Eigentlich geht es nur um Zahlen. Der Anteil von Frauen in Leitungsorganen ist in der EU auf 15,8 Prozent gestiegen. So teilt EU-Justizkommissarin Viviane Reding am Freitag erfreut via Pressemitteilung aus Davos mit. Das sind 2,2 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.
Reding aber wäre nicht Reding, wenn sie die Zahlen nicht nutzte, um für eines ihrer Kernprojekte zu werben: die Frauenquote. So weit, so legitim. Auch wenn Skeptiker fragen mögen, ob der Anstieg nicht eher ein Beleg dafür ist, dass der Frauenanteil in Führungspositionen auch ohne Quote steigt.
„Gesetzgeberischer Druck wirkt“
Reding sieht das naturgemäß anders. „Die Erfahrung hat es gezeigt: Gesetzgeberischer Druck wirkt“, teilt sie mit. Zuvor im Pressetext: „Nie zuvor ist der Frauenanteil innerhalb eines Jahres so deutlich gestiegen. Dem vorausgegangen war die Vorlage eines Vorschlags der Europäischen Kommission über die Gleichstellung von Frauen in den Leitungsorganen am 14. November 2012.“
Seltsam nur: Die Zahl 15,8 stammt aus dem Oktober 2012. Neuere Daten gibt es noch gar nicht. Offenbar gehen im Hause Reding nicht nur die Uhren, sondern auch die Kalender anders. Was eine Frage aufwirft: Wenn der Ministerrat wie zu erwarten die Quotenvorschläge von Reding, sagen wir, im November 2013 ablehnt, folgt dann daraus, dass der Anteil von Frauen von Oktober 2012 bis 2013 rückwirkend fällt? Logisch wäre es, im vivianischen Kalender.
Hendrik Kafsack
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