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Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gebäudesanierer Graues Wasser in grünen Türmen

28.06.2009 ·  Umwelttechniker mit Fachwissen und Erfindergeist können oft Arbeit im Bereich der Gebäudesanierung finden. Besonders prominentes Beispiel: Die Deutsche Bank. Sie will mit den „Greentowers“ Maßstäbe setzen.

Von Holger Appel
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Alle 2500 Mitarbeiter sind ausgezogen, zweieinhalb Jahre müssen sie in Ausweichquartieren arbeiten. Die Deutsche Bank investiert 200 Millionen Euro in die Modernisierung ihrer Zentrale an der Frankfurter Taunusanlage. Und was sieht man danach von der Aktion? Nichts. Die beiden 155 Meter hohen und fast 30 Jahre alten Türme sehen hinterher so aus wie vorher. Doch der Schein trügt. Wenn Holger Hagge und sein Team fertig sind, ist in den Hochhäusern der Deutschen Bank nichts mehr, wie es war.

„Greentowers - ein globales Vorbild entsteht“, behauptet die Bank in eher unbescheidenen Worten. Auf Windmühlen auf dem Dach und technisch bedingt schwarz schimmernde Solarfenster wurde aus optischen Gründen verzichtet. Ansonsten aber verbaut die Bank nach eigenen Angaben den letzten Schrei in Sachen Umwelttechnik. 55 Prozent weniger Kohlendioxid, 67 Prozent weniger Heizenergie, 43 Prozent weniger Wasser und 55 Prozent weniger Strom lauten die Eckdaten für die Häuser nach dem Umbau.

Herausgerissen und wieder eingebaut

Ein Projektteam hat die Arbeit schon drei Jahre vor dem ersten Handwerker aufgenommen. Die Sanierung eines Gebäudes in dieser Größenordnung habe es vermutlich auf der ganzen Welt noch nicht gegeben, sagt der 49 Jahre alte Architekt Hagge, der sich im offenbar unvermeidlichen Englisch Director Strategic Projects nennt und das Projektteam anführt. „Wir sind fast zwei Jahre lang durch das Gebäude gegangen und haben wie mit einer Computertomographie alles aufgenommen.“

Im März 2008 sind die letzten Bankmitarbeiter ausgezogen, dann hat der Bautrupp das Kommando übernommen. Bis auf den Beton wurde alles herausgerissen. Nun wird wieder eingebaut, „57-mal die gleiche Etage“, wie Hagge sagt. In seinem 40 Mann starken Team sind Fachleute der Abteilungen IT, Einkauf, Finanzen und Controlling, Immobilien, Gebäudebetrieb und Sicherheit vertreten. Auf der Baustelle trifft man alle Gewerke, bis zu 850 Leute sind hier in Spitzenzeiten zugange. Von den Unternehmen wurden vor allem Umwelttechnik-Fachwissen und Erfindergeist gefordert.

30.000 Tonnen Abbruchmaterial

Das fängt schon bei der Entkernung an. 98 Prozent der mehr als 30.000 Tonnen Abbruchmaterial werden wiederverwertet. Metalle gehen als Rohstoff an Stahlwerke, Schutt wird im Straßenbau verarbeitet, Glas, Papier und Kunststoff gehen in ihre Industrien zurück. Bodenplatten und Trennwände werden wieder verbaut. Die Glastüren im Projektbüro stammen zum Beispiel aus den Banktürmen. Oder die neuen Fenster: Die Firma Josef Gartner, die schon beim Bau der Türme für Durchblick sorgte, hat auch diesmal den Auftrag gewonnen. Allerdings gibt es einen kleinen, nicht zu unterschätzenden Unterschied: Bislang ließen sich die 4000 Fenster nicht öffnen, jetzt gibt jedes zweite per elektrisch angetriebenen Schiebemechanismus einen Spalt frei. Weil aber der Wind in großer Höhe enorme Kraft entfaltet, sind besondere Scharniere erforderlich, die auch im großzügiger verglasten Vorstandsbereich Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometer aushalten. Die gab es nicht, weshalb die Fensterfirma eigens welche entwickelte.

Auch die Beleuchtung ist keine Standardlösung. Blendfrei soll sie sein, sich je nach Tageslichteinfall automatisch regeln, gleichmäßig im Raum verteilen und wenig Energie verbrauchen. Herausgekommen aus der Zusammenarbeit von Architekt, Leuchtenplaner und Elektroingenieur sind neuartige Prismenleuchten. Die Aufzüge funktionieren nun auch als Generatoren, die den bei Abwärtsfahrt erzeugten Strom wieder einspeisen. In den Bürodecken sorgen Kühl- und Wärmesegel mit einer Graphitschicht für komfortable Temperaturen. Auch die Toiletten waren ein Fall für die Tüftler, denn die Spülung funktioniert nun nicht mehr mit Frisch-, sondern mit Grauwasser. Villeroy & Boch hat dafür eine Technik entwickelt, womit der Wasserverbrauch zudem von 5 bis 6 auf jetzt 3,5 Liter je Spülvorgang gesenkt wurde.

Nun macht die Deutsche Bank die Erfahrungen zum Geschäftsprinzip. „Daraus ist eine Strategie geworden, wie wir mit Gebäuden umgehen wollen. Die Anforderungen übertragen wir in ein Handbuch für alle Standorte, an denen wir Gebäude modernisieren oder neu anmieten“, sagt Hagge. Ende 2010 sollen alle Mitarbeiter wieder drin sein. In den beiden Türmen, die den Himmel über Frankfurt spiegeln, als sei nichts geschehen.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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