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Montag, 13. Februar 2012
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Gruppenbewerbungen Uns gibt's nur im Paket

28.12.2009 ·  Sie arbeiten zusammen, sie suchen zusammen eine neue Stelle. Auf den ersten Blick scheint das ein aussichtsloses Unterfangen. Doch manchmal klappt das Bewerben im Team sogar besser als allein.

Von Friederike Haupt
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Spricht Wolfgang Schneider von seiner Bewerbung, sagt er auffällig oft „wir“. Außerdem Sätze wie: „Gemeinsam sind wir stark.“ Oder: „Wir wollen uns zusammen aufstellen, denn ein Netzwerk ist wichtig.“ Dabei bewirbt sich Schneider gar nicht selbst. Aber 25 seiner Kollegen suchen einen neuen Job, und sie suchen nicht allein. Mit der Hilfe des Betriebsratsvorsitzenden Schneider haben sie sich organisiert, und jetzt steht auf der gemeinsamen Internetseite zu lesen: „Der Suhrkamp Verlag geht nach Berlin. Wir bleiben hier.“ Darunter Porträtfotos von 25 Männern und Frauen - wer eines anklickt, landet auf dem Profil der Person, liest, was sie bietet und sucht, und ist mit einem Klick wieder auf der Startseite, wo die Kollegen gemeinsam lächeln. Ihr Arbeitgeber zieht zum Jahreswechsel in die Hauptstadt, doch sie wollen in Frankfurt bleiben. Alle haben das gleiche Ziel - warum also nicht gemeinsam dafür kämpfen?

Die Idee klingt logisch. Weit verbreitet sind gemeinsame Bewerbungen von entlassenen oder freiwillig gegangenen Kollegen dennoch nicht. Aber es gibt immer wieder Fälle, in denen Mitarbeiter versuchen, mit vereinten Kräften nach neuen Jobs zu suchen oder sogar in der Gruppe etwas Neues aufzubauen. So gründeten Anfang des vergangenen Jahres zehn ehemalige Redakteure der „Münsterschen Zeitung“ (MZ) das Online-Magazin „Echo Münster“. Im Januar 2007 war allen 18 Redakteuren der „MZ“-Lokalredaktion gekündigt worden, um sie durch billigere Kräfte zu ersetzen. Zehn von ihnen entschieden sich für den gemeinsamen Weg aus der Arbeitslosigkeit, gründeten das Internetportal und gingen in Konkurrenz zum ehemaligen Brötchengeber.

Nicht nur für die Bewerber hat der gemeinsame Auftritt Vorteile

Im Guten dagegen trennten sich die 25 Frankfurter Suhrkamp-Angestellten von ihrem Verlag. Ihnen geht es auch nicht darum, einen gemeinsamen neuen Arbeitgeber zu finden. Sie präsentieren sich nur zusammen auf der Internetseite www.ex-suhrkampler.de, ihrer „elektronischen Visitenkarte“, wie der Betriebsratsvorsitzende den Auftritt nennt. Insgesamt rund 50 Kollegen wollten nicht mit nach Berlin, berichtet er, die Hälfte von ihnen habe sich der privaten Initiative angeschlossen. Jeder von ihnen hat sein Profil selbst bearbeitet, manche listen ausführlich frühere Arbeitgeber, Kunden, Fähigkeiten und Wünsche an den neuen Job auf, andere begnügen sich mit drei knappen Sätzen und einer Kontaktadresse. Die Seite, die eine Kollegin programmiert hat, ist seit der Buchmesse im Oktober online; einige „positiv ausgegangene Gespräche“ sind nach Wolfgang Schneiders Auskunft seither dank ihr zustande gekommen. „Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir uns gemeinsam aufstellen“, erläutert er einen weiteren Effekt der Homepage. So einen Auftritt bekomme ein Einzelner kaum hin, die Aufmerksamkeit sei größer als bei einer schlichten Bewerbungsmappe - und über allem stehe der Name Suhrkamp.

Und nicht nur für die Bewerber hat der gemeinsame Auftritt Vorteile. „Auch den Unternehmen, die einstellen, kann es viel bringen, ein komplettes Team zu übernehmen“, sagt die Karriereberaterin und Buchautorin Svenja Hofert. Rekrutierung und Gruppenbildung kosteten Zeit und Geld; das spare sich, wer eine eingespielte Mannschaft einstelle. Wichtig sei dabei, dass die Bewerber ähnliche Kompetenzen mitbrächten. Dann aber sei für den Arbeitgeber auch das Risiko, dass sich die Neuen unwohl fühlten, geringer als bei einzeln eingestellten Neulingen. Hofert selbst bringt manche Stellensuchende erst auf den Gedanken, sich mit Kollegen in Zweier- oder auch größeren Teams zu bewerben. „Die meisten kommen gar nicht auf die Idee, obwohl das toll funktionieren kann!“

Daran glauben auch rund hundert Mitarbeiter, die kürzlich vom insolventen Autobauer Karmann entlassen worden sind. „Ein starkes Team“, steht über der gemeinsamen Anzeige, die sie im Internet und in Zeitungen plaziert haben. Mit „gemeinsamer Leistungsfähigkeit“ werben die Fachkräfte des Bereichs Produktionssysteme dort in besonders gefetteten Buchstaben. Auf der Internetseite stellt eine Präsentation die Stärken der Abteilung vor. Wer sich so bewerbe, glaubt Svenja Hofert, könne damit rechnen, beachtet zu werden. „So was macht intern die Runde“, sagt sie. „Das sticht heraus, wenn 3000 Bewerbungen auf dem Tisch liegen.“ Sie rät sogar zur Initiativbewerbung als Team. „Und dann den sozialen Aspekt ansprechen! Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann.“

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