06.03.2007 · Junge Frauen haben die Gleichberechtigung verinnerlicht, junge Männer hegen gemischte Gefühle. Das geht aus einer Studie hervor, diein Berlin vorgestellt wurde. Die Bundeskanzlerin ruft Frauen zum „networking“ auf.
Auch 20 Jahre nach der Einrichtung des Bundesfrauenministeriums ist die Gleichstellung von Mann und Frau nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel noch nicht erreicht. Es sei ein Skandal, dass es bei den Dax-Unternehmen fast keine weiblichen Vorstände gebe, sagte Merkel bei einer Podiumsdiskussion zum 20. Geburtstag des Ministeriums am Dienstag in Berlin. Auch die Zahl der C4-Professorinnen sei unglaublich gering. Wenn 40 Prozent der Akademikerinnen keine Kinder hätten, sei dies nicht ein Ausdruck ihres eigenen Willens, sondern des harten Kampfes zwischen Karriere und Familie. Merkel war nach der Wende selbst einige Zeit lang Frauenministerin gewesen.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt widersprach Aussagen, Männer mit „Alpha-Tier“-Allüren seien aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Ein Blick in die Runde der Ministerpräsidenten und die Wirtschaft beweise das Gegenteil, sagte die SPD-Politikerin. Sie habe schon vor Jahrzehnten für die Rechte der Frau gekämpft. Allerdings habe sie nie geglaubt, dass sie kurz vor ihrem 60. Geburtstag immer noch über das Thema diskutieren müsse. „Ich habe früher schon gedacht: Das beste wäre, Männer könnten schwanger werden, dann hätten wir manche Probleme nicht“, bekräftigte Schmidt.
Frauen sollen Netzwerke bilden
Merkel stellte sich zugleich hinter die Pläne von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die Kinderbetreuung massiv auszubauen. „Ich bin dankbar, dass wir heute nicht mehr über das Ob der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Wahlfreiheit sprechen, sondern dass wir über das Wie“, sagte sie. Allerdings müssten die Frauen auch die Möglichkeit bekommen, diese Wahlfreiheit leben zu können. Das Wort Rabenmutter dürfe in diesem Zusammenhang nicht mehr fallen, und auch die Wirtschaft müsse sich auf die Bedürfnisse der Mütter besser einstellen.
An die Frauen appellierte Merkel, besser zusammenzuhalten und ebenso wie die Männer Bündnisse zu schmieden. „Männer können sich auch nicht alle untereinander leiden. Und trotzdem, wenn's um die Aufteilung von bestimmten Posten geht, klappt's ganz gut, dass jeder ein bisschen abbekommt“, sagte die Kanzlerin.
Von der Leyen präsentierte die Ergebnisse einer Studie, nach der junge Frauen und Männer heute selbstverständlich davon ausgehen, dass sie die gleichen Rechte haben. Vor allem junge Frauen mit Abitur setzten sich klare Ziele und wollten nur mit einem Mann zusammen sein, der ihre Vorstellung von gleichberechtigter Partnerschaft teile. Bei jungen Männern sei die Haltung unterschiedlich: Junge Abiturienten teilten rational die Ansichten junger Frauen, seien zugleich aber zutiefst verunsichert von deren Selbstbewusstsein. Und für Männer mit geringer Bildung habe das Thema Gleichstellung nur wenig Bedeutung. Sie erwarteten, dass sich ihre Frau dem herkömmlichen Rollenmodell anpasse.
Rita Süßmuth, die erste Frauenministerin der Bundesrepublik, lobte den gesellschaftlichen Wandel in den vergangenen 20 Jahren. Frauenfragen würden heute nicht mehr am Rande behandelt, sondern seien in die Mitte der Politik gerückt. Über die aktuelle Debatte zur Kinderbetreuung zeigte sie sich entsetzt.“Ich hätte nie gedacht, dass dieser psychoanalytische Ansatz: Alle Kinder sind geschädigt, die nicht bis zum dritten Lebensjahr ausschließlich bei der Mutter bleiben, dass der noch einmal Urständ feiert“, erklärte sie.
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