04.02.2008 · Strittg ist sie, die Aussagekraft des Krankenstands in der Personalstatistik: Fehlzeiten machen nur einen Teil der krankheitsbedingten Produktivitätsverluste aus. Das untermauert eine aktuelle repräsentative Befragung.
Von Thomas ReinholdArbeitgeber mit einem niedrigen Krankenstand dürfen sich nicht zufrieden zurücklehnen. Die nackte Zahlen haben geringeren Wert. Darauf deuten Ergebnisse des IGA-Barometers 2007 hin, einer repräsentativen Telefonbefragung der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) unter 2000 Beschäftigten. Danach machen Fehlzeiten nur einen Teil der krankheitsbedingten Produktivitätsverluste aus. Denn viele Arbeitnehmer gehen auch dann zur Arbeit, wenn sie krank sind, sehen sich aber in ihrer Leistung eingeschränkt.
Ein niedriger Krankenstand könne Unternehmen daher in falscher Sicherheit wiegen, sagen Präventionsexperten der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung. Sie empfehlen, die Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung auch bei geringen Fehlzeiten auszubauen, da deren Wirksamkeit nachgewiesen und die Akzeptanz bei Mitarbeitern sehr hoch sei.
Was sagt der Krankenstand aus?
Über die Aussagekraft von Krankenständen gibt es seit längerem eine Debatte. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist die am weitesten verbreitete Sorge in der Arbeitswelt“, sagt Bernhard Badura. Der Gesundheitswissenschaftler von der Universität Bielefeld glaubt, hier einen der wesentlichen Gründe ausgemacht zu haben, warum sich viele Angestellte auch dann ins Büro schleppen, wenn sie besser zu Hause bleiben sollten. Genau diese Angst sei es, so werden Gewerkschafter nicht müde zu behaupten, die die Fehlzeiten in den Betrieben in den vergangenen 30 Jahren stetig sinken ließ. Vor allem bei modernen Dienstleistern wird das Phänomen beobachtet, etwa in der IT-Industrie oder bei Banken - gerade solchen Unternehmen, die Programme zur Gesundheitsförderung anbieten und gleichzeitig die Arbeit so organisieren, dass Krankheit nicht vorkommen darf (lesen Sie dazu: Der eingebildete Gesunde)
Nach eigener Aussage hatten 27 Prozent der von der IGA Befragten zum Zeitpunkt des Interviews gesundheitliche Probleme. Jedoch gaben nur rund vier Prozent der Befragten an, in der jüngeren Vergangenheit deswegen bei der Arbeit gefehlt zu haben. Rund 16 Prozent der Befragten antworteten, dass sie trotz einer bestehenden Erkrankung zur Arbeit gehen, dort aber weniger leisten, als wenn sie gesund wären. Das ist rund jeder sechste Befragte. Nicht erhoben wurde, ob diese Einschränkungen dauerhafter oder vorübergehender Natur sind.
Zwar böten viele Unternehmen ihren Beschäftigten Programme zur Gesundheitsvorsorge wie Rückenschulen an, doch in einem Drittel aller Großunternehmen und zwei Dritteln aller Kleinbetriebe spiele betriebliche Gesundheitsförderung laut IGA-Barometer keine Rolle. Dabei beeinflusse sie die Zufriedenheit der Mitarbeiter - mithin die Fluktuation. Angestellte von Unternehmen mit betrieblicher Gesundheitsförderung geben wesentlich häufiger an, dass sie bei ihrem Arbeitgeber bleiben wollen.
Besonders beliebt sind dem IGA-Barometer zufolge Rückenschulen, Betriebssport und Kurse zur Stressbewältigung.