergbau und der Tagebau.

Es ist ziemlich dunkel hier, geht runter und seltener hinauf über Treppen und Stiegen. Die Luft ist teils ölig und muffig, was nicht stört, weil es auf den drei Sohlen, Stockwerken, auf 4600 Quadratmetern zu viel zu entdecken gibt. Manche gerade der jüngeren Besucher genießen das Gefühl irgendwo zwischen Geisterbahn und Science-Fiction in den Kellern des Museums.

Der Schacht war damals High-Tech

 

Deutsches Museum  - in der Bergbauabteilung zeigt das Münchner Museum historische Technologien im Stahl-Erz- und Salzbergbau © Müller, Andreas Vergrößern Füllort des Klenzeschachts im Pechkohlenbergbau

Heute, da sich computergesteuerte High-Tech-Roboter durch den Fels arbeiten, wirkt der 11 Meter in die Tiefe reichende Nachbau des Klenze-Schachts fast ein wenig antiquiert. Ein Hunt, ein Grubenwagen, erinnert daran, dass im Süden von München bis 1971 Pechkohle abgebaut worden ist. Ein Förderkorb nimmt die gefüllten Förderwagen auf, die durch eine Aufschiebevorrichtung einzeln in den Korb eingeschoben und durch den Schacht an die Oberfläche gebracht werden. „1925 war das High-Tech, der Museumsgründer Oskar von Miller dokumentierte nicht nur die historische Entwicklung, sondern auch das, was damals aktuell war“, erklärt Kurator Klaus Freymann.

Bohren im Firstenstoßbau

 

Deutsches Museum  - in der Bergbauabteilung zeigt das Münchner Museum historische Technologien im Stahl-Erz- und Salzbergbau © Müller, Andreas Vergrößern Firstenstoßbau nach Oberharzer Vorbild

Bohren, sprengen, wegladen, das wird im Firstenstoßbau demonstriert mit einem der vielleicht beeindruckendsten Szenen der Ausstellung: Drei lebensgroße Figuren arbeiten in einem steilstehenden Erzgang, der mit Original-Erz aus dem Oberharz nachgebildet ist. Sie mühen sich, in den Klüften Blei- und Zinkerz abzubauen. Die realistisch nachgebauten Szenen orientieren sich fast immer an konkreten Vorbildern, etwa am Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar, den Salzbergwerken in Berchtesgaden und im polnischen Wieliczka oder dem Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet.

Schaufelradbagger arbeiten sich durch den Braunkohlentagebau

 

Deutsches Museum  - in der Bergbauabteilung zeigt das Münchner Museum historische Technologien im Stahl-Erz- und Salzbergbau © Müller, Andreas Vergrößern Modell eines Schaufelradbaggers

Dem Tagebau ist ein eher konventionell gestalteter Part der Ausstellung gewidmet. Der großzügige Raum hat Tageslicht, draußen glänzt die Isar graugrün in der Frühlingssonne. Ein großzügiges Modell bildet den Braunkohlentagebau im Niederrheinischen Revier nach. Die größten Tagebaue in Deutschland dienen der Gewinnung von Braunkohle und liegen im Rheinland, in der Gegend von Leipzig und in der Lausitz. Die Ausstellung zeigt Modelle verschiedener Schaufelradbagger und ein Video, das eine Ahnung davon vermittelt, dass der Durchmesser eines gigantischen Schaufelrades 21,6 Meter umfasst.

Mit Licht und Druckluft durch den Blindschacht

 

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