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Im Gespräch: Lars Satow „Sich aufopfern bringt nichts“

Berufseinsteiger legen häufig mit großem Tempo los. Das führt schnell zu Überlastung, warnt der Psychologe Lars Satow. Besser ist es, sich erst einmal Gedanken zu machen über die eigenen Stärken und Ziele.

© Privat Vergrößern Kommunikativ sein und offen mit Kritik umgehen, dann gelingt der Start leichter, sagt der Psychologe Lars Satow.

Herr Satow, der Einstieg ins Berufsleben ist eine enorme Veränderung. Wem fällt dieser Schritt leicht und tut sich damit in der Regel schwerer?

Ob der Einstieg ins Berufsleben jungen Menschen schwer fällt oder nicht, hängt an mehreren Faktoren. Zum einem spielt es eine wichtige Rolle, welche Berufserfahrungen gesammelt wurden: Jugendliche, die schon mehrere Praktika in dem Beruf absolviert haben, wissen, was auf sie zukommt. Auch das Elternhaus kann bei der Berufsvorbereitung helfen - vor allem dann, wenn ein Elternteil oder beide bereits in einem ähnlichen Beruf tätig sind. Zum anderen kommt es auf die Persönlichkeit und die sozialen Kompetenzen an: Berufseinsteiger, die offen und mit hoher Lernbereitschaft die neue Stelle antreten, haben es meist leichter als ängstliche und verschlossene Jugendliche. Wer kommunikativ ist und mit Kritik konstruktiv umgehen kann, wird schnell Anschluss finden und ein eigenes soziales Netz aufbauen, das beim Umgang mit den ungewohnten Anforderungen sehr hilfreich sein kann.

Mit welchen Fallstricken haben es Berufseinsteiger mehr oder weniger zwangsläufig zu tun?

Oftmals sind es falsche Erwartungen an die Berufswelt, die zu Missverständnissen führen. Manche Berufseinsteiger begehen den Fehler, sich im Beruf von Anfang an aufzuopfern, um schnell weiter zu kommen - anstatt sich gezielt Gedanken über die eigenen Stärken und mögliche Karriereziele zu machen. Besonders dieser anfängliche Idealismus kann später in einem Burn-out-Syndrom münden - also in einem Zustand von Erschöpfung und Demotivation. Viele Jugendliche empfinden den Berufseinstieg als ersten Karriereschritt und sind dann enttäuscht, wenn es nicht immer so weitergeht und der nächste Karriereschritt auf sich warten lässt oder ganz ausbleibt.

Wie können sich Berufseinsteiger auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorbereiten?

Natürlich sollten junge Menschen die Möglichkeit nutzen, Praktika zu machen und das Berufsleben von innen kennenzulernen. Dabei helfen auch Gespräche mit Eltern, Lehrern und Menschen, die bereits in einem ähnlichen Beruf tätig sind. Darüber hinaus sollten sich die Jugendlichen aber auch Zeit nehmen, um in Ruhe über die eigenen Bedürfnisse, Ziele und Stärken nachzudenken. Eine wichtige Frage lautet dann, in welchem Beruf man seine eigenen Stärken zur Geltung bringen kann und ob man in einem Beruf langfristig glücklich wird. Manchmal kann auch die Wahl eines ,langweiligen’ und wenig herausfordernden Berufs richtig sein, wenn der Beruf einem die Freiheiten lässt, um zum Beispiel einem bestimmten Hobby nachzugehen. Ganz wichtig ist aber, sich möglichst bald ein soziales Netz aufzubauen von Menschen, die im Berufsleben unterstützen können.

Wie zeige ich meinem Chef, dass ich etwas kann? Wie schaffe ich den nächsten Karriereschritt?

Je nach Beruf wird ein Chef auf unterschiedliche Dinge achten. Berufseinsteiger sollten daher besonders am Anfang versuchen, die Erwartungen des Chefs zu verstehen. Die meisten Chefs erwarten nicht gleich am Anfang Top-Leistungen, wohl aber, dass sich die Berufseinsteiger ernsthaft mit den Anforderungen auseinandersetzen, offen und positiv an die Aufgaben herangehen und lernen. Der nächste Karriereschritt hängt dann oftmals nicht nur von guter Leistung ab, sondern auch von der Persönlichkeit und dem eigenen sozialen Netzwerk. Wer Seriosität und Selbstbewusstsein ausstrahlt, wird schneller für die nächste Position vorgeschlagen als jemand, der zwar gute Leistungen bringt, aber mit den Aufgaben schon überfordert zu sein scheint.

Was mache ich, wenn der nächste Karriereschritt ausbleibt?

Als Erstes sollte man zunächst das Gespräch mit dem Chef oder der Personalabteilung suchen. Vielleicht ist dem Chef bisher gar nicht bewusst, dass ein Interesse an einer verantwortungsvolleren Position besteht. Wenn diese Gespräche nichts bewirken, sollte man sich überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, das Unternehmen zu wechseln. Das hängt aber vor allem von der persönlichen Situation und den eigenen Zielen ab.

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Das Gespräch führte Ursula Kals.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.02.2013, 18:30 Uhr

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