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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Freunde im Büro Jetzt bin ich der Chef!

 ·  Wenn Kollegen auf den Chefsessel ihrer Abteilung aufrücken, können sich Freunde zu Gegnern entwickeln. Für die Aufsteiger gilt: Sie müssen klar, offen und ehrlich mit den Exkollegen umgehen. Und die neue Einsamkeit akzeptieren.

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Es hätte sein können, dass die Kollegen verstummen, wenn er den Raum betritt. Oder dass Neider nach Fehlern suchen. Aber Sebastian Hübner merkt nichts von dem, was in Fachbüchern zum Thema „Gestern Kollege - Heute Vorgesetzter“ steht. Der 25. Januar hat sein Leben nicht wesentlich verändert. Es war der Tag seiner offiziellen Ernennung zum Versandleiter bei Reyher, einem Hamburger Unternehmen, das weltweit mit Verbindungselementen handelt. Inoffiziell galt er schon lange als Nachfolger der Versandleitung. Drei Jahre lang wurde er für die Position trainiert und entwickelt, erzählt er. Anfangs wusste nur er vom Plan der Betriebsleitung.

Gönner, Neider und Enttäuschte

Bis er bei Personalgesprächen mal mit am Tisch saß. Das sorgte für Gespräche im Betrieb. Was macht der Hübner da? Mehr habe er aber nicht gehört. „Es gab kein Aufsehen in der Belegschaft, weil mein Rollenwechsel fließend war.“ Die Kollegen gewöhnten sich langsam an die Arbeit mit ihm, denn Hübner übernahm nach und nach mehr Verantwortung. Er ist froh, dass es so lief: „Ich glaube, man tut Mitarbeitern nichts Gutes, wenn sie man sie Knall auf Fall in den Chefsessel setzt.“

Der Rollentausch sei anstrengend genug, und es brauche Zeit, bis man sich an die neue Perspektive gewöhnt habe. Ein wenig komisch sei es gewesen, das neue Büro am 25. Januar zu betreten, meint der 31jährige: „Vorher teilte ich mir mit Kollegen ein Büro. Als ich so im eigenen Zimmer stand, dachte ich: nun wird es wirklich ernst.“
Nicht wegen der Aufgaben, die kannte er schon. Sondern wegen der Gesamtverantwortung für die rund 80 Mitarbeiter im Warenausgang: die Fehler der anderen rechtfertigen, die Leistung der Abteilung nach oben vertreten, keine Fehler bei der Leitung der einstigen Kollegen machen und mit älteren Mitarbeitern aufmerksam umgehen.

Stolpersteine im neuen Job

„Diese Gedanken haben viele“, weiß Dagmar Kohlmann-Scheerer. Sie ist Inhaberin der DKS-Akademie GmbH und veranstaltet unter anderem Seminare zum Thema. Exkollegen hätten praktisch keine Schonfrist. Abgerechnet werde oft vom ersten Tag an, und jeder Fehler zähle doppelt. Denn unter den Untergebenen seien nicht nur Gönner. Manche hatten sich womöglich selbst eine Aufstiegschance ausgerechnet, vielleicht weil sie schon länger dabei sind. Andere fürchten um ihre Position oder beobachten mit Sorge, wie der Führungswechsel das Team verändert. Vielleicht hoffen sie aber auch, dass sich der ehemalige Kollege besonders für sie einsetzt.

„Was oft nicht so leicht ist, denn der Neue muss sich nach ganz anderen Spielregeln richten und darf Betriebsgeheimnisse nicht ausplaudern“, so Kohlmann-Scheerer. Da könne es schwierig werden, wenn der neue Teamleiter erfährt, dass wahrscheinlich das ganze Team ausgelagert wird. Was berichtet er seinen Leuten, ohne das Gesicht zu verlieren?

Caroline Baumgärtner, Trainerin am Fortbildungszentrum Hafen Hamburg (FZH), erzählt, dass ihre Teilnehmer vor allem fragen: Wo finde ich Rückhalt? Wie bewähre ich mich vor meinem Team? Wie gehe ich mit dem „Du“ und „Sie“ um? Was wird aus meinen Sauna- und Fahrgemeinschaften? Wie reagiere ich auf Kollegen, die sich vernachlässigt fühlen?

Tipps für den Start

Dass die Neuen manchmal ins Fettnäpfchen treten, sei natürlich: „Viele wollen sich erstmal in der Führungsriege einen guten Stand erarbeiten. Da kann die eigene Abteilung ins Hintertreffen geraten“, meint Baumgärtner. Die Kollegen notierten das als „Jetzt wo der oben ist, sind wir ihm egal.“ Sich so zum ungeliebten Außenseiter zu machen, zugleich aber Fahrgemeinschaften in der Abteilung zu behalten oder sich mit allen zu duzen - dieser Spagat fällt schwer.

Viele Berater empfehlen, mit Stolpersteinen und Unsicherheiten offensiv umzugehen. Dagmar Kohlmann-Scheerer rät: „Sagen Sie: 'Ich bin nicht als Chef geboren worden, ich mache Fehler.' Damit beweisen Sie sympathische Unzulänglichkeit.“ Und wenn verletzte Abteilungsfreunden blöde Sprüche klopfen, sollte der Neue betonen, dass mit der Freundschaft alles beim Alten bliebe. Aber neuen Spielregeln müssten eben beide Parteien akzeptieren.

Nach Ansicht von Günter Lange, Managementberater und Coach aus Bremen, sollten die Aufsteiger ihre ehemalige Position im Team reflektieren: Galten sie als Kreative, Innovatoren, Gruppenclowns? Oder gossen sie im Streit Öl ins Feuer? Was Kollegen vorher erfreute, kann ihnen später sauer aufstoßen. Beliebtheit ist kein Erfolgsgarant.

Vorgesetzte müssen Rücken decken

Für den Neustart empfiehlt Caroline Baumgärtner zwei Prinzipien: Klare Grenzen setzen und authentisch bleiben. Es gehe nicht darum, eine neue Persönlichkeit aufzutischen. Man müsse klare Grenzen setzen und klare Positionen gegenüber den Mitarbeitern beziehen. Die Gründe für Entscheidungen sollten nachvollziehbar sein, ansonsten könnte es heißen: „Der tobt sich auf unsere Kosten aus.“ Und der oder die Neue müsse nicht gleich alles umkrempeln wollen.

Wenn ein Einstieg nicht reibungslos verläuft, kann auch der Vorgesetzte Schuld sein, berichtet Coach Günter Lange. Von oben heiße es dann: „Machen Sie mal, Sie kennen sich ja aus.“ Konflikte seien damit absehbar. Schon bei der Ausschreibung sollten Vorgesetzte vorsichtig sein: Wird ein Job direkt vergeben oder ausgeschrieben? Ist die Entscheidung transparent? Der Vorgesetze solle klarstellen, warum man sich für diese Person entschieden habe - ohne daraus eine Inthronisation zu machen. Je besser berufliche Mentoren den Aufsteigern in den Sattel helfen, desto selbstsicherer und schneller können die Neuen starten.

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