21.06.2010 · Air Berlin statt Lufthansa, Motel statt Fünf-Sterne-Haus: In deutschen Konzernen regiert mittlerweile der Rotstift die Reiseetats. Viele Geschäftsleute steigen zudem auf die Bahn um. Das zeigt der Verband Deutsches Reisemanagement in einer neuen Studie.
Von Ulrich FrieseDie Folgen der Wirtschaftskrise sind im Reiseverhalten der Manager fast direkt abzulesen. Spätestens nach den Turbulenzen im Finanzsektor kappten viele Unternehmen ihre Etats für Flüge oder Hotelübernachtungen. Während sich 2009 die Zahl der Geschäftsreisen um 11 Prozent auf 145 Millionen verringerte, sackten die Ausgaben für Spesen und Dienstreisen um 12 Prozent auf 41 Milliarden Euro.
Bei dieser Spardisziplin wird es wohl bleiben, selbst wenn die Zahl der Geschäftsreisen spätestens von 2011 an wieder steigen dürfte: „Wenn die verschärften Reise-Richtlinien betriebsintern einmal akzeptiert sind, besteht so schnell keine Notwendigkeit mehr, zum alten Stand zurückzukehren“, heißt es in einer Studie des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), die am heutigen Montag veröffentlicht wird.
Die Bahn gewinnt wieder Sympathien
Die neue Zurückhaltung der Geschäftsreisenden bekommen in erster Linie die Markenartikler unter den Fluggesellschaften und Hotelbetreibern zu spüren: Das Gros der Manager schwenkt bei Dienstreisen auf niedrigere Flugklassen, Billigflieger wie Air Berlin, die Deutsche Bahn sowie preisgünstige Hotelkategorien um. Neuen Billiganbietern im Übernachtungsgewerbe wie „Motel One“ oder „Ibis“, die sich mit pfiffig gestalteten Unterkünften in Innenstadt-Lagen profilieren, spielt dieser Trend in die Hände, und sie expandieren.
Auch die oft belächelte Deutsche Bahn gewinnt in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft offenbar an Sympathien: Allein zwischen Januar und Mai legten in deutschen Unternehmen die Ausgaben für Bahnreisen um 10 Prozent gegenüber dem Zeitraum des Vorjahres zu, lautet das Ergebnis einer Kundenumfrage von Airplus, dem Anbieter von Systemen zur Kontrolle und Abrechnung von Geschäftsreisen.
95 Prozent der Fluggäste wählen Economy-Class
Im Gegenzug droht die Stammkundschaft vieler Fluglinien zu erodieren. Laut VDR-Studie erreicht der Anteil der Economy-Tickets auf europäischen Strecken mit 95 Prozent einen vorläufigen Spitzenwert. Acht Jahre zuvor buchten lediglich 56 Prozent der beruflichen Vielflieger in der bis dahin für Touristen reservierten „Holzklasse“.
Auch auf beruflich bedingten Interkontinentalflügen kommt die „Business“-Klasse wohl zunehmend aus der Mode. Stattdessen liegt der Wert der „Economy“-Tickets bereits bei 62 Prozent, wobei Städte in Nordamerika die bevorzugten Ziele von Managern aus deutschen Großunternehmen sind. Bei mittelständischen Betrieben registriert die Studie dagegen verstärkte Reisetätigkeit nach China oder Indien.
Das Kostenbewusstsein der Reisemanager ist nicht allein mit dem akuten Sparzwang in Unternehmen zu erklären: „Moderne Techniken in der Kommunikation sowie die Straffung von internen Arbeitsabläufen beschleunigen den Trend zu spontanen, virtuellen Geschäftstreffen und werden wohl auch dauerhaft Teile des klassischen Reiseetats ersetzen“, sagt Dirk Gerdom vom VDR, der hauptberuflich das Reisemanagement des SAP-Konzerns verantwortet. Unter seiner Regie wurden bei dem Software-Hersteller etwa alle Dienstreisen ohne Kundenkontakt gestrichen.
Air Berlin ist kein Billigflieger
Jakob Hoffmann (jakob.hoffmann)
- 21.06.2010, 14:59 Uhr
@jakob_hoffmann
Maximilian Meier (maxmeier999)
- 21.06.2010, 16:22 Uhr
Ergänzung eigener aktueller Erfahrung
Vince Monte (vincemonte)
- 21.06.2010, 17:42 Uhr
Lufthansa (manchmal) günstiger als AirBerlin
Alexander Roßner (arossner)
- 21.06.2010, 21:38 Uhr
Liebe Mitkommentatoren
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 22.06.2010, 15:40 Uhr