Risiko-Management-Strategien beschäftigten nicht nur die Finanzwelt, das zeigt das dritte europäische „HR-Barometer“, das die Managementberatung Hewitt Associates im Auftrag des „European Club for human resources“ (EChr) an diesem Mittwoch in Brüssel vorgestellt hat. Auf der Suche nach Trends und Perspektiven bis 2010 habe sich gezeigt, dass die Entwicklung von Risiko-Management-Strategien die wichtigste Aufgabe der Personalabteilungen (HR) sein werde.
Im Rahmen der Studie wurden 53 Unternehmen befragt, die in Europa insgesamt mehr als zwei Millionen Mitarbeiter beschäftigen und zusammen mehr als 700 Millionen Euro Umsatz erzielen. Als wichtigste Ergebnisse der Studie werden die folgenden genannt:
- Kulturelle und organisatorische Veränderungen, Arbeitskräftemangel und notwendige Produktivitätssteigerungen werden die HR-Arbeit der Jahre 2008 bis 2010 entscheidend beeinflussen
- Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen möchte die Dienstleistungen im HR-Bereich verbessern, um die Geschäftserwartungen effektiv zu erfüllen. Das Engagement von HR wird insbesondere in den Themenfeldern „Demografischer Wandel“, „Work-Life-Balance“ „Neue Kompetenzen“ und „HR Due Dilligence“ erforderlich
- HR Experten erwarten für ihren Bereich neue Kompetenzen und Verantwortlichkeiten, während traditionelle HR-Aufgaben an Shared Services Center oder teilweise ans Linienmanagemt übergeben werden
- Die Mehrheit der HR-Führungskräfte nimmt einen positiven Einfluss der Europäischen Union wahr - kennt aber spezifische, den HR-Bereich betreffende EU-Aktivitäten wenig
„Diese Ergebnisse bestätigen die Evolution im Personalbereich“, heißt es, „Ziele und Prioritäten sind zunehmend strategischer Art und können dem HR zu höherem Ansehen im Unternehmen verhelfen.“
HR-Führungskräfte seien sehr zufrieden mit ihrem Tätigkeitsfeld. Sie zeigten ein hohes Maß an Loyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber und vertrauten ihrem Geschäftsführer, lauten weitere Ergebnisse. 85 Prozent der Befragten antworteten, dass sie ihr Unternehmen und ihre Rolle innerhalb des Unternehmens wertschätzen. Nur 7 Prozent würden ihre Position aufgeben und in einen anderen Bereich wechseln. Neu sei, dass 40 Prozent der Befragten bereit wären, in ein anderes Land zu ziehen. Fast die Hälfte der Befragten fordert eine stärkere Einbindung der HR-Funktion in strategische Geschäftsentscheidungen. Nur so sei eine Verbesserung der Personalarbeit, vor allem des Wertbeitrags für das Gesamtunternehmen möglich.
Einem geeigneten Talent-Management wird der höchste Einfluss auf den langfristigen Geschäftserfolg zugeschrieben (61 Prozent), dicht gefolgt von effektiver Organisation (46) , Performancemanagement (43) und Führungskräfteentwicklung (31 Prozent). Die Verbesserung von Vergütungssystemen schneidet mit 20 Prozent im hinteren Bereich ab, die Bewertung der Mitarbeiterzufriedenheit nimmt praktisch keinen Raum mehr ein, nur 6 Prozent der Antworten entfallen darauf.
Leonardo Sforza, Leiter Research and EU Affairs bei Hewitt Associates, nennt es „erstaunlich, dass knapp der Hälfte der befragten Organisationen die EU-Subventionen für Mitarbeitertrainings und -entwicklung oder die europäischen Research- und Development-Programme zur Förderung innovativer Initiativen im Bereich Humankapital nicht bekannt sind“. Die Berater leiten daraus eine Forderung an die EU ab, HR-Verantwortliche zu informieren und Ihnen einen Zugang zu den Förderprogrammen zu verschaffen.
